Italiens Opposition stemmt sich gegen Benennung des Mailänder Flughafens nach Berlusconi
In Italien soll einer der bekanntesten Flughäfen des Landes, Mailand-Malpensa, nach dem verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi umbenannt werden. Die Opposition ist über die Entscheidung aufgebracht.
In Italien soll einer der bekanntesten Flughäfen des Landes, Mailand-Malpensa, nach dem verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi umbenannt werden. Die Opposition ist über die Entscheidung aufgebracht.
Der neue offizielle Name des Flughafens wird „Internationaler Flughafen Mailand-Malpensa – Silvio Berlusconi“ lauten, teilte das von Matteo Salvini geleitete Ressort für Infrastruktur und Verkehr am vergangenen Donnerstag (11. Juli) mit.
Die Bekanntgabe erfolge mit „großer Genugtuung“, sagte Salvini, der auch stellvertretender Ministerpräsident der italienischen Koalition aus seiner rechtspopulistischen Lega, den rechten Fratelli d’Italia und der von Berlusconi gegründeten Christdemokraten ist.
Die Namensänderung wurde postwendend von der italienischen Zivilluftfahrtbehörde umgesetzt, jedoch ohne die SEA, die die Mailänder Flughäfen betreibt, zu konsultieren.
Berlusconis vier Amtszeiten als Ministerpräsident für die christdemokratische Forza Italia umspannten insgesamt neun Jahre und waren von Skandalen und Kontroversen geprägt. Der gebürtige Mailänder und Medienunternehmer war auch zwischenzeitlich Präsident des italienischen Spitzenklubs AC Mailand.
Das Internet reagierte auf die Namensänderung mit einer Flut von Memes und die Opposition drohte am Tag nach der Ankündigung mit zivilgesellschaftlichem Protest.
Am Montag demonstrierten Bürger gemeinsam mit der sozialdemokratischen PD, der Fünf-Sterne-Bewegung, den Grünen und dem Linksbündnis sowie mit vielen anderen Organisationen vor dem Sitz der Regionalregierung der Lombardei in Mailand.
Die linke Gruppe Giovani Democratici della Lombardia, die schnell mobilisierte, um die Behörden zur Rücknahme der Entscheidung zu bewegen, startete eine Petition mit über 140.000 Unterschriften.
Die Oppositionsparteien haben ebenfalls den juristischen Weg eingeschlagen.
„Die Welt wird über uns lachen“
Am Sonntag trafen sich führende Vertreter des lombardischen Regionalverbands der PD mit Anwälten, um über das Einlegen von Rechtsmitteln gegen die Entscheidung beim regionalen Verwaltungsgericht (TAR) zu beraten.
Nicola Di Marco, Vorsitzender der Fünf-Sterne-Bewegung in der Lombardei, erklärte, die Benennung des Flughafens nach Berlusconi sei „ein Zeichen für den völligen Verfall der italienischen Institutionen.“ Er sagte, „die Welt wird über uns lachen.“
Auch der Abgeordnete des Links-Grünen-Bündnisses, Marco Grimaldi, äußerte sich zu der Situation.
„Ich würde mich schämen, von den Flughäfen Falcone und Borsellino zu fliegen und auf dem Flughafen Silvio Berlusconi zu landen“, sagte er. Die Flughäfen Falcone und Borsellino sind nach den beiden Richtern benannt, die 1992 von der Mafia wegen ihres Kampfes gegen das organisierte Verbrechen getötet wurden.
Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala wandte sich in den sozialen Medien an die älteste Tochter Berlusconis.
„Liebe Marina, ich habe dich immer für eine intelligente Person gehalten und deine jüngsten Äußerungen haben dies bestätigt“, schrieb er.
„Du hast aus erster Hand erfahren, wie sehr dein Vater sowohl geliebt als auch gehasst wurde. Aber wäre es nicht besser gewesen, zu warten, die Gemüter abkühlen zu lassen und die Geschichte deines Vaters in aller Ruhe zu lesen?“
„Warum müssen wir so schnell wieder Partei ergreifen, wenn man bedenkt, wie diese Entscheidung zustande kam?“, fügte Sala hinzu.
Sala erwähnte auch seine Beschwerde bei der italienischen Zivilluftfahrtbehörde bezüglich deren Beschluss, den Flughafenname zu ändern, ohne die SEA zu konsultieren.
[Bearbeitet von Nick Alipour]