EU-Konsum befeuert illegale Abholzungen in den Tropen
Die EU importiert massenhaft Güter, die aus illegal gerodeten Gebieten stammen. Zu diesem Schluss kommt eine neu Studie der Umweltorganisation "Fern". EURACTIV Brüssel berichtet.
Die EU importiert massenhaft Güter, die aus illegal gerodeten Gebieten stammen. Zu diesem Schluss kommt eine neu Studie der Umweltorganisation „Fern“. EURACTIV Brüssel berichtet.
Alle zwei Minuten ein Fußballfeld: Mit dieser Geschwindigkeit wird Wald in den Tropen vernichtet, oftmals illegal. Auf Feldern und Weiden wachsen Tiere und Pflanzen für den Export – auch nach Europa.
Die Nichtregierungsorganisation „Fern“ veröffentlichte gestern ihren Bericht zu importierten landwirtschaftlichen Gütern, die von illegal gerodetem Land stammen. Demnach importierten die Mitgliedsstaaten 2012 Soja, Leder, Rindfleisch und Palmöle im Wert von mehr als sechs Milliarden Euro, die aus der Umwandlung tropischer Regenwälder in landwirtschaftliche Nutzflächen stammen.
Dem Bericht zufolge sind die Niederlande, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Italien und Frankreich „die größten Importeure dieser illegal bezogenen Produkte“- sie kommen für 63 Prozent des EU-Verbrauchs auf.
Palmöl wird größtenteils von Deutschland und den Niederlanden gekauft. Das aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen Öl ist eines der wichtigsten Pflanzenöle und in zahlreichen Konsumgütern wie Lebensmitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetikprodukten, Autoreifen und Treibstoffen enthalten. Laut Greenpeace enthält die Hälfte aller Supermarktprodukte Palmöl.
Leder wird vor allem an Italien verkauft. Denn dort muss die hohe Nachfrage der Modeindustrie befriedigt werden. Frankreich ist das EU-Land, das den Großteil der Soja-Importe verbraucht – Soja, dass besonders als Futtermittel in der Fleischproduktion Verwendung findet. Das Vereinigte Königreich steht an der Spitze der Rindfleischkäufe.
„Es ist hinlänglich bekannt, dass die EU die Weltmeister beim Import von solchen Produkten, die die Entwaldung vorantreiben“, sagt Saskia Ozinga, Kampagnenkoordinatorin bei Fern. „Aber zum ersten Mal haben wir Daten, die zeigen, dass ein Großteil dieser Abholzung auch illegal ist.“
Die Befunde des Berichts seien „schockierend“, aber „zeigen die Notwendigkeit für das Vereinigte Königreich, seine Komplizenschaft bei illegaler Abholzung zu beenden“, sagt die liberale Europaabgeordnete Catherine Bearder.
Brasilien und Indonesien am meisten betroffen
Dem Bericht zufolge liegt mehr als die Hälfte des weltweit illegal gerodeten Landes in Brasilien. Ein weiteres Viertel ist in Indonesien. Palmöl-Plantagen „sind die größten Einflussfaktoren für Entwaldung“ in diesen Regionen, so Fern.
„In vielen Fällen sind ganze Entwicklungen illegal, weil das Recht auf die Rodung des Landes nicht existiert oder illegal ausgestellt oder eingeholt wurde“, schreibt die Nichtregierungsorganisation.
Aber selbst wenn die Erlaubnis zur Abholzung des Landes rechtmäßig ist, würden die Unternehmen die örtliche Gemeinschaft nicht bezahlen oder mehr Wald abholzen als vertraglich erlaubt ist.
„Zusätzlich zu den Umweltfolgen treibt diese ungezügelte Illegalität die Korruption voran und führt zu Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und dem sinkenden Staatseinnahmen.“
Auch in Kamerun, Kambodscha, der Republik Kongo, Gabun, Laos und Papua-Neuguinea gehen große Regenwaldgebiete verloren.
Ruf nach Reformen
Dringend notwendig ist laut Fern ein „EU-Aktionsplan“ zur Reduktion der Abholzung. „Ein solcher Plan muss sicherstellen, dass alle Importe in die EU legal und nachhaltig sind“, sagt Bearder.
Fern ruft die EU auf, einen Dialog zu eröffnen und Reformen in den betroffenen Regionen voranzutreiben. Denn Fern erkennt, dass viele Firmen sich zwar zu strengen Abholzungsstandards verpflichten, aber sie nicht einhalten können, da keine oder zu lasche Gesetze vor Ort existieren.
„Wir müssen die Triebkräfte der illegalen Abholzung bekämpfen“, sagt Hanna Movat von Fern.
Movats Kollegin Ozinga fügt hinzu: „Die EU muss die relevanten Regierungen, Industrievertreter und Vertreter der Zivilgesellschaft an einen Tisch bringen. Das kann dazu beitragen, dass die Regierungsführung in den Ländern gestärkt wird und die Landrechte der indigenen Gruppen gesichert werden.“