Europa Kompakt: EU gibt in Kaliningrad-Streit klein bei
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Nach wochenlangem Hin und Her hat die Europäische Kommission nun versucht, den Konflikt mit Russland über die Einfuhrbeschränkungen in die Enklave Kaliningrad zu entschärfen und zumindest teilweise klein beigegeben.
Zivile Güter, die auf der Sanktionsliste stehen, dürfen nun wieder über das Territorium der EU in die russische Enklave eingeführt werden.
Russland weiß diese Wendung natürlich für seine Narrative zu nutzen. Russische Medien hatten bereits zuvor berichtet, dass in der Problematik ein “Durchbruch” nahe sei und man sich mit der EU in Verhandlungen befände.
Von EU-Seite wird diese Behauptung jedoch zurückgewiesen. Man habe sich auf keine direkten Gespräche eingelassen, hieß es aus Brüssel.
Der russischen Propaganda spielt das trotzdem in die Hände: Zwar liegt noch keine offizielle Reaktion aus Moskau vor, aber durch die neue Ausnahmeregelung kann sich Putin erneut als starker Mann präsentieren, der die Interessen der russischen Bevölkerung durchzusetzen weiß.
Den Artikel zum Thema können Sie hier lesen.
Turbines-News. Der Krimi um die Siemens-Turbinen für Nord Stream 1 geht weiter. Am Mittwochabend hat Gazprom mitgeteilt, dass das Unternehmen keine Dokumente zur Hand habe, die den Transport der Turbine aus Kanada ermöglichen würde. Es sei “unmöglich” einen “objektiven Schluss” bezüglich der “zukünftigen Entwicklungen” zu ziehen. Der russische Staatskonzern führt damit die Bundesregierung weiter vor.
Kann Frankreich seine Energiesicherheit diesen Winter gewährleisten? Wie der Rest der EU ist auch Frankreich mit ernsten Unsicherheiten hinsichtlich der Sicherheit seiner Energieversorgung in diesem Winter konfrontiert. Die Hälfte der Atomkraftwerke liefern keinen Strom, allerdings ist Frankreich auch deutlich weniger auf Gas angewiesen. Den Energieverbrauch per Gesetz reduzieren will die Regierung allerdings auch nicht.
Europas Industrie muss sich wohl mit Energieeffizienz beschäftigen. Die europäische Industrie hat es lange versäumt, einfache Maßnahmen zur Senkung ihres Energieverbrauchs umzusetzen. Da die Versorgungslage angespannt ist und die Preise in die Höhe schießen, wollen die Staats- und Regierungschefs der EU die Senkung des Energieverbrauchs mit allen erforderlichen Mitteln zur Pflicht machen. Ob der Plan der EU-Kommission vom 20. Juli hält, was er verspricht, ist allerdings noch offen.

Gigabitstrategie. Das Bundeskabinett hat gestern die vom Bundesminister für Digitales und Verkehr vorgelegte Gigabitstrategie verabschiedet. Diese peilt an, bis 2025 mindestens 50 % der deutschen Haushalte und Unternehmen an das Glasfasernetz anzuschließen, eine Verdreifachung der Anschlüsse von Mitte 2021. Bürokratische Hürden sollen abgebaut, Genehmigungsverfahren digitalisiert und Fördergelder für privatwirtschaftlich nicht lukrative Regionen vergeben werden.
Unabhängigkeit und Pluralismus der Medien nehmen im diesjährigen und gestern veröffentlichten Bericht zur Rechtsstaatlichkeit eine zentrale Rolle ein. Im Vorfeld der für September geplanten Veröffentlichung des EU-Gesetzes zur Medienfreiheit und nach der Veröffentlichung einer Reihe neuerer Initiativen zum Schutz von Journalisten untersucht der Bericht die Medienunabhängigkeit, insbesondere der öffentlich-rechtlichen Medien, und enthält erstmals an einzelne EU-Staaten gerichtete Empfehlungen, wie sie Journalisten und Medienorganisationen besser schützen können.
Wettbewerb. Der EU-Gerichtshof bestätigte gestern eine weite Auslegung der EU-Fusionskontrollverordnung, die es den nationalen Wettbewerbsbehörden ermöglicht, Fälle von Zusammenschlüssen, die unterhalb der nationalen Schwelle liegen, an die Europäischen Kommission zu verweisen. Der Fall betrifft die im September 2020 eingeleitete Übernahme von Grail durch Illumina, zwei amerikanische Biotechnologieunternehmen.
