Euronews sendet ab 2010 auch auf Türkisch [DE]

Der Fernsehkanal Euronews wird im Januar 2010, in Kooperation mit dem türkischen öffentlich-rechtlichen Sender TRT, seine türkischsprachige Version in Betrieb nehmen. Philippe Cayla, der Vorstandsvorsitzende von Euronews, gab EURACTIV gestern (3. März 2009) Details zum Start der neunten Sprachversion.

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Der Fernsehkanal Euronews wird im Januar 2010, in Kooperation mit dem türkischen öffentlich-rechtlichen Sender TRT, seine türkischsprachige Version in Betrieb nehmen. Philippe Cayla, der Vorstandsvorsitzende von Euronews, gab EURACTIV gestern (3. März 2009) Details zum Start der neunten Sprachversion.

Da der Sender das bestehende Netzwerk der türkischen Radio- und Fernsehrundfunkanstalt   (TRT) nutzen kann, wird Euronews künftig von 17 Millionen türkischen Haushalten empfangen werden können. Aber Cayla betonte auch, dass das Programm für Millionen von türkischsprachigen Personen im Ausland empfangbar sein werde, unter anderem in Nordzypern, dem Kaukasus, Zentralasien und Europa, insbesondere in Deutschland.

Euronews ist ein mehrsprachiger Sender, der bereits in acht Sprachen sendet und dessen Programm einfach an neue Sprachen angepasst werden könne, erklärte Cayla. Das Unternehmen habe geplant, die Anzahl der Sprachen zu erhöhen und mit TRT eine auf gegenseitigen Interessen beruhende Partnerschaft begonnen.

Durch die Einführung des türkischsprachigen Programms, werde Euronews mehr Zuschauer in der Türkei gewinnen, was das unmittelbare Ziel sei. Für die Türkei sei es interessant einen Nachrichtensender zu haben, der sich stark auf Europa  konzentriere und die Zuschauer so mit europäischen Angelegenheiten vertraut mache, sagte Cayla.

Er erläuterte, es würden Änderungen am Inhalt vorgenommen, der an das türkische Publikum angepasst werde. Selbstverständlich werde es die Tendenz geben, mehr über die Türkei zu berichten.

TRT wird Euronews auch Material zur Verfügung stellen, das von Euronews-Journalisten bearbeitet werden darf. Gleichzeitig werde der neue Kanal Möglichkeiten bieten, Werbung für den türkischen Markt zu senden.

Türkische Journalisten gesucht

Cayla fügte hinzu, Euronews plane, 17 türkische Journalisten einzustellen, die gleichberechtigt mit ihren Kollegen der anderen Länderversionen, im Redaktionsteam mitarbeiten sollten.

Auf die Frage, wie die Einstellung der türkischsprachigen Journalisten durchgeführt werden solle, erklärte Cayla, Bewerber müssten einfach ihren Lebenslauf an Euronews schicken und diejenigen, die auf das Profil passten, würden dann vom Redaktionsteam zu einem Vorstellungsgespräch ins französische Lyon eingeladen.

Auf die finanziellen Details des Abkommens mit TRT angesprochen, erläuterte Cayla, TRT werde einen Anteil an Euronews-Aktien erhalten und das türkischsprachige Programm finanzieren. Die Kosten, die beim Start einer neuen Programmsprache entstünden seien kein Geheimnis, sagte Cayla weiter, so habe man einen das arabischsprachige Programm betreffenden  Vertrag mit der EU geschlossen, in dem  von Kosten in Höhe von  5 Millionen Euro pro Jahr die Rede sei.

Kampf gegen Euroskepsis

Auf die Frage, ob es mit Ziel des Projektes sei, die zunehmende Euroskepsis in der Türkei zu bekämpfen, gab Cayla unumwunden zu, dass dies in der Tat ein Ziel beider Seiten sei.

Er denke, es sei eines der Hauptmotive der TRT, pro-europäische Gefühle in der Türkei zu fördern.

Der Vorstandsvorsitzende von Euronews betonte, dass die redaktionelle Ausrichtung seines Senders global sei und eine Anpassung an lokale Verhältnisse durch die einzelnen Sprachversionen (momentan in Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Russisch und Arabisch) geschehe.

Euronews als Gegengewicht zur angelsächsischen Weltsicht

Mit Euronews bekämpfe man die Vormachtstellung der englischen Sprache und des angelsächsischen Blicks auf die Welt, zu dem Euronews momentan das einzige wahre Gegengewicht sei. Er denke, die Türken würden dies begrüßen, da sie momentan kein solches Gegengewicht hätten, erklärte Cayla.

Cayla sprach in seiner Auswertung der jüngsten Sprachenversionen, von einem großen Erfolg der 1998 gestarteten russischen Version. Für die im Juli 2008 gestartete Euronews- Version in arabischer Sprache  gebe es allerdings noch keine verlässlichen Daten. Bei einer Untersuchung im Libanon sei man allerdings zu dem Ergebnis gelangt, dass Euronews bereits vor seinen Konkurrenten CNN und BBC World lag.

Man liege  dort zwar noch hinter Al Jazeera und Al Arabiya, aber mit derart fest in der arabischen Welt verwurzelten Sendern könne man es auch nicht aufnehmen, sagte Cayla. Weiterhin machte Cayla kein Geheimnis aus der Tatsache, dass man die Erweiterung des Sprachangebotes plane. Er wolle nicht zu spezifisch werden, aber es seien Projekte in neuen EU-Mitgliedstaaten und Staaten außerhalb Europas in Planung.