Europaabgeordnete: Walisisch soll offizielle Sprache der EU werden [DE]

Der Druck auf die EU steigt, den Status Regional- und Minderheitensprachen zu überdenken und Übersetzungs- und Dolmetscherdienste für Walisisch, Katalanisch und Baskisch anzubieten.

Der Druck auf die EU steigt, den Status Regional- und Minderheitensprachen zu überdenken und Übersetzungs- und Dolmetscherdienste für Walisisch, Katalanisch und Baskisch anzubieten.

Die Europaabgeordnete Jill Evans von der pro-walisischen Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru reichte am 3. Juni 2008 eine Beschwerde ein, um Walisisch zu einer der Amtssprachen im Europäischen Parlament zu machen.

Evans gab an, sie wolle, dass die Sprachrechte ihrer Landsmänner von den EU-Institutionen anerkannt würden. Sie behauptet, die Waliser sollten, insbesondere mit dem Parlament, in ihrer Landessprache kommunizieren können.

Sie will beweisen, dass Bürger und Organisationen Walisisch gebrauchen würden, um mit den EU-Institutionen zu kommunizieren, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Es gäbe eine große Nachfrage nach Diensten in walisischer Sprache.

Das Gesuch fordert sowohl Einzelpersonen als auch Institutionen dazu auf, auf europäischer Ebene die offizielle Anerkennung des Walisischen zu erreichen. Sie kämpfe seit mehreren Jahren und begrüße die Unterstützung, die ihr von vielen Organisationen und Einzelpersonen entgegengebracht werde, fügte Evans hinzu.

Während die Verhandlungen zwischen der walisischen Regierung und dem EU-Rat sich gegenwärtig auf den Status der walisischen Sprache und Übersetzung beziehen, beginnen auch andere sprachliche Minderheiten mehr und mehr, sich zu äußern. Die spanische Regierung und regionale Behörden artikulieren ähnliche Ansprüche für Katalanisch und Baskisch.

Katalanisch, dass in Spanien, Andorra, Südfrankreich und in einer Enklave auf Sardinien gesprochen wird, ist eine wichtige Regionalsprache im westlichen Mittelmeerraum. Mit beinahe sieben Millionen Muttersprachlern ist es weiter verbreitet als einige der Amtssprachen der Europäischen Union.

Die EU hat derzeit 23 Amtssprachen. Nach dem Beitritt Bulgariens im Januar 2007 wird in den offiziellen Dokumenten der EU neben der lateinischen und griechischen auch die kyrillische Schrift verwendet: ein offensichtliches Zeugnis der Verschiedenartigkeit des Kontinents. 

Während die EU angibt, sie sei darauf bedacht, ihre sprachliche Vielfalt zu wahren und einen bürgerfreundlichen Informationsaustausch in den offiziellen Sprachen der Mitgliedstaaten anzubieten, bleibt die Stellung von Minderheiten- und Regionalsprachen ein umstrittenes Thema.

Ein Teil der Auseinandersetzung bezieht sich auf die Kosten für Übersetzungs- und Dolmetschdienste. Im Jahr 2005 wurden 511 Millionen Euro für die Spracheinrichtungen der EU-Institutionen ausgegeben. Im vergangenen Jahr stellte der finnische Europaabgeordnete Alexander Stubb in einem Bericht die Notwendigkeit infrage, jedes Dokument in weniger gesprochene Sprachen wie Finnisch, Schwedisch und Maltesisch zu übersetzen.