Gül: Türkei wäre keine Last für die EU

Abdullah Gül sagt, die Türkei werde "alles tun, was wir tun müssen, um der EU beitreten zu können". Vor seinem Besuch in Deutschland fordert der türkische Staatspräsident eine größere Wertschätzung der Leistungen von Einwanderern aus der Türkei.

Abdullah Gül (R) beginnt seinen viertägigen Staatsbesuch am Sonntag in Berlin. Foto: dpa
Abdullah Gül (R) beginnt seinen viertägigen Staatsbesuch am Sonntag in Berlin. Foto: dpa

Abdullah Gül sagt, die Türkei werde „alles tun, was wir tun müssen, um der EU beitreten zu können“. Vor seinem Besuch in Deutschland fordert der türkische Staatspräsident eine größere Wertschätzung der Leistungen von Einwanderern aus der Türkei.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung versichert Abdullah Gül, dass die Türkei trotz ihres Engagements in den Umbruchstaaten des Nahen Ostens nach wie vor in die EU strebe.

Er hoffe, dass durch die aktuelle Wirtschaftskrise immer mehr Menschen in der EU sehen, "dass die Türkei keine Last darstellen würde für die Gemeinschaft". Im Gegenteil könne die Türkei mit ihrer starken Wirtschaft auch dabei helfen, "Europa wieder auf Vordermann" zu bringen. "Wir könnten einen positiven Beitrag leisten", so Gül.

Die Türkei werde "alles tun, was wir tun müssen, um der EU beitreten zu können", sagte der Präsident in einem weiteren Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er bezeichnete die EU-Vollmitgliedschaft als erklärtes strategisches Ziel seines Landes. "Dieses Ziel möchte die Türkei im Rahmen ihrer Beitrittsverhandlungen mit der EU erreichen. Wenn wir dann soweit sind und der Europäische Rat feststellt, dass der Tag gekommen ist und die Türkei alle Bedingungen erfüllt, wird es natürlich noch Referenden in einzelnen Staaten geben. Wie die Bevölkerungen dieser Staaten entscheiden werden, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Aber selbstverständlich werden wir das Ergebnis respektieren", sagte Gül.

Nur zwei gesunde Nationen in Europa

In Europa gebe es derzeit nur zwei gesunde Nationen: Deutschland und die Türkei. Deutschland sei die Lokomotive der EU und ein Land mit einer starken Wirtschaft. Die Türkei habe 2001 eine schwere Wirtschafts- und Bankenkrise erlebt, daraus habe sie Lehren gezogen. In der EU sehe man heute "genau unsere früheren Schwierigkeiten: Hohe Haushaltsdefizite, eine hohe Schuldenlast, eine Verletzung der Maastricht-Kriterien."

Gül zeigte sich im SZ-Interview über die schwere Krise in Griechenland beunruhigt. Die Türkei helfe Griechenland schon mit ihren Touristen und sei bereit, noch mehr zu tun.

Kritik übte Gül daran, dass Türken für Besuche in Deutschland weiterhin ein Visum benötigen, während das für Deutsche bei Türkeireisen nicht gilt: "Das passt nicht mehr zu unseren engen Beziehungen." Wenn Deutschland seine starke Wirtschaft und seinen Wohlstand bewahren wolle, müsse es sich weiterhin öffnen, meinte Gül. "Es ist doch eine Tatsache, dass in Deutschland die Bevölkerung schrumpft." Inzwischen kehrten auch schon immer mehr in Deutschland gut ausgebildete junge Türken in das Land ihrer Eltern und Großeltern zurück, und dieser Trend könne sich noch fortsetzen. Der Visumzwang schade auch der Wirtschaft in beiden Ländern, meinte Gül.

dto

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Presse

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