EZB: Kleine Firmen bei Krediten im Nachteil
Je kleiner und jünger eine Firma ist, desto schwerer wird die Kreditaufnahme. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Europäischen Zentralbank. In der Krise verschlechtern sich für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Konditionen.
Je kleiner und jünger eine Firma ist, desto schwerer wird die Kreditaufnahme. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Europäischen Zentralbank. In der Krise verschlechtern sich für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Konditionen.
Banken lehnen besonders die Kreditanfragen kleinerer Firmen ab. Im ersten Halbjahr 2009 wurde in der Eurozone rund jeder achte Kreditantrag von Firmen mit weniger als 250 Mitarbeitern komplett zurückgewiesen, wie es in einer heute vorgestellten Untersuchung (Englisch) der Europäischen Zentralbank (EZB) heißt. 77 Prozent der Anträge seien dagegen ganz oder zumindest teilweise bewilligt worden.
"Je größer und älter die einen Kredit suchende Firma war, desto wahrscheinlicher wurde er gewährt", heißt es in der zum ersten Mal erstellten Studie zur Kreditvergabe an sogenannte kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die Studie soll künftig alle sechs Monate vorgelegt werden. Im Fall von Mikrofirmen mit weniger als zehn Mitarbeitern sei nur die Hälfte der Anträge komplett bewilligt worden, bei mittleren und großen Firmen lag der Wert dagegen bei 70 Prozent.
Für die Studie hatten die EZB und die Europäische Kommission im Juni und Juli rund 6.000 Firmen in der Eurozone befragen lassen. Die meisten der Unternehmen hatten weniger als 250 Mitarbeiter, für Vergleichszwecke waren aber auch rund 450 große Firmen befragt worden.
Kreditkonditionen verschlechtern sich
Der Studie zufolge sahen sich kleine und mittlere Firmen im ersten Halbjahr 2009 mit schwierigeren Kreditbedingungen konfrontiert als früher. 43 Prozent dieser Firmen, die nach einem Kredit gefragt hatten, berichteten von einer Verschlechterung, nur 10 Prozent sahen eine Verbesserung. Als Hauptursachen wurde der schlechte wirtschaftliche Ausblick angegeben, zudem wurden auch hohe Gebühren neben den eigentlichen Zinsen sowie die Anforderungen an Kreditsicherheiten genannt.
Kleine und mittlere Firmen sind der Studie zufolge bei ihrer Finanzierung besonders stark von Bankkrediten abhängig, da sie im Gegensatz zu großen Konzernen praktisch gar nicht über den Verkauf von Anleihen oder Aktien an frisches Geld kommen. Finanzierungsfragen waren nach Ansicht von 17 Prozent dieser Firmen das drängendste Problem im ersten Halbjahr. Noch mehr Druck machte nur die schwache Kundennachfrage (27 Prozent). Der Wettbewerb (14 Prozent), hohe Produktionskosten und Fachkräftemangel (jeweils 9 Prozent) landeten dagegen auf hinteren Plätzen.
Das Geld wäre da
Die Europäische Zentralbank hatte in der Wirtschaftskrise den Leitzins zur Versorgung der Banken mit frischem Geld auf ein Rekordtief von nur einem Prozent gesenkt und massiv Liquidität in den Markt gepumpt (Siehe EURACTIV.de vom 24. Juni 2009). Damit will sie verhindern, dass die Kreditversorgung der Unternehmen durch die Finanzkrise Schaden nimmt. Notenbankchef Jean-Claude Trichet hatte Anfang September erklärt, die EZB sehe keine flächendeckende Kreditklemme. Die Banken würden vor allem deshalb weniger Darlehen an Unternehmen vergeben, weil Firmen aus Unsicherheit über die konjunkturelle Lage weniger investierten und entsprechend weniger Kredite nachfragten.
Jüngst hatten europäische Wirtschaftsverbände gefordert, die Eigenkapitalvorschriften für Banken vorübergehend zu lockern, um eine Kreditklemme zu vermeiden (Siehe EURACTIV.de vom 16. September 2009).
dpa/awr