Eurozone: Inflationsrate sinkt auf Null
Erstmals in der Geschichte der Eurozone stagnieren die Verbraucherpreise. Der Ökonom Gustav Horn warnt gegenüber Euractiv.de vor einer Deflation.
Erstmals in der Geschichte der Eurozone stagnieren die Verbraucherpreise. Der Ökonom Gustav Horn warnt gegenüber Euractiv.de vor einer Deflation.
Im Mai stagnierten die Verbraucherpreise in den 16 Ländern mit der Gemeinschaftswährung im Vergleich zum Mai 2008, wie das EU-Statistikamt Eurostat am 16. Juni 2009 in Luxemburg bestätigte. Hauptgrund sind die gesunkenen Energiepreise.
In Deutschland lag die Inflationsrate im Mai erstmals seit 22 Jahren wieder bei Null, wie das Statistische Bundesamt vor einer Woche mitgeteilt hatte. Die Großhandelspreise sanken gleich um 8,9 Prozent, das war der stärkste Rückgang seit 1986.
In sechs Ländern der Eurozone sanken die Verbraucher-Preise sogar. Am stärksten war der Preisverfall in Irland (minus 1,7 Prozent), Portugal (minus 1,2 Prozent) und in Spanien und Luxemburg (minus 0,9 Prozent).
Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) bewertete die Null-Inflation gegenüber EURACTIV.de folgendermaßen:
"In dieser Zahl spiegelt sich überwiegend der Preisrückgang bei Erdöl und Rohstoffen im Vergleich zum Vorjahr wider, der im weiteren Verlauf des Jahres aber abklingen wird. Gleichwohl zeigt die Nullinflationsrate an, dass auch die übrigen Preise weniger steigen als mit Preisstabilität vereinbar ist. Mit anderen Worten, die Deflationsgefahr hält an und dürfte sich im Verlauf der Krise, wenn die Löhne unter Druck geraten, noch mehr verschärfen."
Jüngst hatte Horn weitere Konjunkturprogramme gefordert.
Gegenüber focus.de äußerten Bankvolkswirte die Erwartung, dass die Euro-Zonen Inflation im Juni in den negativen Bereich rutscht.
awr