Kampf gegen Klimawandel: EU-Bankenchef warnt vor Neokolonialismus
Der Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Werner Hoyer, warnte auf dem Klimagipfel der UN-Generalversammlung vor der Vulnerabilität des globalen Südens. Die EU dürfe den Süden nicht einfach für grünen Wasserstoff ausnutzen.
Der Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Werner Hoyer, warnte auf dem Klimagipfel der UN-Generalversammlung vor der Vulnerabilität des globalen Südens. Die EU dürfe den Süden nicht einfach für grünen Wasserstoff ausnutzen.
Der EIB-Chef unterstrich die Notwendigkeit ehrgeiziger Klimaschutzmaßnahmen als treibende Kraft für die Entwicklung in den kommenden Jahren und die Rolle der erneuerbaren Energien auf dem Weg zur Energieunabhängigkeit.
„Ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen sind der große Entwicklungsbeschleuniger für die kommenden Jahre: Saubere Energie ist jetzt viel billiger, schneller verfügbar und zuverlässiger“, sagte Hoyer.
Die Entwicklung umweltfreundlicher Energie dürfe jedoch nicht auf Kosten des rohstoffreichen globalen Südens gehen. So versucht die EU, wie auch andere, momentan, sich den Zugang zu wichtigen Rohstoffen zu sichern, die für die Herstellung von Produkten wie Batterien für Elektrofahrzeuge oder Magneten für Windkraftanlagen benötigt werden.
„Das darf keine Einbahnstraße sein. Klimaschutz darf nicht zum Kolonialismus 2.0 werden“, warnte Hoyer in Bezug zu möglichen Risiken unfairer Abkommen mit Entwicklungsländern.
„Als Europäer können wir nicht einfach die Ressourcen des Südens ausnutzen, um grünen Wasserstoff zu produzieren – oder die kritischen Rohstoffe fördern, die wir für Batterien und Elektrifizierung brauchen“, fügte er hinzu. „Wir brauchen eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, damit beide Seiten profitieren.
Die EU hat eingeräumt, dass Autarkie im Bereich der kritischen Rohstoffe quasi unmöglich ist. Im Rahmen des Gesetzes über kritische Rohstoffe, das Anfang des Jahres vorgelegt wurde, will die EU mit den Erzeugerländern Partnerschaften eingehen, von denen beide Seiten profitieren.
Das von der EU vorgeschlagene Handelsmodell wird als Alternative zu Chinas vermeintlicher Rücksichtslosigkeit in Bezug auf die Beziehungen zu rohstoffreichen Ländern in Afrika dargestellt.
Die EIB hat für den Zeitraum 2021-2030 bis zu einer Billion Euro zur Unterstützung des Klimaschutzes und der ökologischen Nachhaltigkeit zugesagt. Die Bank wird in Projekte investieren, die es Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Südamerika ermöglichen, umweltschädliche Technologien mit nachhaltigen Infrastrukturen und umweltfreundliche Lösungen zu ersetzen.
In seiner Rede auf dem Klimagipfel am Rande der UN-Vollversammlung sagte Hoyer, dass es keinen Mangel an technologischen Ideen und Finanzkapital gebe, um den Investitionsbedarf für den ökologischen Wandel zu decken.
„Der entscheidende Punkt ist, dieses Kapital in bahnbrechende Projekte zu lenken, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern“, fügte er hinzu.
Multilaterale Entwicklungsbanken (MEB) können einen wesentlichen Beitrag zur Bereitstellung von Finanzierungen für Umweltprojekte leisten und Kunden im öffentlichen und privaten Sektor unterstützen, so der EIB-Chef.
„Die MEBs müssen mehr tun. Sie müssen sich darauf konzentrieren, die richtigen Dinge zu tun. Aber auch darauf, die Dinge richtig zu tun“, sagte Hoyer.
[Bearbeitet von Frédéric Simon/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]