Kommission will Lebensmittelpreise überwachen
Die Lebensmittel sind zu teuer, meint die EU-Kommission. Sie hat den Einzelhandel im Verdacht und will deshalb ein Preismonitoring für Lebensmittel einführen. In Deutschland sieht sich der Einzelhandel zu Unrecht an den Pranger gestellt und kündigt an, die Initiative auch auf europäischer Ebene kritisch zu verfolgen.
Die Lebensmittel sind zu teuer, meint die EU-Kommission. Sie hat den Einzelhandel im Verdacht und will deshalb ein Preismonitoring für Lebensmittel einführen. In Deutschland sieht sich der Einzelhandel zu Unrecht an den Pranger gestellt und kündigt an, die Initiative auch auf europäischer Ebene kritisch zu verfolgen.
Die Kommission hat heute angekündigt, die Lebensmittelpreise künftig zu überwachen. Ein erster Preisvergleich auf europäischer Ebene hat Teils drastische Preisunterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten aufgedeckt. So sind die Preisunterschiede bei Mineralwasser (70 Prozent), bei Weißbrot (58 Prozent) und bei Hühnereiern (49 Prozent) am höchsten.
Die Preisdaten aus Deutschland fehlen in der heute von der Kommission veröffentlichten Preisübersicht bei den meisten Produkten. Das soll sich nun ändern. "Wir haben in dem Pilotprojekt die Preisunterschiede zwar identifiziert, aber wir können sie noch nicht erklären. Dafür müssen wir weitere Daten sammeln und analysieren", hieß es heute bei der Kommission gegenüber EURACTIV.de.
Die Daten sollen aufdecken, ob die Preisunterschiede gerechtfertigt sind oder ob die Verbraucher aufgrund von "Marktfehlfunktionen" in manchen Ländern zu viel bezahlen.
Wenn die Kommission in ihrer Mitteilung von "unfairen, aus asymmetrischen Verhandlungspositionen resultierende Vertragspraktiken" spricht, dann thematisiert sie den Verdacht, dass der Einzelhandel seine Macht ausnutze und der Verbraucher letztlich zu viel bezahlt. Ein EU-weites Monitoring soll die Preisbildung und die Funktionsweise der Lebensmittelversorgungskette besser analysieren, so ein Kommissionsmitarbeiter gegenüber EURACTIV.de.
Online-Preisvergleich von Lebensmitteln
Für den Verbraucher selbst ist diese Maßnahme zunächst kaum relevant, weil er seine Milch oder sein Brot wohl kaum im Ausland kaufen wird. Allerdings fordert die Kommission die Mitgliedsstaaten zudem auf, "webbasierte, leicht zugängliche Dienste für einen Vergleich der Lebensmittelpreise im Einzelhandel bereitzustellen".
Wie bei anderen Preisvergleichs-Angeboten solle der Verbraucher das Produkt (Apfel, Milch, etc.) in eine Suchmaske eingeben können und anschließend die aktuellen Preisangebote von Aldi, Lidl & Co bekommen, erläutert der Mitarbeiter, der an der Vorlage der Kommission mitgearbeitet hat.
Einige Länder wie Italien, Slowenien oder Großbritannien hätten solche Dienste bereits eingerichtet. "In manchen Ländern stellen die Behörden solche Dienste zur Verfügung, in anderen sind es Verbraucherzentralen und in Großbritannien ist es zum Beispiel ein privater Dienst." Den Mitgliedsstaaten solle auch in Zukunft selbst überlassen bleiben, wie sie die Preistransparenz für die Verbraucher garantieren.
Reaktionen
Das Verbraucherschutzministerium wollte sich heute gegenüber EURACTIV.de noch nicht zu dem Vorschlag der Kommission äußern.
Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) lehnt die Initiative ab. "In Deutschland funktioniert der Preiswettbewerb. Es gibt keinen Anlass für das von der Europäischen Union gestartete Preismonitoring", erklärte heute HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.
Der europäische Dachverband des Handels, EuroCommerce, begrüßt zwar heute den Kommissionsvorschlag, ist aber skeptisch, dass allein der Einzelhandel in die Schusslinie der Kommission gerät. "Alle beteiligten Parteien müssen mit einbezogen werden", fordert daher Xavier Durieu, Generalsekretär von EuroCommerce.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) wertet die Kommissionsinitiative für mehr Transparenz bei Lebensmittelpreisen positiv. "Es ist zum Vorteil der Verbraucher und der Bauern, wenn erkannt wird, welche Margen in der Wertschöpfungskette für Lebensmittel verdient werden", heißt es in einer Erklärung.
mka
Dokumente
Kommission: Mitteilung zur Funktionsweise der Lebensmittelversorgungskette in Europa (28. Oktober 2009)
Kommission: Maßnahmen zur Lebensmittelpreisüberwachung (Pressemitteilung, 28.10.2009)