IEA fechtet ‚Peak Oil’-Theorie an [DE]

Unzureichende Investitionen, politische Instabilität und ein behinderter Zugang zu wichtigen Öl- und Gasreserven hätten, laut der Internationalen Energieagentur, den Weltmarkt für fossile Brennstoffe verzerrt und Preise in die Höhe getrieben. Die IEA hat nun Bedenken über eine bevorstehende Ölknappheit heruntergespielt.

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Unzureichende Investitionen, politische Instabilität und ein behinderter Zugang zu wichtigen Öl- und Gasreserven hätten, laut der Internationalen Energieagentur, den Weltmarkt für fossile Brennstoffe verzerrt und Preise in die Höhe getrieben. Die IEA hat nun Bedenken über eine bevorstehende Ölknappheit heruntergespielt.

Für viele Ölkonzerne sei der Kauf von Öl auf den zunehmend schwankenden und teueren Weltrohölmärkten weniger risikoreich als die Investition in neue Gewinnungsanlagen, so William Ramsay der Internationalen Energieagentur (IEA) am 31. Januar 2008 in Brüssel.

Er nahm an einer Konferenz teil, die die außenpolitischen Energiebeziehungen der EU zum Thema hatte. Sie wurde von dem Institut français des relations internationales (IFRI; Französisches Institut für Außenbeziehungen) organisiert.

Während seiner Präsentation bemerkte Ramsay, dass der Großteil der wichtigsten Öl- und Gasreserven der Welt sich in Regionen befände, die entweder für Investoren  weitgehend tabu seien – wie Saudi-Arabien und Venezuela – oder in Gebieten, die von politischer Instabilität und gar gewaltsamen Konflikten geprägt seien – wie der Irak oder die Region um das Kaspische Meer.

Ramsay sagte, daher würde es nicht zu wichtigen Investitionen in Gewinnungsanlagen und zur Erforschung von Reserven kommen, die notwendig seien, um auf eine stetig steigende Weltnachfrage nach Öl und Gas zu reagieren. Dies führe zu Störungen des Marktes und zu steigenden Preisen.

Befürworter der ‚Peak Oil’-Theorie (Theorie des Ölfördermaximums) sagen jedoch, dass die Weltölreserven schlicht zu Ende gehen könnten. Weitere Erforschungen und Investitionen in Gewinnungsanlagen könnten nur wenig beitragen, um die Situation zu korrigieren (siehe unser LinksDossier).

EU-Energiekommissar Andris Piebalgs nahm während einer Rede am 14. Januar 2008 vor dem schweizerischen Energiekongress auf diese Bedenken Bezug. Er sagte, die bevorstehende Energiekrise sollte die EU dazu anspornen, weniger abhängig von fossilen Brennstoffen zu werden, um ihren Energiebedarf zu decken (EURACTIV vom 16. Januar 2008).

Ramsay kritisierte ebenfalls den staatlichen Energieriesen Gazprom dafür, zunehmend in die Beschaffung von Infrastruktur auf der Nachfrageseite zu investieren, um somit seinen Kundenkreis zu erweitern. Stattdessen sollte in Kapazitäten wie die Erschließung neuer Gasfelder investiert werden.

Die Gasförderung in wichtigen westsibirischen Gasfeldern, die von Gazprom erschlossen würden, nehme stetig ab. Dies führe vermutlich zu höheren Gaspreisen für Verbraucher, wenn nicht neue Felder erschlossen würden, so Ramsay.

Ein russischer Konferenzteilnehmer sagte jedoch, Gazprom verhalte sich nicht anders als die meisten großen, vertikal integrierten Energiekonzerne in der EU. Diese bevorzugten ebenfalls, ihren Kundenkreis zu erweitern, statt in teure neue Versorgungskapazitäten zu investieren.