Ukrainisches Getreide bleibt in der EU hängen. Mit dem Aufbau sogenannter Solidaritätskorridore wollte die EU dabei helfen, ukrainisches Getreide in bedürftige Länder zu bringen. Doch statt die entsprechenden Drittländer im Nahen Osten und in Afrika zu erreichen, bleibt der meiste Weizen aktuell in Europa hängen und verzerrt dort lokale Märkte.
EU erklärt Antibiotikaresistenz zur obersten Priorität. Die neue EU-Behörde für Gesundheitsnotfälle (HERA) hat die Entstehung antibiotikaresistenter Keime als eine der drei größten Gesundheitsbedrohungen in der EU eingestuft. Auch die Weltgesundheitsorganisation mahnt stärkere Bemühungen an.
Verbraucherschützer:innen fordern verbindliche Regeln für Arzneimittelversorgung. Vor der anstehenden Überarbeitung des EU-Arzneimittelrechts fordern Verbraucherschtützer:innen von der EU, sich für eine sichere und krisenfeste Versorgung mit Arzneimitteln nicht allein auf freiwillige Initiativen zu verlassen. Die Industrie hält dagegen und verlangt vor allem finanzielle Unterstützung.
Uniper-Rettung führt zu Spannungen zwischen Deutschland und Finnland. Die Bemühungen um eine Lösung für die finanziellen Probleme des angeschlagenen deutschen Energieriesen Uniper, dessen größter Anteilseigner ein finnisches Unternehmen ist, entwickeln sich zu einem Kräftemessen zwischen Helsinki und Berlin.
Draghis Regierungskoalition droht das Aus. Die Weigerung der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, über ein wichtiges Hilfsdekret zu entscheiden, über das am Donnerstag abgestimmt werden soll, könnte das Ende der Regierungskoalition von Premierminister Mario Draghi bedeuten.
Junge Serb:innen lehnen Russland-Sanktionen ab. Junge Menschen in Serbien bevorzugen mehrheitlich eine Ausrichtung gen Osten gegenüber dem Westen und verurteilen Russland nicht für seinen Krieg in der Ukraine, wie eine kürzlich vom Nationalen Jugendrat Serbiens durchgeführte Umfrage ergab.
Litauen begrüßt EU-Kompromiss zu Kaliningrad-Sanktionen. Litauen hat das Update der EU-Kommission zu den Transitsanktionen zwischen dem russischen Festland und der Exklave Kaliningrad begrüßt, fordert aber weiterhin strengste Sanktionen.
Gesundheitsgesetz wird zum ersten Stresstest für Macrons Minderheitsregierung. Frankreichs Premierministerin Élisabeth Borne will dafür „kämpfen“, dass die Parteien im Parlament das neue Gesundheitsgesetz der Regierung unterstützen, nachdem die Opposition zuvor Impfkontrollen an der Grenze abgelehnt hatte.
Dublin startet historische Aufstockung der Verteidigungsausgaben. Die irische Regierung hat einen neuen Plan vorgestellt, dem zufolge die Ausgaben für die irischen Verteidigungskräfte bis 2028 von 1,1 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro erhöht werden sollen – die größte Aufstockung in der Geschichte des Landes.

- EU: Informelles Treffen der Umweltminister:innen, Stabilisierungs- und Assoziierungsrat EU-Montenegro, informelles Treffen der Minister:innen für europäische Angelegenheiten. // Die Europäische Kommission veröffentlicht die neuesten EU-Wirtschaftsprognosen. // Die Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Stella Kyriakides, trifft den polnischen Gesundheitsminister Adam Niedzielski. // Der für Nachbarschaft und Erweiterung zuständige Kommissar Olivér Várhelyi nimmt am Stabilisierungs- und Assoziierungsrat EU-Montenegro teil. // EU-Chefdiplomat Josep Borrell trifft mit dem montenegrinischen Außenminister Ranko Krivokapić zusammen. // Ausschusssitzungen des Europäischen Parlaments.
- Deutschland: Bundeskanzler Olaf Scholz empfängt den Sultan des Oman, Haitham bin Tariq bin Taimur al-Sa’id.
- Frankreich: Tag der Bastille
- Belgien: Nationale Gedenkfeier für die Opfer der Überschwemmungen vom Juli 2021 in Wallonien.
- Niederlande: EU und Internationaler Strafgerichtshof veranstalten Pressekonferenz zur Untersuchung von Kriegsverbrechen in der Ukraine.
- Schweden: Urteil im Kriegsverbrecherprozess gegen den iranischen Ex-Beamten Hamid Noury.
- Spanien: Erwartete Abstimmung über das Gesetz zur Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen durch die Franco-Diktatur.
- Polen: Besuch der moldawischen Präsidentin Maia Sandu.