Friedensindex: Wirtschaftswehen schaffen soziale Unruhen

Die andauernde Wirtschaftskrise habe die Welt gewalttätiger gemacht, besagte der Globale Friedensindex (GPI). Er sieht weitere Instabilität voraus, sollten Regierungen keinen gerechteren Ansatz zu den steuerlichen Sparmaßnahmen nehmen.

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Die andauernde Wirtschaftskrise habe die Welt gewalttätiger gemacht, besagte der Globale Friedensindex (GPI). Er sieht weitere Instabilität voraus, sollten Regierungen keinen gerechteren Ansatz zu den steuerlichen Sparmaßnahmen nehmen.

Der jährliche GPI zeigt mehr gewalttätige Demonstrationen, eine Steigerung der Mordrate um fünf Prozent sowie wachsende Angst vor Kriminalität. Der Index wird von einem internationalen Expertenpanel errechnet und nutzt Indikatoren, die von der Nachrichtenabteilung des Economist aufgestellt wurden.

Zusätzlich zu den Humankosten von Gewalt, so Steve Killelea, Gründer von GPI, in einem Interview mit EURACTIV, koste die Instabilität weltweit etwa 5,85 Billionen Euro ($ 7 Billion) pro Jahr – mehr als genug, um die griechischen Schulden auszulöschen.

Neuseeland führt die Liste der friedlichsten Nationen zum zweiten Mal in Folge an, gefolgt von Island, das sich 2008 verschlechterte, sich jedoch seitdem erfolgreich mit dem tiefen Wirtschaftscrash beschäftigt.

„Hochgradig friedliche Staaten sind weniger anfällig für externe Schocks“, sagte Killelea. Islands Geschichte guter Regierungsführung wäre in Zeiten der Krise hilfreich gewesen.

Irak wurde seit Beginn des Indexes vor vier Jahren jedes Mal als gewalttätigstes Land eingestuft. Sein Friedensrating hat sich leicht verbessert, doch nicht genug, um vom Rankingsende wegzukommen.

Somalia und Afghanistan nehmen jeweils den zweit- und drittletzten Platz ein, was den Mangel an funktionierender Regierung und den Einfluss der Kriege widerspiegelt.

Index nicht immun gegen Kritik

Killelea wird die Erkenntnisse des GPI bei einem Event des European Policy Centre am Donnerstag in Brüssel vorstellen. Der Index ist ein komplexer Messungsmechanismus, der Faktoren wie gewaltvolle Kriminalität, Verwicklung in Kriege und militärische Ausgaben einbezieht.

Dennoch ist der Index nicht immun gegen Kritik und kam unter Beschuss, weil kleine Länder, deren Sicherheit von anderen garantiert wird, künstlich hoch bewertet wurden.

Es sollte auch betont werden, dass der Index erst vier Jahre alt ist und viele der jährlichen Veränderungen statistisch nicht signifikant sind.

Der Index wird sicherlich Naserümpfen provozieren, da China vor den USA liegt. Auf Platz 85 wurden die USA für ihre Aktivitäten im Irak und in Afghanistan abgestraft, ebenso wie für ihre hohe Mordrate und galoppierenden Militärausgaben.

China erhielt Platz 80, in erster Linie wegen Sorgen um Menschenrechte. Dennoch ist gewalttätige Kriminalität in China recht niedrig und die kürzlichen Bemühungen, mit den Nachbarn Verbindungen aufzubauen, haben die Spannungen vermindert.

Europa bereitet sich auf sozialen Kampf vor

In der EU ist der errechnete Friedenswert über die letzten vier Jahre um vier Prozent gesunken. Dies liegt teilweise an dem Engagement diverser Mitgliedsstaaten in Afghanistan. Es werden jedoch mittlerweile inländische wirtschaftliche Politikmaßnahmen als größte Bedrohung für den Frieden gewertet.

Die Verbindung zwischen finanziellem Aufruhr und sozialer Instabilität lässt erahnen, dass Europa mehr Ärger erwartet. Dieses Jahr gab es bereits umfassende Proteste gegen Sparmaßnahmen in Griechenland, Spanien und Portugal. Die britische Regierung gab gestern (7. Juni) eine Kampagne für umfassende Ausgabenkürzungen bekannt.

Selbst vor dem Anfall von Demonstranten gegen Regierungssparmaßnahmen in Athen war Griechenland um fünf Plätze auf Platz 62 gefallen. Gewalttätige Demonstrationen im letzten Jahr, sowie ein erhöhtes Terrorismusrisiko halfen dabei, Griechenland auf der Wertung nach unten zu schieben.

