Hält Macron am französischen Atomstrom fest?

Der Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron könnte einem Insider zufolge bei einem Wahlsieg länger als gedacht am hohen Atomkraft-Anteil in Frankreich festhalten.

Frankreichs neuer Wirtschaftsminister Emmanuel Macron. Foto: dpa
Emmanuel Macron könnte länger am hohen Anteil von Atomenergie in Frankreich festhalten als gedacht, meint ein Insider. [Foto: dpa]

Der Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron könnte einem Insider zufolge bei einem Wahlsieg länger als gedacht am hohen Atomkraft-Anteil in Frankreich festhalten.

Es bleibe zwar das Ziel, den Anteil von Atomstrom im französischen Energiemix auf 50 Prozent zu begrenzen, sagte der Insider aus dem Umfeld von Macrons Wahlkampf-Team am Mittwoch. „Was sich aber ändern könnte – abhängig von den einzusetzenden Ressourcen – ist das Datum dafür.“

Bislang ist dafür das Jahr 2025 angepeilt. Derzeit beträgt der Anteil von Atomstrom im französischen Energiemix etwa 75 Prozent. Ein Sprecher Macrons sagte offiziell lediglich, die Kurve für die Reduzierung der Atomkraft werde respektiert.

Von einer Verschiebung der Kappung auf 50 Prozent würde der staatliche Versorger EDF profitieren. Der Konzern, der ohnehin schon unter hohen Schulden ächzt, könnte zur Abschaltung von mehr als einem Dutzend seiner 58 Reaktoren gezwungen sein, sollte die Reduzierung schon 2025 kommen. EDF-Aktien stiegen am Mittwoch an der der Börse denn auch um 4,8 Prozent.

Der Insider sagte zudem, Macron erwäge einen Beihilfe-Mechanismus für Atomkraftwerke nach britischem Vorbild, um neue Reaktoren zu bauen. Denn sollten alte Meiler durch neue ersetzt werden müssen, sei klar, dass zu den aktuellen Strompreisen kein Investor Geld in AKWs stecke.

Ob Macron eine Verlängerung der Laufzeiten von Atommeilern über eine Betriebsdauer von 40 Jahren hinaus unterstützen würde, ließ der Insider offen. Macron werde dazu zunächst die Empfehlung der Atomaufsicht abwarten, die Ende 2018 oder 2019 erwartet wird.

Macron tritt am Sonntag in der Stichwahl um das Präsidentenamt gegen Marine le Pen vom rechtsextremen Front National an. Umfragen zufolge kann der parteilose Linksliberale mit einem klaren Sieg rechnen. Am Mittwochabend stand ein letztes TV-Duell der beiden Kandidaten an.