Gaza-Konflikt: Zunehmender Antisemitismus in EU befürchtet [DE]

Die Gewalt gegen Juden in europäischen Städten nimmt zu, nachdem die israelische Armee in den Gazastreifen vorgerückt ist. Das weckt Befürchtungen, der Antisemitismus in Europa könne sich auf dem Vormarsch befinden. 

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Die Gewalt gegen Juden in europäischen Städten nimmt zu, nachdem die israelische Armee in den Gazastreifen vorgerückt ist. Das weckt Befürchtungen, der Antisemitismus in Europa könne sich auf dem Vormarsch befinden. 

Seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten wurde von Übergriffen auf Juden, Anschlägen auf Synagogen und sporadischen Gewaltübergriffen in Frankreich, Belgien, Schweden, Dänemark und Großbritannien berichtet.

In Frankreich, wo die größten jüdischen und muslimischen Gemeinden Westeuropas leben, traf sich Innenministerin Michèle Alliot-Marie am Montag (5. Januar 2009) mit religiösen Führern und Polizeibeamten, um die nationale Einheit aufrechtzuerhalten, berichtete die International Herald Tribune.

Später am gleichen Abend wurde ein brennendes Auto in eine Synagoge in der französischen Stadt Toulouse gefahren, woraufhin das örtliche Oberhaupt der Juden Armand Partouche seine Besorgnis darüber zum Ausdruck brachte, dass der Antisemitismus erneut aufleben und sich der derzeitige [Gaza-] Konflikt auf Frankreich übertragen könnte, berichtete die AP Presseagentur.

Auch Übergriffe auf Geschäfte mit koscheren Waren in Bordeaux, eine Synagoge in Toulon und eine Wohnung und das Auto eines Rabbiners in Paris sind in der vergangenen Woche gemeldet worden.

Zudem erschienen über das Wochenende anti-israelische Sprüche am Gebäude der israelischen Botschaft in Schweden, wie die Presse berichtete. Kürzlich abgehaltene pro-palästinensische Protestmärsche in den belgischen Städten Brüssel und Antwerpen riefen am Dienstag (6. Januar 2009) ebenfalls Gewaltakte hervor.

In Großbritannien berichtete der Community Security Trust (CST), der den Antisemitismus in Großbritannien bekämpft, dass sich seit dem 29. Dezember 2008 24 Übergriffe auf jüdische Bürger des Landes ereignet haben. Es könne noch schlimmer kommen, sagte der Sprecher Mark Gardner der Presse gegenüber. In der Regel ereigneten sich solche Vorkommnisse in Wellen.

Als Reaktion auf die Befunde des CST drängte der liberaldemokratische Sprecher für innenpolitische Fragen Chris Huhne die britische Regierung gestern (7. Januar 2009), das Polizeiaufgebot in London und Manchester aufzustocken. In den beiden britischen Städten sind große jüdische Gemeinschaften zu Hause.

Im vergangenen Monat sorgte ein Bericht des European Network Against Racism (Europäisches Netzwerk gegen Rassismus) für die Befürchtung, dass sich Extremismus und Rassismus in Europa ausbreiten könnten und dass es insgesamt in der Politik in Europa immer häufiger zu rassistischen Äußerungen kommen werde (EURACTIV vom 3. Dezember 2008). 

Eine Kampagne soll unterdessen eine atheistische Botschaft in Großbritannien verbreiten. Im Rahmen der ‚Atheist Bus Campaign’ (atheistische Buskampagne), die letzte Woche vorgestellt wurde, sollen 800 Busse durch das immer stärker säkular geprägte Großbritannien fahren, auf denen steht: ‚Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Also hört auf, euch Sorgen zu machen, und genießt euer Leben’.