EU zwingt Microsoft in die Knie
Die EU-Kommission und der US-Softwareriese Microsoft haben ihren langjährigen Streit beendet. Die Möglichkeit, zwischen den Webbrowsern selbst auszuwählen, ist nach Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes „wie ein Weihnachtsgeschenk für hundert Millionen europäische Internetnutzer“.
Die EU-Kommission und der US-Softwareriese Microsoft haben ihren langjährigen Streit beendet. Die Möglichkeit, zwischen den Webbrowsern selbst auszuwählen, ist nach Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes „wie ein Weihnachtsgeschenk für hundert Millionen europäische Internetnutzer“.
Die Europäische Kommission hat heute ihr Kartellverfahren gegen Microsoft beendet. Als Ergebnis muss Microsoft sein Windows-Betriebssystem von seinem Browser „Internet Explorer“ abkoppeln. Microsoft wird nunmehr einen „Ballot Screen“ mit seinem neuen Windowssystem ausliefern, der Verbrauchern eine Browserauswahl bietet.
Die Neuerung sei ab sofort gültig, werde aber voraussichtlich von Mitte März kommenden Jahres an eingeführt, sagte die für Wettbewerb zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes.
Alternativen im Auswahlfenster
Dann sollen Anwender in Europa, die den Internet Explorer von Microsoft einsetzen, in einem Auswahlfenster beispielsweise auf die Alternativen Firefox, Safari, Chrome und Opera hingewiesen werden. Laut Kroes wird ein Dutzend Browser in dem Fenster aufgeführt. Der Internet Explorer war bisher der auf Windows-PCs vorinstallierte Standard-Browser. Browser sind nötig, um im Internet zu navigieren.
Die bisherige Situation war, als "ob sie in den Supermarkt gehen, um Shampoo zu besorgen und auf dem Regal steht nur eine einzige Marke", meinte Kroes. "Ich hoffe, die Entscheidung ist der Schlusspunkt unter einem langen Kapitel von oft gespannten Beziehungen zwischen der Kommission und Microsoft."
Konkurrenz begrüßt die Einigung
„Das ist ein Sieg für die Web-Zukunft“, sagte der Vorstandschef des norwegischen Softwarehauses Opera, Jon von Tetzchner. Opera hatte vor zwei Jahren mit einer Wettbewerbsbeschwerde das Verfahren in Brüssel angestoßen.
Der Internetkonzern Google, der mit dem eigenen Browser Chrome auf dem Markt ist, begrüßte ebenfalls die neue Lage. Der Branchenverband ECIS, in dem Microsoft-Konkurrenten vertreten sind, zeigte sich zufrieden, dass der Marktführer regelmäßig in Brüssel über die Browserauswahl berichten muss. Die Microsoft-Verpflichtung für Europa gilt fünf Jahre lang.
Zufriedene Reaktionen auch in der Anwaltskanzlei Alber & Geiger, die in dem Verfahren die Interessen des Social Web Browsers "Flock" aus Kalifornien vertreten hat. Es gelang dabei zunächst, die ursprünglich vorgesehene Browserauswahl von nur 5 auf 12 zu erhöhen. In einem zweiten Schritt konnte „Flock“ in dieser Liste platziert werden.
Die Neuerungen gelten für die Betriebssysteme Windows XP, Windows Vista und Windows 7. Hersteller von Personalcomputern (PC) sind frei bei der Browser-Installation.
Strafen: Zehn Prozent des Jahresumsatzes
Die Kommission hatte Microsoft in dem Verfahren vorgeworfen, sein marktbeherrschendes Windows-Betriebssystem mit dem eigenen Internet- Browser zu koppeln und damit möglicherweise den freien Wettbewerb zu behindern. In solchen Fällen kann die Kommission Strafen von bis zu 10 Prozent eines Jahresumsatzes verhängen.
In einem weiteren EU-Verfahren, in dem es um die Offenlegung von Schnittstelleninformationen geht, legte Microsoft neue Zusicherungen vor. Damit will der Konzern gewährleisten, dass alle Hersteller auf technische Informationen zurückgreifen können, um ihre Software mit Windows vereinbar zu machen. „Wir schauen uns das genau an“, sicherte Kommissarin Kroes zu. Das Verfahren läuft aber weiter. Auf Fragen, ob weitere Beschwerden gegen den Softwaregiganten vorliegen, reagierte sie ausweichend.
Frühere Strafgelder aus Brüssel gegen Microsoft summieren sich auf rund 1,7 Milliarden Euro. Der Kreuzzug der Wettbewerbshüter dauert seit mehr als einem Jahrzehnt an – es ist mit Abstand der spektakulärste Fall in Brüssel.
dpa, red.