Gewessler: Slowakische AKW-Inbetriebnahme "nicht nachvollziehbar"

Die österreichische Klimaministerin Leonore Gewessler kritisiert die Entscheidung, das grenznahe Atomkraftwerk Mochovce 3 nach Bekanntwerden mehrerer Pannen und Missstände in Betrieb zu nehmen.

Euractiv.de
Informal Meeting of EU Environment Ministers
"Wir haben immer wieder vor einer Inbetriebnahme gewarnt. Diese Entscheidung ist absolut nicht nachvollziehbar", sagte die österreichische Ministerin Gewessler von den Grünen in ihrer Antwort. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Die österreichische Klimaministerin Leonore Gewessler kritisiert die Entscheidung, das grenznahe Atomkraftwerk Mochovce 3 selbst nach Bekanntwerden mehrerer Pannen und Missstände in Betrieb zu nehmen.

Die Inbetriebnahme des slowakischen Atomkraftwerks, das rund 200 Kilometer von Wien und 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt liegt, wurde am Donnerstag von der Leiterin der slowakischen Atomaufsichtsbehörde (UJD), Marta Ziakova, bestätigt.

Zuvor hatte die österreichische Umweltorganisation Global 2000 im Februar 2022 bei der slowakischen Kriminalpolizei Anzeige gegen die slowakische Atomaufsicht erstattet, weil diese es absichtlich versäumt habe, Inspektionen durchzuführen.

Auch die Entdeckung von mangelhaften Rohrleitungen sorgte für Empörung.

„Wir haben immer wieder vor einer Inbetriebnahme gewarnt. Diese Entscheidung ist absolut nicht nachvollziehbar“, sagte die österreichische Ministerin Gewessler von den Grünen in Reaktion.

Die Entscheidung wird nach 15 Tagen rechtskräftig. Das Kraftwerk, an dem seit 37 Jahren gebaut wird, würde im Vollbetrieb ein Zehntel des slowakischen Stromverbrauchs decken.

Laut Gewessler ist das Sicherheitsrisiko angesichts des Krieges in der Ukraine noch größer. Die Kernkraft sei ohnehin eine „gefährliche und veraltete Technologie“.

In Österreich wird keine Atomenergie erzeugt, und das Land hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen den Neu- und Ausbau von Atomkraftwerken in den Nachbarländern zu kämpfen.

Auch Global 2000 bezeichnete die Betriebsgenehmigung als „unverantwortlich“ und geht davon aus, dass die Anlage in wenigen Wochen in Betrieb genommen wird, wenn dies technisch möglich ist.