Europa kann wohl "problemlos" auf iranische Lithiumvorkommen verzichten

Die iranische Regierung behauptete letzte Woche, in der Provinz Hamedan ein neues Lithiumvorkommen gefunden zu haben, das 10 Prozent aller weltweiten Lithiumvorkommen ausmacht, doch Experten sehen darin keinen Grund für eine Änderung der diplomatischen Beziehungen zwischen der EU und dem Iran.

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Lithium processing in Zimbabwe
Der US Geological Survey, der die Rohstoffvorkommen auf der ganzen Welt kartiert, schätzt die gesamten Lithiumreserven auf etwa 89 Millionen Tonnen. Damit könnte der Iran über bis zu 10 Prozent aller weltweiten Reserven verfügen - und das Land hofft, dass es damit nach jahrelangen Wirtschaftssanktionen und einer galoppierenden Inflation wieder in den geopolitischen Mittelpunkt rücken kann. [[AARON UFUMELI/EPA-EFE]]

Die iranische Regierung teilte zuletzt mit, ein neues Lithiumvorkommen gefunden zu haben, das 10 Prozent aller weltweiten Lithiumvorkommen ausmacht. Laut Experten kann die EU allerdings darauf verzichten.

Die neu entdeckte Lithiumreserve enthält bis zu 8,5 Millionen Tonnen des Elements, sagte ein Beamter des iranischen Industrieministeriums dem iranischen Staatsfernsehen.

Die US Geological Survey, welche die Rohstoffvorkommen auf der ganzen Welt kartiert, schätzt die gesamten Lithiumreserven auf etwa 89 Millionen Tonnen.

Damit könnte der Iran über bis zu 10 Prozent aller weltweiten Reserven verfügen – und das Land hofft, dass es damit nach jahrelangen Wirtschaftssanktionen und einer galoppierenden Inflation wieder in den geopolitischen Mittelpunkt rücken kann.

Es fehlt an der nötigen Infrastruktur und Investitionen

Experten zufolge ist dies jedoch kein Allheilmittel für den Iran.

„Die Energie- und Infrastrukturkosten sind besonders hoch, und es gibt keine ausländischen Direktinvestitionen, um den iranischen Bergbausektor zu unterstützen“, sagte Raphaël Danino-Perraud, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI), gegenüber EURACTIV.

Die EU hat Lithium, das auch als „weißes Gold“ bezeichnet wird, aufgrund seiner Rolle in Batterien für Elektrofahrzeuge und -geräte als kritisches Metall für den ökologischen Wandel des Kontinents eingestuft. Es gilt als Schlüsselelement für die Klimaschutzbemühungen.

Eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey aus dem Jahr 2021 kommt zu dem Ergebnis, dass die Lithiumpreise aufgrund der steigenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen um rund 550 Prozent in die Höhe geschossen sind.

Dennoch „können wir problemlos auf iranisches Lithium verzichten“, so Marc-Antoine Eyl-Mazzega, ebenfalls von IFRI, gegenüber EURACTIV. Keine westlichen Unternehmen würden in den Iran investieren wollen, sagte er: „Nur die Russen und die Chinesen könnten sich das ansehen.“

China, ein Hauptexporteur von Metallen in die EU, ist einer der letzten wirtschaftlichen Verbündeten des Irans.

„Das Land wäre sicherlich […] für chinesische Investitionen und Forschung geeignet: [Der Iran] würde idealerweise wollen, dass chinesische Unternehmen kommen und einen Großteil der Arbeit erledigen“, sagte Thomas Chandleur, leitender Lithium-Analyst bei SFA Oxford, gegenüber Quartz.

Der Iran hat in der Vergangenheit Mineralien in den Westen exportiert, unter anderem Eisenerz, Zink und Kupfer. Doch die jahrelangen internationalen Sanktionen, die erstmals 2006 verhängt wurden, um das iranische Atomprogramm einzudämmen, führten zu einem Mangel an Investitionen in die Bergbauwirtschaft. Internationale Investoren flohen schon vor Jahren aus dem Land.

EU-Gesetz zu kritischen Rohstoffen in Arbeit

Über das neue Vorkommen sei nur wenig bekannt, warnte Danino-Perraud, und es gebe noch Fragen zu den tatsächlichen Umweltauswirkungen des Abbaus. Sollten Energieinvestitionen im Iran wieder aufgenommen werden – was in naher Zukunft nicht der Fall sein wird, fügte er hinzu – würden sie sich höchstwahrscheinlich auf Gas und nicht auf Lithium konzentrieren.

Die Ankündigung des Irans kommt wenige Tage, bevor die Europäische Kommission offiziell ihren EU-Gesetzesentwurf zu kritischen Rohstoffen vorlegen wird. Dieser sieht vor, dass „10 Prozent des EU-Verbrauchs an strategischen Rohstoffen“ in der EU abgebaut werden sollen, wie es in einem von EURACTIV eingesehenen Vorschlagsentwurf heißt.

Derzeit ist die EU bei 14 von 27 kritischen Rohstoffen zu 100 Prozent von ausländischen Lieferanten abhängig und bei weiteren drei kritischen Rohstoffen, darunter Lithium, zu 95 Prozent, so ein Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Im Rahmen des Gesetzes wird die Kommission insbesondere versuchen, die Lieferketten ihrer kritischen Rohstoffe weg von China zu diversifizieren und strategische Projekte in Drittländern zu identifizieren.

Obwohl die EU weit davon entfernt ist, ein Abkommen mit dem Iran zu schließen, kann sie „bei kritischen Rohstoffen nicht zu 100 Prozent autonom sein“, sagte Danino-Perraud. Er fügte hinzu, dass sich strategische Partnerschaften mit anderen Ländern, insbesondere in Afrika und Lateinamerika, als notwendig erweisen werden.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]