Italiens Aufseher halten Finanzsystem für stabil

Die Finanzaufseher Italiens bezeichnen das heimische Banken- und Finanzsystem trotz der jüngsten Marktturbulenzen als solide. Finanzminister Giulio Tremonti und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker haben kurzfristig ein Krisentreffen in Luxemburg anberaumt, um über den wachsenden Druck der Finanzmärkte auf Italien zu sprechen.

Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti berief das nationale Finanzstabilitäts-Komitee zu einer Krisensitzung ein, um über die Marktturbulenzen zu beraten. Foto: dpa
Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti berief das nationale Finanzstabilitäts-Komitee zu einer Krisensitzung ein, um über die Marktturbulenzen zu beraten. Foto: dpa

Die Finanzaufseher Italiens bezeichnen das heimische Banken- und Finanzsystem trotz der jüngsten Marktturbulenzen als solide. Finanzminister Giulio Tremonti und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker haben kurzfristig ein Krisentreffen in Luxemburg anberaumt, um über den wachsenden Druck der Finanzmärkte auf Italien zu sprechen.

Italiens Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat am Dienstag das nationale Finanzstabilitäts-Komitee einberufen, nachdem die Renditen auf italienische Staatsanleihen auf Rekordniveau gestiegen und Bankaktien abgerutscht waren. "Die Analyse bestätigt, dass das italienische Banken- und Finanzsystem solide ist dank rascher Maßnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis und der Bankliquidität", stellte das Gremium nach der Krisensitzung fest. Das italienische Finanzstabilitäts-Komitee besteht aus führenden Vertretern der Zentralbank, des Wirtschaftsministeriums, der Börsenaufsicht Consob und der Versicherungsaufsicht ISVAP.

Tremonti will sich am Mittwochmorgen mit Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in Luxemburg treffen, wie dieser mitteilte. Italien und Spanien stemmen sich gegen ein Überschwappen der Schuldenkrise aus den Euro-Ländern Griechenland, Irland und Portugal.

Beide Länder müssen Investoren zunehmend höhere Zinsen für ihre Staatsanleihen anbieten. Die Renditen für italienische Papiere stiegen am Dienstag auf den höchsten Wert seit Einführung des Euro vor elf Jahren. Ministerpräsident Silvio Berlusconi will sich am Mittwoch (3. August) erstmals seit längerem wieder zur Wirtschaftslage des Landes im Parlament äußern. Wegen der angespannten Situation verschiebt Spaniens Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero seinen Urlaub.

Wackelkandidaten Spanien und Italien

Die hohen Zinsaufschläge italienischer Anleihen erreichten das bislang höhere Niveau spanischer Bonds. Dies gilt als Signal, dass Italien zum stärksten Wackelkandidaten in der Schuldenkrise aufsteigen könnte und damit Spanien ablösen würde. Spanien und Italien haben sich harte Sparprogramme auferlegt. Berlusconis Mitte-Rechts-Regierung will binnen vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einsparen. Nach Griechenland, das nur ein zweites Hilfspaket vor der Staatspleite rettete, hat Italien mit 120 Prozent die größte Schuldenstandsquote aller 17 Euro-Staaten.

Dennoch sackte der italienische Aktienleitindex am Dienstag auf den tiefsten Stand seit 27 Monaten. "Der Markt fürchtet, dass die Welt in die Rezession zurückfällt, und die Staaten der europäischen Peripherie würden darunter am stärksten leiden", sagte ING-Stratege Alessandro Giansanti. Geschürt werden die Ängste von einer Reihe schwacher US-Wachstumsdaten.

Am Rentenmarkt trennten sich Investoren vor allem von italienischen und spanischen Bonds. Die Renditen der zehnjährigen Anleihen stiegen in der Spitze jeweils auf den höchsten Stand seit 1997. "Die jüngsten Kursverluste der italienischen und spanischen Papiere sind fundamental nicht gerechtfertigt", betonte Renten-Stratege Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. "Aber die Stimmung ist sehr negativ." Investoren erhöhten daher ihre Wetten auf weiter fallende Kurse.

"Wir haben Vertrauen in ihre Fähigkeiten"

Die EU-Kommission versuchte derweil, Italien und Spanien den Rücken zu stärken. Beide Ländern seien auf dem richtigen Weg und hielten ihre Wirtschaft mit den notwendigen Schritten auf Kurs, sagte eine Kommissionssprecherin: "Wir haben Vertrauen in ihre Fähigkeiten." Ähnlich äußerte sich der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Angel Gurria. Italien treffe die richtigen Entscheidungen, sagte Gurria im Reuters-Interview. Das Land habe sein Defizit und seine öffentlichen Finanzen unter Kontrolle.

Gurria äußerte sich in Athen auch zuversichtlich, dass Griechenland seinen Schuldenberg in den nächsten rund zwei Jahrzehnten abbauen könne. Aber dafür müssten das Sparpaket und die Privatisierungsziele umgesetzt werden. "Klar und deutlich: Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Umsetzung, die einwandfrei sein muss", hieß es im OECD-Länderbericht zu Griechenland.

EURACTIV/rtr/dto

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