Kampf gegen falschen Käse

Seit Monaten prangern Verbraucherschützer "falsche" Käse- und Schinken-Produkte an, die kaum noch tierische Bestandteile aufweisen. Verbraucherschutzministerin Aigner fordert nun von der EU Kennzeichnungspflichten für Imitate.

Auf jeder Pizza ist Käse. Oder doch nicht? Foto: dpa
Auf jeder Pizza ist Käse. Oder doch nicht? Foto: dpa

Seit Monaten prangern Verbraucherschützer „falsche“ Käse- und Schinken-Produkte an, die kaum noch tierische Bestandteile aufweisen. Verbraucherschutzministerin Aigner fordert nun von der EU Kennzeichnungspflichten für Imitate.

Verbraucher sollen falschen Käse und Schinken nach dem Willen der Bundesregierung europaweit besser erkennen können. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert, die Vorgaben zur Kennzeichnung in der Europäischen Union (EU) zu verschärfen. Das Ziel sei, dass "der Kunde auf Anhieb erkennt, um welche Art von Produkt es sich handelt", heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hielt dies am Donnerstag wie die FDP nicht für ausreichend.

Ist Käse ohne Milch noch Käse?

Falscher Käse und Schinken sorgen seit mehreren Monaten für Kritik und Verunsicherung der Konsumenten. Käse-Imitat ist ein Gemisch aus Wasser, Pflanzenfett, Milcheiweiß, Stärke, Aromen und Farbstoffen, das unter anderem auf Pizzen zu finden ist. Mogel- Schinken besteht aus Stärke-Gel und kleinen Fleischstücken.

EU-Etiketten-Wirrwarr: Sojamilch ist keine Milch, Kokosmilch schon

Die Bezeichnung "Käse" für Käse-Imitate ist heute schon verboten. Nach der EU-Verordnung EG 1234/2007 muss "Käse" Milch enthalten. Die Bezeichnung "Milch" wiederum ist "ausschließlich dem durch ein- oder mehrmaliges Melken gewonnenen Erzeugnis der normalen Eutersekretion" vorbehalten. (Vgl. Artikel 114 / Anhang XII). Die Verordnung führt zum Beispiel dazu, daß Soja-Milch in europäischen Supermärkten nicht Soja-Milch heißen darf, sondern etwa als "Soja-Drink" etikettiert werden muss. Allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen wie "Kokosmilch", "Nussmilch" und "Sonnenmilch", die pflanzlich sind – und trotzdem "Milch" heißen dürfen.

Anbieter von Imitat-Käse nennen ihre Produkte aufgrund des Verbots zum Beispiel "Pizza-Mix" – ohne die Bezeichnung "Käse" zu gebrauchen.

Verrordnung schon auf dem Weg

Deutschland geht die Etiketten-Regelung allerdings nicht weit genug und fordert die EU-Kommission gemeinsam mit Österreich und Luxemburg auf, im Rahmen einer bereits geplanten Verordnung gegen Täuschungen vorzugehen. Produkte, die aussehen wie Käse, aber in denen Milchfett teilweise oder ganz durch andere Fette ersetzt wurde, sowie Schinkenimitate müssten verpflichtend gekennzeichnet werden, sagte der Parlamentarische Verbraucherstaatssekretär Gerd Müller (CSU). Das Ministerium prüft strengere Regeln. Verpflichtende Lösungen lehnt die Wirtschaft ab. Dem Verbraucher soll also extra gesagt werden, dass es sich nicht um Käse oder Schinken handelt, wauch wenn es danach aussieht.

Die FDP-Bundestagsfraktion warf Aigner Versagen im Kampf gegen Imitate vor. "Die Ausrede der Bundesregierung, auf EU-Ebene für Verbesserungen einzutreten, ist ein verbraucherpolitischer Offenbarungseid", sagte FDP-Politiker Hans-Michael Goldmann. Hessens Verbraucherschutzministerin Silke Lautenschläger (CDU) wertete den Vorstoß Aigners positiv. Es seien aber scharfe Kontrollen nötig und bei wiederholter Täuschung eine Veröffentlichung im Internet.

Foodwatch will die Namen der "Betrüger"

Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte, schärfer gegen "schwarze Schafe" vorzugehen. "Imitate müssen als Imitate gekennzeichnet werden und nicht irreführend zum Beispiel als "Pizza-Mix", sagte Geschäftsführer Thilo Bode. Schlimmer sei aber, dass Imitate als Originale ausgegeben würden. "Die Behörden müssen per Gesetz verpflichtet werden, die Namen der Betrüger zu nennen." Foodwatch prangerte einen Schoko-Müsliriegel als weiteres Imitat an. Der Riegel sehe zwar wie Müsli auf der Verpackung aus, darin seien aber nur zehn Prozent Getreideflocken enthalten. Auf seiner Internet-Seite veröffentlicht Foodwatch viele Fälle von "Etiketten-Schwindel" im Supermarkt.

awr/dpa