EU untersucht Patentabsprachen von Pharmafirmen

Kurz vor Ende ihrer Amtszeit als oberste EU-Wettbewerbshüterin widmet sich Neelie Kroes nochmals den Pharmaunternehmen. Sie will von den Konzernen erklärt bekommen, wieso sie konkurrierende Generikahersteller dafür bezahlen, dass sie ihre billigeren Nachahmer-Medikamente später auf den Markt bringen.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, hier bei einer Ansprache zu Wettbewerbsverstößen im Kreditkartengeschäft, widmet sich kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit noch einmal den Pharmakonzernen zu. Foto: EC
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, hier bei einer Ansprache zu Wettbewerbsverstößen im Kreditkartengeschäft, widmet sich kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit noch einmal den Pharmakonzernen zu. Foto: EC

Kurz vor Ende ihrer Amtszeit als oberste EU-Wettbewerbshüterin widmet sich Neelie Kroes nochmals den Pharmaunternehmen. Sie will von den Konzernen erklärt bekommen, wieso sie konkurrierende Generikahersteller dafür bezahlen, dass sie ihre billigeren Nachahmer-Medikamente später auf den Markt bringen.

Die EU-Kommission wittert mögliche Wettbewerbsverstöße bei Pharmaunternehmen. Die Kommission interessiert sich speziell für Vereinbarungen, in denen Hersteller von Originalmedikamenten den Herstellern von Nachahmer-Produkten (Generika) Entschädigung zusagen. Sie zahlen ihren Konkurrenten also Geld dafür, dass diese die Markteinführung ihres Generikums verschieben.

"In unserer Untersuchung des Pharmasektors haben wir erhebliche Schwächen dieses Sektors aufgedeckt. Patentvergleiche können problematisch sein, vor allem, wenn ein Originalpräparatehersteller einen konkurrierenden Generikahersteller dafür bezahlt, dass er die Markteinführung eines Produkts verschiebt. Wir müssen solchen Vereinbarungen nachgehen, um besser zu verstehen, warum, von wem und unter welchen Bedingungen sie geschlossen werden", erklärte die zuständige Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.

Die Kommission vermutet, dass die Verbraucher durch solche Vereinbarungen bisher große Nachteile in Kauf nehmen mussten: Patienten haben weniger Auswahl bei den Medikamenten, und billigere Medikamente werden gar nicht erst angeboten.

Kommission für billigere Nachahmerprodukte

Dieser Schritt ist Teil einer großangelegten Initiative der EU-Kommission gegen die Pharmaindustrie. Nach dem Willen der Kommission sollen billigere Nachahmerprodukte stärker verbreitet werden.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Behörde den dänischen Pharmakonzern Lundbeck wegen möglicher Wettbewerbsbehinderungen ins Visier genommen. Das Unternehmen wird verdächtigt, den Markteintritt von Nachahmerprodukten seines erfolgreichen Anti-Depressivums "Citalopram" behindert zu haben.

Der Schritt bedeutet jedoch nicht die Eröffnung eines Kartellverfahrens. Falls die Kommission ein solches später eröffnet, droht den Firmen ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes.

EURACTIV mit dpa

Dokumente / Download / Links

Kommission: Untersuchung der Patentvergleichsvereinbarungen zwischen Pharmaunternehmen (12. Januar 2010)

Kommission: Website mit Informationen zur Untersuchung des Pharmasektors (englisch)

Kommission: Zusammenfassung des Berichts über die Untersuchung des Arzneimittelsektors (8. Juli 2009)