Globalisierter Handel - globalisierter Tod durch Luftverschmutzung

Weltweit steigt die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch Luftverschmutzung. Nicht nur lokale Emissionen, sondern auch der internationale Handel tragen dazu bei, zeigt eine Studie.

Euractiv.de
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Mexiko Stadt ist eine der zahlreichen Magacities, die immer weiter wachsen. [Foto: Frontpage/Shutterstock]

Weltweit steigt die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch Luftverschmutzung. Nicht nur lokale Emissionen, sondern auch der internationale Handel tragen dazu bei, zeigt eine Studie.

Internationaler Handel – das Stichwort dürfte bei vielen vor allem Themen wie Wirtschaftswachstum, Handelsgerechtigkeit oder Debatten rund um Freihandelsabkommen wie TTIP oder CETA aufrufen.

Doch globaler Handel hat noch eine weitere Seite, die eine neue Studie mit der University of East Anglia (UEA) nun aufdeckt. Sie zeigt zum ersten Mal, wie häufig vorzeitige Todesfälle im Zusammenhang mit Luftverschmutzung aus dem internationalen Handel stehen und bewertet die gesundheitlichen Folgen global.

Dass jährlich Millionen Menschen vorzeitig an Krankheiten sterben, die durch die Exposition gegenüber Luftverschmutzung verursacht werden, ist bekannt. Doch dies steht nicht nur im Zusammenhang mit lokalen Quellen von Luftverschmutzung, sondern kann sie auch durch den atmosphärischen Transport der Verschmutzung aus entfernten Quellen beeinflusst werden, zeigt das internationale Forscherteam. Globalisierter Handel trägt auch zur Globalisierung von Emissionen und Verschmutzung bei.

Die in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie betrachtet dazu die vorzeitige Sterblichkeit, die mit der Feinstaubbelastung (PM2.5) infolge des atmosphärischen Transports und der Produktion und des Verbrauchs von Gütern und Dienstleistungen in 13 Regionen – mit 228 Ländern – verbunden ist. Die Wissenschaftler konzentrierten sich dabei auf Todesfälle durch Herzerkrankungen, Schlaganfall, Lungenkrebs und chronisch obstruktive Lungenerkrankung.

Anhand mehrerer globaler Datenmodelle schätzen die Wissenschaftler, dass von den 3,45 Millionen vorzeitigen Todesfällen im Zusammenhang mit PM2.5-Verschmutzung im Jahr 2007 weltweit etwa zwölf Prozent oder 411.100 Tode mit Luftschadstoffen in Verbindung gebracht wurden.

China bei Emissionen vornan

Besonders fatal sind die in China entstehenden Emissionsmengen. Sie verursachen mehr als doppelt so viele Todesfälle weltweit wie die in anderen Regionen produzierten Emissionen. Die Forscher schätzen, dass die in China produzierte Feinstaub-Verschmutzung mit mehr als 64.800 vorzeitigen Todesfällen in anderen Weltregionen verbunden ist, darunter mit mehr als 3.100 Todesfällen in Westeuropa und den USA. Auch Indien und die übrige Asien-Region tragen überdurchschnittlich stark zu den Emissionen bei.

Todesfälle in benachbarten Regionen sowie in weit entfernten Gebieten sind durch den interkontinentalen Verkehr, insbesondere in den windabgewandten Städten mit dichter Bevölkerung, offensichtlich. So waren im untersuchten Zeitraum zum Beispiel 30.900 Todesfälle in der Region Ostasien (einschließlich Japan und Südkorea) mit Emissionen in China verbunden und 47.300 Todesfälle in Osteuropa waren mit Emissionen in Westeuropa verbunden.

Die Rechnung der Verbraucher gehe also nicht auf, warnen die Forscher. Sind die Kosten für importierte Produkte niedriger, weil weniger strenge Kontrollen zur Luftverschmutzung in den herstellenden Regionen existieren, gingen die Einsparungen der Verbraucher letztlich auf Kosten ihres eigenen Lebens und dem Fremder.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die vorzeitige Sterblichkeit im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung mehr als nur eine lokale Frage ist und unsere Ergebnisse quantifizieren, inwieweit die Luftverschmutzung ein globales Problem ist“, so Studien-Co-Autor Dabo Guan, Professor für Klimawandel-Ökonomie an der UEA School of International Development. „In unserer globalen Wirtschaft können die in einer Region verbrauchten Waren und Dienstleistungen die Produktion von großen Mengen an Luftverschmutzung und damit zusammenhängender Sterblichkeit in anderen Regionen mit sich bringen.“

Doch wie kann dies verhindert, oder zumindest abgemildert werden?

Die Autoren schlagen beispielsweise vor, dass die Regionalpolitik die Luftqualität durch die Verhängung eines Preises für Schadstoffemissionen wirksam regulieren könnte. Allerdings gibt es einige Hinweise darauf, dass die umweltschädlichen Industrien dazu neigen, in Regionen mit toleranteren Umweltvorschriften zu wandern. Spannungen zwischen den Bemühungen einer Region zur Verbesserung der Luftqualität und der Anziehung von ausländischen Direktinvestitionen wären also erwartbar.

Trotzdem, so die Forscher: „Die Verbesserung der Technologien zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung in China, Indien und anderswo in Asien hätte in diesen Regionen und weltweit einen überproportionalen gesundheitlichen Nutzen.“ Eine internationale Kooperation zur Unterstützung des Kampfes gegen die Umweltverschmutzung und zur Verringerung der Emissionen durch den internationalen Handel wären darum von globalem Interesse.

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