Lambsdorff: "Chatzimarkakis hat Plagiate nicht nötig"
Der liberale EU-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkis braucht nicht bei anderen abzuschreiben, sagt sein Fraktionskollege Alexander Graf Lambsdorff. Bei den Vorwürfen, Chatzimarkis habe Teile seiner Doktorarbeit von anderen kopiert, handele es sich um eine "Kampagne".
Der liberale EU-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkis braucht nicht bei anderen abzuschreiben, sagt sein Fraktionskollege Alexander Graf Lambsdorff. Bei den Vorwürfen, Chatzimarkis habe Teile seiner Doktorarbeit von anderen kopiert, handele es sich um eine „Kampagne“.
Der FDP-Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff hat seinen Fraktionskollegen Jorgo Chatzimarkakis gegen Plagiatsvorwürfe verteidigt. "Jorgo Chatzimarkakis ist ein kreativer Kopf und ein mutiger Querdenker", so Lambsdorff in einer Erklärung am Montag. "Er hat es mit Sicherheit nicht nötig gehabt, Textstellen anderer Autoren zu übernehmen, um Ideen zu produzieren." Denn diese entwickele und diskutiere Chatzimarkakis mit Leidenschaft nahezu ununterbrochen.
Der saarländische FDP-Europaabgeordnete Chatzimarkakis wird derzeit mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Die Internetplattform Vroni-Plag kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass sich auf etwa 22 Prozent der Seiten seiner Doktorarbeit Plagiate finden (EURACTIV.de vom 16. Mai 2011).
"Wer Charakterköpfe will…"
Lambsdorff, der nach dem Rücktritt von Silvana Koch-Mehrin wegen Plagiatsvorwürfen neuer Chef der FDP-Delegation im Europa-Parlament werden will, verteidigt seinen Fraktionskollegen vehement. In der Öffentlichkeit nehme Chatzimarkakis manchmal kein Blatt vor den Mund und ecke damit an, meint Lambsdorff und fragt: "Aber braucht die Politik nicht genau solche mutigen, unkonventionellen und manchmal schrägen Typen?". Wer nur noch glattgeschliffene Funktionäre in der Politik wolle, der könne sich über die "Kampagne gegen Chatzimarkakis" freuen. "Wer Charakterköpfe will, sollte sich fragen, ob Chatzimarkakis‘ aktuelle Schwierigkeiten nicht mehr über unsere politische Kultur aussagen als über den hier in Frage gestellten Politiker."
Im Fall Koch-Mehrin hatte es derartige Solidaritätsbekundungen aus den Reihen der FDP-Delegation im EU-Parlament nicht gegeben.
Hintergrund
Die Philosophische Fakultät der Universität Bonn verlieh Chatzimarkakis im Jahr 2000 den Doktortitel für die Arbeit "Informationeller Globalismus. Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik am Beispiel des elektronischen Geschäftsverkehrs." Chatzimarkakis hat die Uni nun um eine Überprüfung seiner Doktorarbeit gebeten.
Georgios "Jorgo" Chatzimarkakis ist seit 2004 Abgeordneter im EU-Parlament. Er hat sowohl die deutsche als auch die griechische Staatsangehörigkeit. Chatzimarkakis ist Mitglied und Koordinator der liberalen ALDE-Fraktion im Haushaltskontrollausschuss (CONT) und sitzt im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE). Derzeit ist Chatzimarkakis unter anderem Berichterstatter im EU-Parlament zur geplanten REMIT-Verordnung, einer einheiltlichen Regulierung für den Energiemarkt (Strom, Gas).
2007 erregte Chatzimarkakis bundesweit Aufsehen, als er der FDP in einem Strategiepapier die Fusion mit den Grünen vorschlug.
Chatzimarkakis verteidigt innerhalb der FDP die Euro-Rettungsmaßnahmen gegen den Widerstand von FDP-Politikern wie Frank Schäffler und Hermann Otto Solms. "Die Position der Bundestagsfraktion, die Augen und Ohren vor der Krise zu verschließen, bedeutet, sich am eigenen Wähler und am Steuerzahler zu versündigen", kritisierte Chatzimarkakis Anfang Februar im Interview mit EURACTIV.de.
awr
Links
VroniPlag Wiki: Internetseite
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
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