Fettleibigkeit: EU gibt Wirtschaft drei Jahre für eigene Ansätze [DE]
Die Unterstützung der Kommission für eigenverantwortliche Regelungen wird von der Nahrungsmittelindustrie und von Werbeträgern begrüßt. Verbraucherorganisationen bezeichnen die Strategie gegen das krankhafte Übergewicht jedoch als 'minimalistisch'. Die Kommission gehe in ihren Augen von unrealistischen Erwartungen aus.
Die Unterstützung der Kommission für eigenverantwortliche Regelungen wird von der Nahrungsmittelindustrie und von Werbeträgern begrüßt. Verbraucherorganisationen bezeichnen die Strategie gegen das krankhafte Übergewicht jedoch als ‚minimalistisch‘. Die Kommission gehe in ihren Augen von unrealistischen Erwartungen aus.
Der Kommissar für Gesundheit Markos Kyprianou sagte bei der Vorlegung des Weißbuchs über „Ernährung, Übergewicht, Adipositas: Eine Strategie für Europa“, das am 30. Mai 2007 von der Kommission angenommen wurde, dass die größte Errungenschaft bisher sei, dass man das Wissen über Fettleibigkeit erhöht habe. Auch habe man die Menschen dazu gebracht habe, anzuerkennen, dass krankhaftes Übergewicht ein Problem sei.
Kyprianou sagte weiterhin: „Die Verbraucher entscheiden, was sie essen wollen, aber sie sollten in der Lage sein, ihre Entscheidungen in Kenntnis der Sachlage zu treffen, und aus einem angemessenen Angebot an gesunden Optionen wählen können. Aus diesem Grund überprüft die Kommission die Möglichkeiten der Nährwertkennzeichnung, und sie appelliert an die Industrie, sich in der Werbung verantwortungsvoll zu verhalten und Salz-, Fett- und Zuckergehalt von Lebensmittelerzeugnissen zu senken.“
Aufgrund der Dringlichkeit des Problems, so Kyprianou, sei es besser, zunächst den Ansatz der Selbstregulierung zu wählen und 2010 zu entscheiden, ob eine Gesetzgebung notwenig sei. Der Wirtschaft diese zweieinhalb Jahre zu gewähren, nach deren Ablauf die Mitgliedstaaten entscheiden könnten, Gesetze einzuführen, stelle einen großen Anreiz für die Wirtschaft dar, bei dem Problem der Fettleibigkeit zu kooperieren.
Auf Grundlage der EU-Plattform zu Fettleibigkeit und des Gründbuchs zur Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung fordert das Weißbuch mehr sektorübergreifende maßnahmenorientierte Partnerschaften überall in der EU. Dies schließt sowohl private Akteure als auch öffentliche Gesundheits- und Verbraucherorganisationen ein.
Die Kommission fordert weiterhin den Privatsektor auf, stärkere Kodizes in der Werbung zu entwickeln; von der Lebensmittel- und Einzelhandelsindustrie fordert sie, größere Bemühungen zu zeigen, Lebensmittel neu zu entwickeln; und sie fordert von Sportorganisationen, Werbungs- und Marketingkampagnen zu entwickeln, die körperliche Bewegung unterstützen und sich dabei besonders auf Kinder konzentrieren.
In Hinblick auf die Plattform für Ernähung, körperliche Bewegung und Gesundheit, die im März 2005 gegründet wurde, sagte Kyprianou, dass diese erste Ergebnisse erziele, dass man aber bisher die Zielvorgabe noch nicht erreicht habe. Deshalb werde die Plattform die Diskussionen fortsetzen. Eine hochrangige Gruppe zu Ernährung, Übergewicht und Gesundheitsproblemen in Verbindung mit Fettleibigkeit wird eingerichtet, um die Plattform auf nationaler Ebene einzubinden und somit den Austausch von „best-practice“-Methoden sicherzustellen.
Kommissar Kyprianou stellte in Bezug auf körperliche Bewegung fest, dass dieses Thema eher in den Bereich der Mitgliedstaaten falle und die Herausforderung nicht überall in der EU-27 gleich sei. „Es ist eine Tatsache, dass Kinder keinen Sport mehr treiben“, so Kyprianou. Deshalb sollten Schulen unterhaltsame körperliche Betätigungen anstatt reine physische Leistungsübungen wieder in ihre Lehrpläne aufnehmen.