Eurozone: Grenzprobleme für Geldtransporter
Ein Paradoxon der Währungsunion soll endlich aufgelöst werden: Den Euro gibt es zwar seit acht Jahren, doch die Werttransporter, die Scheine und Münzen in der Euro-Zone zirkulieren lassen, haben immer noch größte Probleme an den Grenzen. Mit Hilfe der Kommission soll der Euro-Bargeld-Transport nun grenzenlos werden.
Ein Paradoxon der Währungsunion soll endlich aufgelöst werden: Den Euro gibt es zwar seit acht Jahren, doch die Werttransporter, die Scheine und Münzen in der Euro-Zone zirkulieren lassen, haben immer noch größte Probleme an den Grenzen. Mit Hilfe der Kommission soll der Euro-Bargeld-Transport nun grenzenlos werden.
Erst acht Jahre nach Einführung des Euro wird dafür gesorgt, dass der Geldtransport in andere Länder der Euro-Zone erleichtert wird. Bisher behinderten die unterschiedlichen Rechtsvorschriften der einzelnen Länder den Transport von Bargeld im Euro-Raum erheblich.
Für Menschen und Unternehmen ist das Zahlen mit dem Euro längst selbstverständlich, doch ausgerechnet die Geldtransporter stoßen ständig an – unsichtbare – Grenzen. Das widerspricht freilich dem Grundgedanken der einheitlichen Währung.
Olli Rehn: Höchste Zeit
Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn sagte dazu: "Seit Einführung der Euro-Banknoten und -Münzen sind über acht Jahre vergangen. Es ist jetzt höchste Zeit, dafür zu sorgen, dass Euro-Bargeld innerhalb des Euroraums leicht und sicher über nationale Grenzen hinweg befördert werden kann."
Was die CIT-Branche („Cash-in-Transit“, wie die Bargeldtransporte genannt werden) nervt: Jedes Land in der Euro-Zone hat eigene Vorschriften über Ausbildung und Training des Personals und über den Besitz und das Tragen von Waffen während des Transports. Ferner gibt es unterschiedliche Regelungen über die Art der Panzerung der Werttransportfahrzeuge und ihre Ausstattung. Sogar über die Zahl der Mitarbeiter, die einen Geldtransport begleiten müssen, gibt es verschiedene Vorschriften.
Unterschiede bei Personalstärke und Panzerung
Nationale Unterschiede gibt es sogar bei den Vorschriften zum Intelligenten Banknoten-Neutralisationssystem (IBNS), das dafür sorgt, dass Banknoten mit Sicherheitsfarbe ausgestattet sind und sich bei Überfällen, Diebstahl und jedem unbefugten Öffnen des Banknotenbehälters mit unlöschbarer Tinte verfärben.
Auch die Zulassungsverfahren sind unterschiedlich, ferner die Informationspflicht gegenüber der Polizei und die Handhabung von Strafen bei Verstoß gegen die Vorschriften und vieles andere.
CIT-Branche verzichtet auf Landweg
Weil der grenzüberschreitende Bargeldtransport im Euro-Raum so kompliziert ist, finden nicht alle Transporte auf dem Landweg statt.
Nun hat die Kommission einen Vorschlag vorgelegt, der den ungehinderten Transport von Bargeld ermöglichen soll.
Ziel des Kommissionsvorschlags ist es also, den freien Verkehr des Euro zu erleichtern, indem die unterschiedlichen nationalen Vorschriften durch gemeinsame EU-Vorschriften ersetzt werden. Diese Vorschriften werden ausschließlich für gewerbsmäßige grenzüberschreitende Transporte auf der Straße gelten. Die innerstaatlichen Transporte von Euro-Bargeld bleiben von den neuen Vorschriften unberührt.
Deshalb sieht unter anderem die Bundesvereinigung deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) das Vorhaben der EU als unnötig an. Laut BDGW machen Transporte ins Ausland nur ein Prozent der gesamten Geldtransporte in Deutschland aus. Vielmehr sollten die Euro-Länder ihre Regelungen über die Transporte gegenseitig anerkennen.
Die neuen Vorschriften betreffen zudem ausschließlich den Straßenverkehr, das heißt alle Flächen, die zu Verkehrszwecken zur Verfügung stehen.
Kosten steigen statt sinken
Außerdem erwartet man sich durch die Neuregelungen, dass die Kosten gesenkt werden. Derzeit entstehen für Transaktionen jährlich Kosten von vielen Milliarden Euro.
Doch besonders nach dem Heros-Vorfall 2006 ist man skeptisch geworden, was den Geldtransport betrifft. Bei Heros, der ehemals größten Geldtransportfirma Deutschlands, haben Geschäftsleitung und Mitarbeiter mehr als 500 Millionen Euro veruntreut.
Ein-Mann- oder Drei-Mann-Besatzung?
Es gibt jedoch inzwischen durchaus vielversprechende Methoden, wie beispielsweise die „Geld Logistik“, die von der All Service Sicherheitsdienste GmbH angeboten wird. Hier wird das Geld in Koffern in einem Fahrzeug gelagert, das nicht als Geldtransporter gekennzeichnet ist, und rund um die Uhr überwacht. Es ist nur ein Fahrer für den Transport zuständig – statt der üblichen Drei-Mann-Besatzung, die aus einem Fahrer und zwei Geldboten besteht.
Doch diese Methode ist im Vorschlag der Kommission nicht vorgesehen. Es sollen immer drei Personen für den Transport verantwortlich sein. Das bedeutet für deutsche Firmen, dass sie mehr Personal einstellen müssten. Die dafür vorgesehene Ausbildung beträgt laut BDGW rund 200 Stunden. Mit anderen Worten: Es fallen zusätzliche Kosten an.
Doch Deutschland liegt vor allem dank dieser „Ein-Mann-Logistik“ europaweit an erster Stelle, wenn es um den schnellen und gleichzeitig sicheren Transport geht. 2009 gab es nur zwei Überfälle, während es etwa in Frankreich 120 waren.
Behörde gibt es in Deutschland noch nicht
Um diese Sicherheit nun überall zu gewährleisten, muss jede Firma, die Geld ins Ausland liefern will, sowohl eine Lizenz im eigenen Land erwerben als auch die europaweit neuen Bestimmungen einhalten. Eine Behörde, die für die Erteilung dieser Lizenz zuständig ist, müsste in Deutschland erst noch geschaffen werden. Bisher gibt es sie nicht. Das heißt: Auch hier wird nicht Geld eingespart, sondern es entstehen zusätzliche Kosten.
Außerdem sollen die Arbeitnehmer während ihres Auslandaufenthalts speziell abgesichert werden, um auch sie für vor allen Gefahren zu bewahren.
Der Vorschlag der Kommission war zuvor mit den Interessenträgern, Sozialpartnern und den Experten der zuständigen Behörden in den betroffenen Mitgliedsstaaten eingehend erörtert worden.
Wenn Rat und Parlament dem Vorschlag der Kommission zustimmen, können die Geldtransporter schon in einem Jahr ungehindert die Grenzen der Euro-Länder überqueren.
Wiebke Bredemeier (mit Mitteilungen der Europäischen Kommission)
Links:
Pressemitteilung der Europäischen Kommission (englisch)
Weißbuch zum gewerbsmäßigen grenzüberschreitenden Straßentransport von Euro-Bargeld
Medien: Europa nimmt die Schaffung eines Geldtransport-Binnenmarktes in Angriff