Kein Klonfleisch auf europäischen Tellern

Das Fleisch geklonter Tiere soll in der EU vorerst nicht zum Verzehr zugelassen werden. Allerdings will die EU-Kommission die Einfuhr von Fleisch oder Milch der Nachkommen von Klontieren erlauben. EU-Abgeordnete fordern dagegen ein totales Verbot.

Dieses Fleisch darf auch in Zukunft nicht von geklonten Tieren stammen – aber von deren Nachkommen. Foto: dpa
Die Fleischindustrie konnte bislang einen Mindestlohn unter 8,50 € vorsehen.

Das Fleisch geklonter Tiere soll in der EU vorerst nicht zum Verzehr zugelassen werden.
Allerdings will die EU-Kommission die Einfuhr von Fleisch oder Milch der Nachkommen von Klontieren erlauben. EU-Abgeordnete fordern dagegen ein totales Verbot.

Der EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli hat am Dienstag (19. Oktober) vorgeschlagen, das Fleisch geklonter Tiere auch in den kommenden fünf Jahren nicht zum Verzehr freizugeben.

Ein Importverbot für Lebensmittel von Nachfahren geklonter Tiere ist Dalli zufolge unnötig und würde den internationalen Handel behindern. Zudem sei die Herkunft der Produkte nicht mehr festzustellen. Ein generelles Verbot würde dazu führen, dass keinerlei tierische Produkte mehr aus Drittländern eingeführt werden könnten, die das Klonen zu lassen. "Wir werden die Welt nicht regulieren können", sagte der EU-Kommissar.

Tierschützer kritisierten, die Kommission habe sich dem Druck der Drittstaaten gebeugt. Es sei durchaus möglich, die Herkunft der Produkte festzustellen, erklärte der Dachverband europäischer Tierschutzorganisationen.

Beim Klonen wird eine exakte genetische Kopie eines Tieres hergestellt. Die Erfolgsquote liegt jedoch unter 20 Prozent, die meisten Tiere sterben kurz nach der Geburt. Die aufwendige und teure Technik macht den direkten Verzehr geklonten Fleisches unrentabel. Die USA haben ein freiwilliges Moratorium für den Verkauf von Lebensmitteln verhängt, die direkt von geklonten Tieren stammen. Es gilt jedoch nicht für die aus den Nachfahren gewonnenen Produkte.

Bevor der Kommissionsvorschlag in Kraft tritt, müssen das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten dem Vorschlag zustimmen. EU-Abgeordnete haben bereits Widerstand angekündigt: Sie wollen es auch verbieten, mit Samen und Embryonen geklonter Tiere zu handeln.

Parlament und Rat wollen mehr

Nach Ansicht des agrarpolitischen Sprechers der Grünen, Martin Häusling (Grüne/ EFA), geht der Vorschlag der EU-Kommission am Problem vorbei. Er argumentiert, es seien gerade die Nachkommen geklonter Tiere, die Milch und Fleisch für den Verzehr lieferten: "Die nach bestimmten Zuchtzielen hergestellten Klone sind dafür zu kostspielig." Es bestehe daher die "dringende Notwendigkeit weiter zu gehen".

"Die Menschen in Europa wollen und brauchen kein Klonfleisch, daher ist ein eindeutiges Verbot nötig", sagte auch Peter Liese (CDU/ EVP), der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion. Im Juli hatte das Parlament sich in einer Entschließung für ein umfassendes Klonverbot ausgesprochen.

Auch die Mehrheit der europäischen Mitgliedsstaaten hatte gefordert, das Verbot auf die erste Generation der Nachkommen geklonter Tiere auszudehnen.

Regel nach fünf Jahren überprüfen

Die EU-Kommission plant, die neue Regelung nach fünf Jahren noch einmal zu überprüfen. Um besser über die Verwendung von Klonen und deren importiertes Reproduktionsmaterial wie Samen und Embryonen informiert zu sein, will die Kommission ein Rückverfolgungssystem einrichten.

Das Klonen zu anderen Zwecken, etwa der Arzneimittelherstellung, der Erhaltung gefährdeter Arten und der Forschung sei von der Initiative nicht betroffen, betonte Dalli.

"Bedenken wissenschaftlich nicht gerechtfertigt"

Dalli erklärte, der Vorschlag sei "eine realistische und durchführbare Lösung, den herrschenden Tierschutzbedenken Rechnung zu tragen". Die vorgeschlagenen Maßnahmen dienten dem Tierschutz, brächten aber keine unnötigen und ungerechtfertigten Einschränkungen mit sich.

Er unterstrich, es gebe derzeit keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Lebensmitteln aus Klon-Tieren oder ihren Nachkommen rechtfertigten. Das Klonen von Tieren für kommerzielle Zwecke ist zur Zeit nur in Dänemark verboten.

hme mit rtr/EURACTIV.com

Links


EURACTIV.de:
EU will Klonfleisch erlauben (22. Juni 2009)

EU-Kommission: Kommission befürwortet befristete Aussetzung des Klonens von Tieren zur Lebensmittelerzeugung in der EU (19. Oktober 2010)

EU-Kommission: Häufig gestellte Fragen zum Klonen

EU-Parlament: Entschließung zum Thema Neuartige Lebensmittel (7. Juli 2010)