EU macht größte Zugeständnisse in Doha-Runde

Industrie-, Schwellen und Entwicklungsländer feilschen seit 9 Jahren um eine weitere Liberalisierung des Welthandels. Die Doha-Runde scheitert nicht an der EU, analysieren nun US-Forscher.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Gemeinsame Agrarpolitik reformiert. Unser Angebot liegt auf dem Tisch. Jetzt sind andere in der Pflicht“, sagt EU-Handelskommissar Karel de Gucht zur Doha-Runde, dem längsten Welthandelsmarathon der Nachkrieg
"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Gemeinsame Agrarpolitik reformiert. Unser Angebot liegt auf dem Tisch. Jetzt sind andere in der Pflicht", sagt EU-Handelskommissar Karel de Gucht zur Doha-Runde, dem längsten Welthandelsmarathon der Nachkrieg

Industrie-, Schwellen und Entwicklungsländer feilschen seit 9 Jahren um eine weitere Liberalisierung des Welthandels. Die Doha-Runde scheitert nicht an der EU, analysieren nun US-Forscher.

Bei der Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO) zeigt die EU bislang das größte Entgegenkommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Washingtoner Peterson Institute for International Economics (IIE). Die EU mache nach aktuellem Verhandlungsstand knapp 64 Prozent der Zugeständnisse im Agrarbereich, kann im Gegenzug aber nur acht Prozent der aus dem verstärkten Freihandel zu erwartenden Gewinne einstreichen. Zu bedenken sei hierbei allerdings der aktuell relativ hohe Außenschutz der Europäischen Union durch Zölle.

Die IIE-Forscher schätzen den US-Beitrag gering ein. Die Vereinigten Staaten würden momentan nur 6,2 Prozent zu den Angeboten im Landwirtschaftsbereich beitragen, aber mit 13,9 Prozent der Wohlfahrtsgewinne rechnen können. Brasilien, das praktisch keine Zugeständnisse für seine Landwirte machen muss, fließen der Analyse zufolge rund 10 Prozent der Gewinne aus der Marktöffnung im Agrarbereich zu. "Brasilien profitiert von der Liberalisierung der anderen, während es seine eigenen Handelshürden stehen lässt", heißt es von seiten der Forscher.

Die Doha-Runde, auch "Doha-Entwicklungsagenda" genannt, startete im November 2001 und ist bis heute nicht zum Abschluss gekommen. Die Verhandlungspartner konnten sich nicht auf die weitere Liberalisierung des Agrarhandels einigen. Die WTO-Länder rechneten ursprünglich mit einer Erhöhung des Welthandelsvolumens von 100 Milliarden US-Dollar. Größtenteils die Entwicklungsländer sollten davon profitieren. Die Industrieländer sollen unter anderem Agrarsubventionen abbauen, Importquoten und Zölle senken, und den Entwicklungsländer so den Zugang zu ihren Märkten erleichtern. 

EU-Handelskommissar will Doha-Runde neu beleben

EU-Handelskommissar Karel de Gucht fordert eine Neubelebung des Prozesses. "Die G-5-Staaten, also China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika, tragen eine besondere Verantwortung, dass die Doha-Runde erfolgreich abgeschlossen wird", so de Gucht gegenüber der "Wirtschaftswoche". "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Gemeinsame Agrarpolitik reformiert. Unser Angebot liegt auf dem Tisch. Jetzt sind andere in der Pflicht", so der EU-Handelskommissar. De Gucht warnt vor einem endgültigen Scheitern: "Die Welthandelsorganisation WTO würde dadurch stark beschädigt und mit ihr das gesamte multilaterale Handelsregelwerk."

80 Prozent des Pakets sind laut de Gucht abgearbeitet. "Aber ich wünsche mir mehr. Ehrgeizigere Vorhaben im Dienstleistungsbereich etwa oder eine Zollstreichung für klimafreundliche Produkte."

awr

Presse

agrarheute: Europäer leisten den größten Beitrag zum Doha-Marathon (24. August 2010)

Links


Washingtoner Peterson Institute for International Economics (IIE):
"Figuring Out the Doha Round" von Gary Clyde Hufbauer, Jeffrey J. Schott und Woan Foong Wong (2010)

EU-Kommission: Übersicht zur Doha-Runde