EU: Spitzensteuersätze sinken

In der EU werden weiter mehr Steuern und Abgaben verlangt als in den USA und Japan. Steuerlich trennen Skandinavier und Osteuropäer Welten.

Abgaben gibt es überall. In der EU sind sie besonders hoch. Foto: Wragge
Abgaben gibt es überall. In der EU sind sie besonders hoch. Foto: Wragge

In der EU werden weiter mehr Steuern und Abgaben verlangt als in den USA und Japan. Steuerlich trennen Skandinavier und Osteuropäer Welten.

Die Abgabenquote in der EU ist zwischen 2006 und 2007 mit 39,8 Prozent des BIP nahezu konstant geblieben und liegt leicht unter dem Wert von 2000 (40,6 Prozent). Wie aus der Untersuchung Taxation trends in the European Union (22. Juni 2009) – herausgegeben von Eurostat und Kommission – außerdem hervorgeht, übertrifft die EU das Abgabenniveau der USA und Japan um etwa 12 Prozentpunkte.

"Steuerparadiese" in Osteuropa

Innerhalb der Union müssen Bürger und Unternehmen unterschiedlich hohe Abgaben zahlen. So lag das Abgabenniveau in Skandinavien weit über dem Osteuropas. In Rumänien und der Slowakei machten die Abgaben 29, 4 Prozent des BIP aus, in Dänemark dagegen 48, 7 Prozent und in Schweden 48,3 Prozent. Deutschland lag mit 39, 5 Prozent fast genau im EU-Durchschnitt.

Insgesamt gingen die Spitzensteuersätze in der EU leicht zurück. Das lag auch daran, dass osteuropäische Länder Pauschalsteuersätze einführten. Hier sanken die Spitzensteuersätze drastisch: Bulgarien (von 40 auf 10 Prozent), Rumänien (von 40 auf 16 Prozent), Slowakei (von 42 auf 19 Prozent).

In Dänemark mussten Spitzenvediener dagegen rund sechsmal höhere Steuern zahlen als in Bulgarien, nämlich 59 Prozent. In Schweden wurden 56, 4 Prozent Spitzensteuersatz fällig. Deutschland lag hier mit 47,5 ebenfalls im oberen Bereich.

Staaten finanzieren sich über Besteuerung der Arbeit

Einkommensquelle Nummer Eins sind weiterhin Steuern auf Arbeit. Sie machten rund die Hälfte der Steuereinnahmen in der EU aus. Darauf folgen Kapitalsteuern (23 Prozent) und Konsumsteuern (28 Prozent).

Am höchsten wird Arbeit in Italien besteuert (Durschnittlicher impliziter Steuersatz: 43,1 Prozent), am niedrigsten in Malta (24 Prozent).

Konsumsteuern steigen leicht an

Die durchnittlichen impliziten Verbrauchssteuersätze sind in der EU zwischen 2006 und 2007 leicht gestiegen (Plus 0,2 prozent). Auch hier ist Dänemark Spitzenreiter (33,7 Prozent), Am niedrigsten fallen die Konsumsteuern in Griechenland aus (15, 4 Prozent).

Kapitalsteuern steigen

Die Kapitalsteuern stiegen in der EU von 25, 7 auf 28, 7 Prozent. Relativ hoch wurde Kapital in Großbritannien besteuert (42, 7 Prozent), sehr niedrig dagegen in den baltischen Staaten: Estland (10,3 Prozent), Litauen (12,1 Prozent) und Lettland (14,6 Prozent).

Deutschland besteuert Arbeit überdurchschnittlich 

In Deutschland wurde Kapital (24, 4 Prozent) und Konsum (19,8 Prozent) im EU-Vergleich unterdurchschnittlich besteuert (28, 7 Prozent / 22,2 Prozent). Die Abgabenlast auf Arbeit war mit 39 Prozent hingegen relativ hoch (EU-Durchschnitt: 34,4 Prozent).

Deutsche Energiesteuern nur Durchschnitt

Trotz der teils heftig diskutierten Ökosteuer liegen die deutschen Energiesteuern im EU-Schnitt. Sie machen hierzulande 1,9 Prozent des BIP aus, EU-weit sind es 1,8 Prozent. Das deutsche Steueraufkommen kommt zu 4,7 Prozent aus Energiesteuern, im EU-Schnitt sind es 4, 5 Prozent.

awr

Weiterführende Links:

Eurostat: Taxation trends in the European Union 2009 – Hautpergebnisse(en)
Eurostat: Taxation trends in the European Union 2009 – Volltext (en)
Eurostat: Taxation trends in the European Union 2009 – Präsentation (en)