Experten warnen: EU-Wasserstoffpläne kollidieren mit Realität

Der slowakische Energienetzbetreiber Eustream und der Gasspeicherbetreiber Nafta sind aktiver Teil der EU-Wasserstoffinitiativen. Allerdings warnen sie, dass es aufgrund fehlender Garantien schwierig sei, langfristige Investitionen anzustoßen.

/ EURACTIV.sk
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Bei der Ausarbeitung von Regeln für den aufstrebenden Wasserstoffmarkt hat die Europäische Kommission die bestehenden Regeln für Erdgas als Vorbild herangezogen. [Mark Rightmire/MediaNews Group/Orange County Register via Getty Images]

Der slowakische Energienetzbetreiber Eustream und der Gasspeicherbetreiber Nafta sind aktiver Teil der EU-Wasserstoffinitiativen. Allerdings warnen sie, dass es aufgrund fehlender Garantien schwierig sei, langfristige Investitionen anzustoßen.

Ziel der neuen EU-Richtlinie und –Verordnung über erneuerbares Gas und Erdgas ist es, deren Integration in das Energiesystem zu erleichtern. Die Umsetzung soll voraussichtlich bis 2026 erfolgen.

Bei der Ausarbeitung von Regeln für den aufstrebenden Wasserstoffmarkt hat die Europäische Kommission die bestehenden Regeln für Erdgas als Vorbild herangezogen. Experten warnen jedoch, dass der Erdgasmarkt im Gegensatz zum Wasserstoffmarkt voll entwickelt sei.

„Wir haben nicht einmal Wasserstoffspeicher, die Wasserstoff einspeisen oder entnehmen können, und auch keine Infrastruktur für den Transport oder die Produktion“, sagte Anna Slavkovská von Nafta auf der Konferenz des slowakischen Gas- und Ölverbands.

Es sei zum jetzigen Zeitpunkt „verfrüht“, so strenge Regeln wie auf dem Gasmarkt einzuführen, fuhr sie fort.

Die Richtlinie verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten dazu, eine Wasserstoffinfrastruktur zu planen und zu entwickeln. Sylvia Angyalová von Eustream verglich die Situation mit den Herausforderungen der Elektromobilität. Die Menschen kauften keine Elektroautos, weil es nur wenige Ladestationen gebe, aber die Ladeinfrastruktur werde nicht ausgebaut, weil es nur wenige Autos gebe, sagte sie.

„Es ist eine Sache, wenn wir es schaffen, eine Wasserstoffleitung durch die Slowakei zu bauen, und eine andere, wenn der Markt im Jahr 2030 bereit genug dafür ist“, erklärte Angyalová.

„Wir werden das Netz nicht ohne garantierte Produktion und garantierten Verbrauch umbauen. Aber wir werden alles tun, um bis 2030 für Wasserstoff bereit zu sein“, fügte sie hinzu.

Regeln für die „Entflechtung“

Die EU-Richtlinie schreibt vor, dass der Betrieb von Wasserstoffübertragungs- und -verteilungsnetzen wirtschaftlich und rechtlich von denen des Gasnetzes getrennt sein muss, gemäß dem Grundsatz der Entflechtung.

Aber Antimonopolmaßnahmen wurden auf den Strom- und Gasmärkten eingeführt, als diese bereits voll entwickelt waren, sagte EY-Managerin Ľubica Ragulat. Sie hinterfragte auch, ob solche Regelungen für den Wasserstoffmarkt, der sich noch in der Entwicklung befindet, notwendig seien.

Angyalová ihrerseits argumentierte, dass es sinnvoll sei, diese Aktivitäten zu regulieren, da Eustream, der Übertragungsnetzbetreiber in der Slowakei, über ein natürliches Monopol verfüge. „Die Frage ist, ob es in Bereichen, die stärker dem Markt ausgesetzt sind, sinnvoll ist“, sagte sie.

Die Richtlinie sieht befristete Ausnahmen von der Entflechtung vor. Voraussetzung dafür sind Kosten-Nutzen-Analysen und Folgenabschätzungen durch Regulierungsbehörden oder andere EU-Mitgliedstaaten.

„Ich hoffe, dass Eustream diese Ausnahmeregelung erhält, damit der Übertragungsnetzbetreiber auch das künftige Wasserstoffnetz verwalten kann“, erklärte Angyalová.

Die meisten der vollständig entwickelten Marktmaßnahmen, einschließlich des Zugangs Dritter zum Übertragungsnetz, sind für den 1. Januar 2033 geplant.

Pilotprojekte

Slavkovská von Nafta begrüßte die Tatsache, dass die neue Gesetzgebung zur unterirdischen Gasspeicherung im Gegensatz zum Transport keine rechtliche und wirtschaftliche Trennung von der Wasserstoffspeicherung vorschreibt. Sie betonte jedoch, wie wichtig es sei, klare Regeln und Optionen für Pilotprojekte festzulegen.

Nafta befindet sich noch in der Forschungsphase, wird aber in Zukunft grünen Wasserstoff benötigen, um zu testen, ob dieser in den Anlagen des Unternehmens gespeichert werden kann. Slavkovská ist der Meinung, dass es hilfreich wäre, wenn Wasserstoff mithilfe erneuerbarer Energiequellen produziert werden könnte.

Die EU-Kommission unterstützt Wasserstoffpläne durch IPCEI-Projekte, und in der Slowakei hat Eustreams H2 Infrastructure – Transmission Repurpose (H2I-TR) diesen Status erreicht.

Diese Investition in Höhe von 400 bis 500 Millionen Euro zielt darauf ab, eine große Gasleitung für den Wasserstofftransport umzufunktionieren. Damit ist dies eine der größten Dekarbonisierungsbemühungen in der Slowakei. Angyalová wies darauf hin, dass die Umrüstung bestehender Infrastrukturen viel billiger sei als der Bau neuer Leitungen, auch wenn die direkte Finanzierung begrenzt bleibe.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]