Frankreich plant den Einsatz von Pestiziden an EU-Standards anzugleichen

Am Montag (6. Mai) wird Frankreich einen neuen Plan zur Verringerung des Einsatzes von Pestiziden vorlegen. Damit will das Land die Messungen von Auswirkungen und Risiken von Pestiziden, an EU-Standards anpassen. Doch NGOs warnen vor der neuen Methode.

Euractiv.com
French Prime Minister Attal holds press conference on agriculture
„Wenn Frankreich allein ein Molekül verbietet, das von unseren Nachbarn zugelassen ist, verlieren unsere Landwirte ein Mittel zum Schutz ihrer Kulturen, und unsere Produktion wird zurückgehen“, erklärte Marc Fesneau (Bild), der französische Minister für Landwirtschaft und Ernährungssouveränität, in Le Parisien. [EPA-EFE/ALAIN JOCARD / POOL MAXPPP OUT]

Am Montag (6. Mai) wird Frankreich einen neuen Plan zur Verringerung des Einsatzes von Pestiziden vorlegen. Damit will das Land die Messungen von Auswirkungen und Risiken von Pestiziden, an EU-Standards anpassen. Doch NGOs warnen vor der neuen Methode.

Nachdem der französische Premierminister am 1. Februar als Reaktion auf den Unmut der Landwirte eine Regulierungs-„Pause“ angekündigt hatte, wird die französische Regierung am Montag ihren neuen „Ecophyto-Plan“ vorstellen. Dieser zielt darauf ab, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 zu halbieren.

„Er ist Teil einer Strategie für Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität“, sagte Marc Fesneau, der französische Minister für Landwirtschaft und Ernährungssouveränität, am Freitag dem Radiosender France Info.

Der Ecophyto-Plan, der 2007 auf dem Umweltforum von Grenelle aufgestellt wurde, ist weit davon entfernt, sein Ziel zu erreichen, die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln schrittweise einzustellen. Zwischen 2011 und 2022 stagnieren die Käufe, aber Frankreich bleibt einer der größten Pestizidverbraucher in Europa.

Der EU-Standard zur Messung von Einsatz und Risiko

Die wichtigste Neuerung des Plans ist die Änderung der Methode, wie der Pestizideinsatz gemessen wird. Paris wird den europäischen Indikator HRI-1 (Harmonisierter Risikoindikator für Pestizide) übernehmen, der den Einsatz und das Risiko von Pestiziden misst.

Dafür wird der eigene nationale Indikator Nodu aufgegeben, der auf der durchschnittlichen Anzahl der jährlich auf alle Kulturen angewandten Behandlungen basiert.

Nach Ansicht von Fesneau sei der europäische Indikator besser als der Nodu-Indikator, da er die Toxizität der Moleküle berücksichtige. Der Nodu-Indikator mache dagegen „keinen Unterschied“ zwischen toxischen, potenziell gefährlichen und nicht toxischen Molekülen.

Man habe so nur „eine blinde Reduzierung“ der Pestizide vorgenommen, betonte er auf France Info.

Die Regierung hält eine Harmonisierung der Maßnahmen für notwendig, um europäische Ziele zu erreichen.

HRI-1 wurde 2019 in die EU-Gesetzgebung aufgenommen. Er der Hauptindikator für die Berechnung der Verringerung des Einsatzes und des Risikos von Pestiziden im Vorschlag für eine Verordnung über den nachhaltigen Einsatz von Pestiziden, der im Februar von der Europäischen Kommission zurückgezogen wurde.

Obwohl der Vorschlag, den Einsatz von Pestiziden auf EU-Ebene bis 2030 zu halbieren, auf Eis gelegt wurde, bestand der Minister darauf, dass HRI-1 „auferlegt“ werde, wenn die Gesetzgebung mit der neuen Kommission wieder zur Debatte stehe.

Verbote auf europäischer Ebene

Der neue Plan ziele jedoch weiter auch darauf ab, die nationale „Überregulierung“ der EU-Vorschriften zu beenden. Mit anderen Worten: Man will keine chemischen Produkte verbieten, wenn andere europäische Länder sie zulassen/

Damit sollen französische Landwirte in einen fairen Wettbewerb mit ihren EU-Konkurrenten gestellt werden.

„Wenn Frankreich allein ein Molekül verbietet, das von unseren Nachbarn zugelassen ist, verlieren unsere Landwirte ein Mittel zum Schutz ihrer Kulturen, und unsere Produktion wird zurückgehen“, erklärte Marc Fesneau in Le Parisien.

Um mit den anderen Ländern gleichzuziehen, wolle Frankreich nur Moleküle verbieten, die innerhalb der nächsten drei Jahre auf europäischer Ebene verboten werden. Paris glaube, dass dies ausreichen werde.

Nach Angaben des nationalen wissenschaftlichen Instituts Inrae könnten in den kommenden Jahren 75 Moleküle, ihre europäische Zulassung verlieren, weil sie sich als toxisch erweisen oder weil die Anbieter ihren Antrag nicht erneuern.

Diese machen „79 Prozent der in Frankreich im Jahr 2022 verkauften Mengen“ aus.

Um diese künftigen Defizite auszugleichen, wolle die Regierung 250 Millionen Euro pro Jahr für Alternativen bereitstellen, davon 150 Millionen Euro für die Forschung und 50 Millionen Euro für die Finanzierung von Equipment.

Ein europaweiter Wettlauf nach unten laut NGOs

Französische NGOs haben heftig auf den Plan reagiert und vor allem den HRI-1-Indikator scharf kritisiert.

Sie kritisieren, dass Frankreich dem europäischen Indikator den Vorzug gebe. Dieser würde ihrer Meinung nach die tatsächliche Reduzierung des Pestizideinsatzes übertrieben darstellen.

Der HRI-1-Indikator zeige „einen Rückgang“ des Pestizideinsatzes um 32 Prozent „zwischen 2011 und 2021“, während der Nodu-Indikator zeige, dass der Pestizideinsatz „im gleichen Zeitraum um drei Prozent gestiegen“ sei, erklärte der Verband Générations futures in einer Pressemitteilung.

Auch die Gefahrenkoeffizienten des europäischen Indikators halte der Verband für „zu niedrig.“

Diese Kritik wurde auch von europäischen NGOs und sogar vom Europäischen Rechnungshof geäußert.

Darüber hinaus würden die NGOs den Wunsch nicht verstehen, nur den europäischen Indikator zu verwenden, da die derzeitigen Vorschriften die Beibehaltung der nationalen Indikatoren zuließen.

„Frankreich gilt seit langem als Pionierland bei der Reduzierung des Pestizideinsatzes“, so Générations futures abschließend.

„Mit dieser neuen Strategie schließt es sich jenen Ländern an, die alles tun, damit sich nichts ändert, und wirft unser Land damit um 15 Jahre zurück.“

[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Chris Powers/Nick Alipour]