Jobs: Wer geht wem ins Netz?

Auch die Europäische Union sorgt sich um die Sicherheit ihrer Bürger im Internet. Nach Veröffentlichung einer Studie in Deutschland soll nun auch europaweit ermittelt werden, welchen Einfluss private Daten von Bewerbern im Internet auf die Personalentscheidung von Unternehmen hat. Das teilte die Deutschland-Vertretung der Europäischen Kommission EURACTIV.de mit.

Außer schwarzen Fingernägeln auch schwarze Flecken in der jungen Biographie? Personalchefs googeln danach (Foto: dpa)
Außer schwarzen Fingernägeln auch schwarze Flecken in der jungen Biographie? Personalchefs googeln danach (Foto: dpa)

Auch die Europäische Union sorgt sich um die Sicherheit ihrer Bürger im Internet. Nach Veröffentlichung einer Studie in Deutschland soll nun auch europaweit ermittelt werden, welchen Einfluss private Daten von Bewerbern im Internet auf die Personalentscheidung von Unternehmen hat. Das teilte die Deutschland-Vertretung der Europäischen Kommission EURACTIV.de mit.

Mit der „Umfrage zu Haltung und Ausmaß der Internetnutzung von Unternehmen zur Vorauswahl bei Personalentscheidungen" greift das Bundesministerium für Verbraucherschutz eine Diskussion auf, die in Europa schon seit einiger Zeit geführt wird. In Kürze soll eine entsprechende Umfrage auf Europa ausgedehnt werden, so Anna Reich vom Europäischen Informationszentrum in Berlin im Gespräch mit EURACTIV.de. Studien dieser Art sollen zur europaweiten Debatte zum Schutz vor Datenmissbrauch im Internet beitragen.

In der europäischen Studie soll es – wie in der aktuellen deutschen Umfrage – um die Frage gehen, wie weit sich Unternehmen über Jobbewerber im Internet informieren und ob private Einträge oder private Fotos in den Social Networks dazu führen können, dass es gar nicht erst zu einem Bewerbungsgespräch kommt. Die Studie verband Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) mit dem Appell an die User, genau darauf zu achten, was sie im Internet über sich selbst preisgeben.

Fundgrube Facebook und StudiVZ

Zu den größten Gefahren des Internets gehört der Missbrauch von persönlichen Daten. Schon 2002 hat die EU diesbezüglich eine Richtlinie über „die Verarbeitung personenbezogener Daten und den Schutz der Privatsphäre im Internet“ erlassen. Im Februar 2009 hat die Kommission eine Vereinbarung  zwischen 17 Anbietern von „Social Networks" erwirkt.

Bisher standen in dieser Debatte der Schutz von Minderjährigen und der Schutz vor Missbrauch durch Werbefirmen im Mittelpunkt. Nun entbrennt eine neue Diskussion über die Rechtmäßigkeit von Nachforschungen, die Unternehmen anstellen, wenn sie sich schon im Voraus ein Bild von ihren Bewerbern machen wollen. Eine dankbare Fundgrube von privaten Informationen und Fotos sind soziale Netzwerke wie Facebook, StudiVZ und Wer-kennt-Wen.

Deutsche noch schüchtern im Netz

Deutschland legt im europäischen Vergleich einen recht schüchternen Umgang mit Social Communities an den Tag. So zählt man hierzulande lediglich 3,433.000 Facebook Nutzer. Neben Großbritannien (22,656.000 Nutzer) und Frankreich (13,698.000) beeindrucken diese Zahlen kaum. Und während sich in Großbritannien und in Frankreich rund 50 Prozent bei der Kommunikation im Internet sicher fühlen, sind es in Deutschland nur knapp ein Viertel der Internetnutzer. 

Jedoch nimmt die Bedeutung des Internet  zur Informationsgewinnung auch in Deutschland zu. Eine Statistik aus dem Jahr 2009 zeigt, dass 94 Prozent aller befragten Unternehmen (809 Unternehmen nahmen an der Befragung teil) im Internet nach Personal suchen. Da verwundert es nicht, dass über ein Viertel der Unternehmen das Internet auch bei Personalentscheidungen zu Rate zieht (siehe:Euractiv.de vom 21.08.09)

Privatsphäre schützen

Für die Prävention von Datenmissbrauch im Internet wird in Europa schon einiges getan. Die Vereinbarung zwischen den 17 führenden Websites sozialer Netzwerke (darunter populäre Anbieter wie Facebook, MySpace und StudiVZ) betrifft den Schutz der Privatsphäre, insbesondere von Minderjährigen bei der Nutzung ebensolcher Websites. Die Betreiber erkennen ihre Verantwortung für die Sicherheit von Kindern an und verpflichten sich, Nutzer dazu zu ermuntern, ihre persönlichen Daten und ihre Privatsphäre vor Risiken zu schützen.

Vor allem die Betreiber der Seiten werden bei der europäischen Vereinbarung in die Pflicht genommen. Beispielsweise wird die Einführung von „einfach anklickbaren und zugänglichen Meldetasten" gefordert. Außerdem soll gewährleistet sein, dass die privaten Profile von unter 18-Jährigen nicht suchbar sind. Optionen für den Schutz der Privatsphäre müssen jederzeit auffindbar und zugänglich sein, damit Nutzer leicht feststellen können, ob nur ihre Freunde oder ob alle Nutzer weltweit sehen können, was sie online angeben oder ins Netz stellen.

Kontrolle über eigene Daten

„Europäer müssen das Recht haben zu kontrollieren, wie ihre personenbezogenen Angaben genutzt werden", forderte Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien in einer Videoansprache im April 2009. Eine Studie soll nun bald Aufschluss darüber geben, inwieweit europäischer Personaler das Internet nutzen, um private Daten über zukünftige Mitarbeiter in Erfahrung zu bringen.

Auch in der Bevölkerung werden die Gefahren des Internets immer besser bewusst. Das britische Innenministerium beispielsweise pflegt seit April 2008 in Zusammenarbeit mit Industrie und  Wohlfahrtsverbänden eine Initiative namens „ Social Networking Guidance". Der Arbeitskreis gibt Eltern und Kindern Tipps für den verantwortlichen und sicheren Umgang mit dem Internet.

EU-Programm zur Sensibilisierung

Schon im Jahr 1999 startet die Europäische Kommission das „Safer Internet Programme“: ein Aktionsplan zur Bekämpfung von illegalen, unerwünschten oder schädlichen Inhalten sowie zur Förderung eines sicheren Umfelds und zur Sensibilisierung. Teil dieses Programms ist der „Safer Internet Day", der seit 2004 jährlich europaweit stattfindet. Mit der Verabschiedung des "Safer Internet Programme 2009-2013" durch das Europäische Parlament und den Rat Ende 2008 ging das Programm in die mittlerweile dritte Runde und wurde um weitere vier Jahre verlängert.

Luisa Jacobs