Zu anderen Ländern in der Eurozone, die sich in einer gefährlichen steuerlichen Situation befinden, gehört Spanien, das auf Platz 25 des Index steht, drei Plätze besser als im vergangenen Jahr aufgrund einer Abnahme des inländischen Terrorismus.

Portugal, auf Platz 13, hat sich ebenfalls leicht verbessert, obwohl das kürzlich verabschiedete Paket von Sparmaßnahmen eine Prüfung für die soziale Kohäsion sein wird.

Irland, das im Frühjahr 2009 eine Serie von harten Lohnkürzungen und Steuererhöhungen begann, steht an der sechsten Stelle des Rankings. Dies zeigt eine tief verwurzelte Stabilität in Irland, obwohl die Wertung aufgrund seines Status’ als neutrales Land, das kein Mitglied der NATO ist, künstlich hoch sein könnte.

Währenddessen wird Rumäniens Misserfolg von den Autoren des GPI betont, nachdem es wegen der politischen Instabilität im letzten Jahr und Bukarests Menschenrechtsgeschichte um 14 Plätze auf Platz 45 gefallen ist.

Deutschland liegt auf Platz 16 in dem Ranking, während Frankreich den 32. Platz erreichte.

Der Preis für Frieden

Der GPI schätzt, dass die Kosten von „verlorenem Frieden“ bei 23,4 Billionen Euro ($ 28 Billionen) über den Zeitraum der vergangenen vier Jahre liegen.

„Wenn diese Summe um nur 25 Prozent gesenkt würde – was möglich ist – könnte dies Einsparungen in Höhe von 1,5 Billionen Euro ($1,8 Billionen) pro Jahr ermöglichen. Das ist genug, um Griechenlands Schulden von € 460 Milliarden ($ 550 Milliarden) auszulöschen, € 83,8 Milliarden ($ 100 Milliarden) für die Milleniums-Entwicklungsziele aufzuwenden und sogar noch € 48 Milliarden ($ 57,4 Milliarden) für die Erreichung der 20:20:20 Ziele auszugeben“, so Killelea.

Er sagte, dass Militärausgaben eine Schlüsselkomponente des Index seien und nahm an, dass Ausgaben in diesem Bereich in den kommenden Jahren stetig sinken werden. Das gemeinsame Budget aller NATO-Mitglieder liegt bei etwa 836 Milliarden Euro ($ 1 Billion), was die von Russland ausgegebenen 33 Milliarden Euro ($ 40 Milliarden) zwergengleich erscheinen lässt.

Killelea zufolge ist das Niveau von Ausgaben für konventionelle Militärwaren ein Relikt der Zeit des Kalten Krieges und helfe wenig dabei, den Gefahren des modernen Terrorismus zu begegnen.

Europa profitiert weiter vom Frieden

Die friedlichsten Regionen der Welt sind das westliche und östliche Europa. In einer langfristigen Perspektive sei die EU „hochgradig effektiv“ darin gewesen, die Anzahl von Konflikten zu reduzieren und andere Kontinente hätten von der europäischen Erfahrung gelernt.

„Afrikas Stand hat sich aufgrund einer verstärkten Kooperation zwischen den Staaten verbessert, während die ASEAN-Gruppe in Asien Nicht-Aggression zum zentralen Punkt der Beziehungen in der Region gemacht hat.“

„Überraschenderweise“ habe sich die Situation im Nahen Osten in der Bewertung verbessert, da Militärausgaben zurückgingen und die Beziehungen zwischen Nachbarstaaten aufgewertet wurden.

Die Datensammlung endete vor den kürzlichen Eskalationen nachdem ein israelisches Kommando ein Hilfsschiff auf dem Weg nach Gaza gestürmt hatte. „Gaza ist aktuell in den Nachrichten, doch im Allgemeinen gibt es positive Trends in der Region.“

Gerechtigkeit bringt Stabilität

Killelea sagt, dass ein Gewaltausbruch wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise vermieden werden kann, wenn Sparmaßnahmen fair umgesetzt werden. Des Weiteren werden stabile Staaten stärker aus dem Sturm hervorgehen als schwächere.

„Eine Reihe von Faktoren stärken Stabilität. Gut funktionierende Regierungen, die übergreifend zusammen arbeiten können, eine starke Unternehmensumwelt und eine gerechte Verteilung von Wohlstand leisten einen Beitrag für Frieden. Der Gürtel sollte auf gerechte Art enger geschnallt werden und nicht nur eine Gruppe betreffen.“

Respekt für Menschenrechte und eine hohe Beteiligungsrate an Bildung sind ebenso mit niedrigeren Gewaltlevels verbunden, so Killelea.