EU-Kommission: langsamer Fortschritt bei Entwicklung digitaler Kompetenzen
Die Europäische Kommission will die Mitgliedstaaten stärker unterstützen, um die Entwicklung digitaler Kompetenzen zu beschleunigen, damit die für 2030 gesetzten EU-Ziele erreicht werden.
Die Europäische Kommission will die Mitgliedstaaten stärker unterstützen, um die Entwicklung digitaler Kompetenzen zu beschleunigen, damit die für 2030 gesetzten EU-Ziele erreicht werden.
Der Plan der Kommission, der zu den Maßnahmen für das Europäische Jahr der Kompetenzen gehört, enthält zwei Empfehlungen des Rates für die Mitgliedstaaten, um die digitale Bildung und Ausbildung zu fördern und die gesetzten digitalen Ziele zu erreichen.
Die EU will sicherstellen, dass bis 2030 80 Prozent der Erwachsenen zumindest über digitale Grundkenntnisse verfügen und 20 Millionen IKT-Spezialisten beschäftigt sind.
Derzeit verfügt jedoch nur die Hälfte der Europäer über digitale Grundkenntnisse und nur 9 Millionen Europäer waren 2021 als IKT-Fachleute beschäftigt, die Mehrheit davon männlich.
„Wir machen nicht schnell genug Fortschritte und wenn wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben, erreichen wollen, müssen wir schneller und kühner werden“, sagte Bildungskommissarin Mariya Gabriel auf einer Pressekonferenz am Dienstag (18. April).
Das Ziel der Kommission sei es, dass alle Mitgliedstaaten eine nationale Strategie für digitale Bildung und Kompetenzen ausarbeiten und deren Wirkung überwachen.
Da Bildung nicht in den Zuständigkeitsbereich der EU fällt, hat die Kommission zwei Empfehlungen des Rates vorgelegt, in denen die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, Strategien zur Entwicklung digitaler Kompetenzen zu fördern.
Barrieren abbauen
Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager erklärte, die Empfehlungen zielten darauf ab, Hindernisse zu überwinden, die den Fortschritt der EU bei den digitalen Kompetenzen auf individueller, sektoraler und nationaler Ebene einschränkten. Derzeit gäbe es große Differenzen bei den digitalen Kompetenzen zwischen Mitgliedsstaaten, Altersgruppen und Wirtschaftssektoren.
Ihrer Ansicht nach hängen die Hindernisse auf sektoraler Ebene mit einer „Diskrepanz zwischen dem, was die Menschen im Hinblick auf ihre digitalen Fähigkeiten können, und dem, was von ihnen sowohl in ihrem derzeitigen als auch in einem zukünftigen Job verlangt wird“, zusammen.
Nach Angaben der Kommission verfügt mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer in der EU nicht über die für die meisten Arbeitsplätze erforderlichen digitalen Fähigkeiten.
„Wir müssen die Menschen in die Lage versetzen, digitale Fähigkeiten in allen Bereichen der Wirtschaft zu nutzen“, sagte Vestager und forderte die Mitgliedstaaten auf, ihre Herangehensweise an digitale Fähigkeiten zu „öffnen.“
Offenerer Ansatz
„[Sie müssen] jeden Sektor als digitalen Sektor sehen“, betonte sie auf der Pressekonferenz und fügte hinzu, dass das Thema nicht nur die Bildung betrifft.
Gleichzeitig drängt die Kommission auf einen umfassenderen Ansatz für die Entwicklung digitaler Fähigkeiten auch im Bildungssektor, um sicherzustellen, dass Ausbilder mit den nötigen Werkzeugen und Kompetenzen für die Nutzung und Vermittlung digitaler Fähigkeiten ausgestattet sind.
Nach Angaben der Kommission fühlen sich nur 39 Prozent der Lehrkräfte bereit, digitale Technologien bei ihrer Arbeit zu nutzen, und nur ein Drittel der Schüler besucht Schulen, die Strategien für die Nutzung digitaler Technologien beim Lehren und Lernen entwickelt haben.
„Wir sollten digitale Fähigkeiten in jedes Schulfach integrieren und sie nicht nur als eigenständiges Fach behandeln“, sagte Vestager.
Nächste Schritte
Am Dienstag kündigte die Kommission außerdem den Start eines Pilotprogramms für ein europäisches Zertifikat für digitale Kompetenzen an, um die Anerkennung digitaler Kompetenzen in der gesamten Union zu erleichtern. Das Zertifikat soll nach der Pilotphase im Jahr 2024 eingeführt werden.
Die Empfehlungen der Kommission mobilisieren keine neuen Ressourcen für die Mitgliedstaaten. Die Kommission sagte, dass sie die Mitgliedstaaten unterstützen wird, indem sie das gegenseitige Lernen und den Austausch erleichtert und auf bestehende EU-Finanzierungen hinweist.
Es wird erwartet, dass der Rat die Empfehlungen bis Ende 2023 annimmt.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]