EU will Klonfleisch erlauben

Fleisch und Milch von geklonten Tieren sollen einem Bericht der FAZ zufolge künftig in der EU verkauft werden dürfen. Greenpeace sieht Artenvielfalt der Nutztiere zunehmend in Gefahr.

Kommt die Wurst bald von geklonten Tieren?
Foto:dpa
Kommt die Wurst bald von geklonten Tieren? Foto:dpa

Fleisch und Milch von geklonten Tieren sollen einem Bericht der FAZ zufolge künftig in der EU verkauft werden dürfen. Greenpeace sieht Artenvielfalt der Nutztiere zunehmend in Gefahr.

Die Bundesregierung habe ihren Widerstand gegen die Neuregelung aufgegeben, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am 22. Juni 2009. Beim Agrarministerrat steht heute eine Änderung der EU- Verordnung für neuartige Lebensmittel auf der Tagesordnung. Darin sei die Freigabe für den Verkauf von Fleisch und Milch von direkten Nachkommen geklonter Tiere enthalten, heißt es.

Die EU-Verordnung für neuartige Lebensmittel soll entsprechend angepasst werden. Sie regelt die Zulassung von neuartigen Produkten seit 1996. Die Aufnahme in die Liste bedeutet aber nicht automatisch den Verkauf in der EU. Vorher müsste die EU-Lebensmittelagentur EFSA die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte prüfen. In einem Gutachten zu geklonten Rindern und Schweinen konnte die EFSA keine Risiken festellen.

Vittorio Silano, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Ausschusses der EFSA, erklärte hierzu am 24. Juli 2008:

"Bisher liegen keine eindeutigen Nachweise vor, die darauf schließen lassen, dass zwischen den Lebensmittelprodukten von Klonen und ihren Nachkommen und den Produkten von konventionell erzeugten Tieren Unterschiede bei der Lebensmittelsicherheit bestehen." 

Allerdings geht die EFSA noch von einer sehr schmalen Datenbasis aus und will weitere Untersuchungen durchführen. Die US-Lebensmittelaufsicht hatte Klonfleisch bereits 2008 als unbedenklich eingestuft.

Zu einem späteren Zeitpunkt könnte die EU-Kommission beaftragt werden, eine eigene Regelung für Klon-Lebensmittel zu erlassen, um auf mögliche Widerstände zu reagieren.

Im März 2009 hatte sich das Europäische Parlament gegen eine Zulassung von Klon-Lebensmitteln im Rahmen der EU-Verordnung für neuartige Lebensmittel ausgesprochen. Stattdessen solle die Genehmigung für "Lebensmittel, die aus geklonten Tieren und ihren Nachkommen gewonnen werden" in einer Extra-Verordnung geregelt werden. Im Herbst 2008 hatte das Parlament von der Kommission gefordert, vorschläge zu machen, um das Klonen von Tieren in der Nahrungsmittelproduktion verbieten. (EURACTIV, 4. September 2008)

Greenpeace warnt vor Fleisch von der Stange

Der Greenpeace-Agrar-Experte Martin Hofstetter sagte EURACTIV.de, Anhalspunkte für Umweltschäden durch geklonte Tiere gäbe es keine.
Im Interesse des Verbrauchers müssten Klon-Lebensmittel aber in jedem Fall gekennzeichnet werden.

Haupteinwand Hofstetters gegen geklonte Nutztiere ist der mögliche Verlust der Artenvielfalt. "Damit zum Beispiel nicht plötzlich allen Rindern wegen des Klimawandels zu heiß wird, ist die Artenvielfalt sehr wichtig" sagte Hofstetter. Zudem steige durch die weitere Vereinheitlichung die Gefahr der "Durchseuchung".  

Hofstetter machte zudem auf die Gefahr missglückter Züchtungen im großen Stil aufmerksam. Die in Europa weit verbreiteten Pietrain-Schweine, die auf maximalen Fleischertrag gezüchtet sind, weisen zum Beispiel "Fehler" im Erbgut auf, was zu einer erhöhten Stressanfälligkeit führt. "Es gab Tiere, die kippten tot um, wenn die Stalltüren zu laut geschlagen wurden", sagte Hofstetter. Eine weitere Industrialisierung und Vereinheitlichung der Tierwirtschaft, auch mit Hilfe der Gentechnik, gelte es daher zu vermeiden, so Hofstetter.

awr

Pressespiegel

spiegel.de: Bund gibt Widerstand gegen Klonfleisch auf