Kommission: EU will Afrika bei nachhaltiger Lebensmittelproduktion unterstützen
Die EU wird den afrikanischen Landwirt:innen und Lebensmittelproduzent:innen mit Entwicklungshilfen zur Seite stehen, sollten die erhöhten EU-Standards für eine grüne Landwirtschaft Handelshemmnisse schaffen, so ein EU-Beamter.
Die EU wird den afrikanischen Landwirt:innen und Lebensmittelproduzent:innen mit Entwicklungshilfen zur Seite stehen, sollten die erhöhten europäischen Umweltstandards in der Landwirtschaft Handelshemmnisse schaffen, so ein Kommissionsbeamter.
Auf dem Treffen der Staats- und Regierungsführungen der EU und der Afrikanischen Union, das heute (18. Februar) zu Ende geht, will die EU die afrikanischen Staaten ermutigen, die umweltpolitischen Maßnahmen des Europäischen Green Deal zu übernehmen.
Die Agrar- und Ernährungsstrategie der Kommission – die Farm-to-Fork-Strategie (F2F), die das europäische Lebensmittelsystem nachhaltiger gestalten soll – könnte sich auch auf die afrikanischen Landwirt:innen auswirken, selbst wenn sie Teile der Strategie nicht übernehmen.
Afrikanische Landwirt:innen befürchten, dass die Anforderungen zur Erfüllung dieser Ziele für den Verkauf ihrer Produkte nach Europa schnell zu einem Handelshemmnis werden könnten.
„Wir wollen, können und werden unser System keinem anderen Land der Welt aufzwingen“, sagte John Clarke, der für Handel zuständige stellvertretende Generaldirektor der Generaldirektion Landwirtschaft (GD AGRI) der Europäischen Kommission, kürzlich auf einer Veranstaltung von EURACTIV.
Die EU schreibe den afrikanischen Landwirt:innen zwar nicht direkt Standards vor, doch die Forderung nach höheren Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards für den Verkauf von Produkten auf dem europäischen Binnenmarkt führe indirekt zu einer Forderung nach deren Einhaltung, so der kenianische Landwirt David Ndegwa auf der gleichen Veranstaltung.
Der EU-Beamte Clarke erinnerte daran, dass alle Länder auf dem jüngsten Gipfel der Vereinten Nationen für Lebensmittelsysteme mehrere Verpflichtungen eingegangen seien, die die Nachhaltigkeit des Lebensmittelsystems von der Produktion bis zum Verbrauch verbessern sollen – ein Konzept, das an die Farm-to-Fork-Strategie angelehnt sei.
„Wir rudern alle in dieselbe Richtung. Wir haben vielleicht unterschiedliche Wege dorthin. Aber die Ziele sind die gleichen“, sagte er.
Die EU steht hinter Afrika
Eine weitere Ebene der Debatte bildete sich in Bezug auf eine der Hauptprioritäten der französischen EU-Ratspräsidentschaft heraus: das Konzept der Gegenseitigkeit im Agrarhandel durch die Einführung von Spiegelklauseln in Handelsabkommen.
Gegenseitigkeit bedeutet, dass importierte Lebensmittel die gleichen Umweltstandards erfüllen müssen, die europäische Landwirt:innen im Rahmen des Europäischen Green Deal einhalten müssen, um deren Wettbewerbsfähigkeit nicht zu beeinträchtigen.
„Wir erhöhen schamlos unsere Standards. Wenn dies zu Schwierigkeiten für den afrikanische Export führt, werden wir mit unserer Entwicklungshilfe dafür sorgen, dass die afrikanischen Landwirt:innen und die Unternehmen, die für den europäischen Markt produzieren, diese Standards erfüllen können“, versicherte Clarke.
Vertreter:innen der afrikanischen Landwirtschaft betonten jedoch, dass die derzeitige Kluft zwischen den beiden Kontinenten in der Landwirtschaft auch auf externe Faktoren zurückzuführen sei, die nur schwer zu bewältigen seien.
„In der EU kann sogar Gemüse, insbesondere Gartenbaukulturen, auf geschlossenen Flächen angebaut werden, während in Afrika, wo Kulturen auf offenen Feldern angebaut werden, Schädlinge und Krankheiten nur mit chemischen Mitteln bekämpft werden können“, so der kenianische Landwirt Ndegwa.
Er verwies auf das ehrgeizige Ziel, den Einsatz und das Risiko von Pestiziden in Europa bis zum Jahr 2030 gegenüber dem derzeitigen Stand zu halbieren. Das könnte Auswirkungen auf afrikanische Landwirt:innen haben, die in die EU exportieren.
Die Handelshemmnisse beschränken sich jedoch nicht nur auf Aspekte der Nachhaltigkeit. Auf der anderen Seite des Mittelmeers gelten die europäischen Landwirt:innen als besser organisiert, sogar in Genossenschaften und Interessenverbänden.
Auch die mangelnde öffentliche Unterstützung der Landwirtschaft und der fehlende Marktzugang beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit der afrikanischen Kleinbäuer:innen.
„Die EU kann die Situation nicht allein verbessern – das wäre neokolonialistisch. Aber wir können als Partner Afrikas in gewisser Weise helfen, die nachhaltige Produktivität in der Landwirtschaft auf dem gesamten Kontinent zu verbessern“, sagte John Clarke von der Kommission.
Farm to Fork? Besser von Landwirt:in zu Landwirt:in
Während der Schwerpunkt von Seiten der EU auf der Nachhaltigkeit liegt, ist die Wettbewerbsfähigkeit Afrikas Priorität.
„Jede:r Landwirt:in steht jeden Tag im Wettbewerb mit den besten Landwirt:innen der Welt. Aber das Spielfeld ist nicht eben“, sagte Theo de Jager, Präsident der Weltbauernorganisation.
Seiner Meinung nach hängt die Wettbewerbsfähigkeit sehr stark von den neuesten Technologien ab. „Was wir uns von der EU-AU-Partnerschaft wünschen, ist ein stärkeres Engagement von Landwirt:in zu Landwirt:in, im Sinne eines Technologie- und Wissenstransfers“, sagte er.
Der EU-Beamte John Clarke stimmte zu, dass die Zukunft eines produktiveren Agrarsektors in Afrika, wie auch in Europa, von den verfügbaren Technologien abhänge, die den Landwirt:innen mehr digitale Lösungen und Präzisionslandwirtschaft bieten können.
„Wir alle sind nicht nur an einem grünen, sondern auch an einem digitalen Wandel beteiligt, sowohl in Europa als auch mit unseren Partnern und insbesondere mit Afrika, das eine Priorität darstellt“, sagte er.
Er erinnerte auch an das wichtigste Forschungsprojekt der EU, Horizon Europe. Hierdurch werden mehr als eine Milliarde Euro für die Verbesserung der nachhaltigen Produktion mittels innovativer Techniken bereitgestellt – Mittel, die auch Afrika zur Verfügung stehen.
[Bearbeitet von Alice Taylor]