Lettischer Minister: Kriegsniederlage Russlands gutes Mittel gegen imperialistische Mentalität
Nach Ansicht des lettischen Verteidigungsministers Artis Pabriks wäre es "gesund", wenn Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine eine Niederlage erleiden würde, damit es sich von seiner imperialistischen Mentalität befreien kann.
Nach Ansicht des lettischen Verteidigungsministers Artis Pabriks wäre es „gesund“, wenn Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine eine Niederlage erleiden würde, damit es sich von seiner imperialistischen Mentalität befreien kann.
„Als ehemaliger Politikwissenschaftler bin ich persönlich der Meinung, dass das russische Volk in diesem Krieg eine Niederlage erleiden sollte, denn es wäre gesund für sie, den Krieg zu verlieren, damit sie die Welt mit anderen Augen sehen können. Es wird kein Verlust ihrer Würde sein. Ich würde mir wünschen, dass das russische Volk lernt zu verlieren, ohne seine Würde zu verlieren, dann können wir ihnen helfen“, sagte er am Donnerstag (1. September) auf einem Kongress.
Zu den weiteren Redner:innen in der Diskussion zum Thema „Krieg in der Ukraine: der letzte Krieg des Russischen Reiches?“ gehörten die litauischen und polnischen Regierungsvertreter Mantas Adomėnas und Paweł Jabłoński, der ehemalige estnische Präsident Toomas Ilves und Thomas Tugendhat, Vorsitzender des britischen Parlamentsausschusses für auswärtige Angelegenheiten.
Pabriks sagte, Russlands Krieg gegen die Ukraine werde „das Ende der imperialen Kriege“ markieren. Seiner Ansicht nach mussten auch ehemalige Imperien wie Großbritannien und Frankreich oder Länder wie Deutschland viele Jahre lang für einen Mentalitätswandel in der Bevölkerung kämpfen.
Dem Minister zufolge sprechen einige Expert:innen von einer neuen demokratischen Entwicklungsstufe Russlands nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
„Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, sehen wir dort Konzentrationslager und die absolute Missachtung des Völkerrechts. Wir sehen, wie sie Kriegsgefangene und ukrainische Soldat:innen behandeln. Wir sehen Deportationen von Zivilist:innen, Vergewaltigungen, wir sehen Gräber“, sagte er.
Auch die baltischen Länder, Polen und Finnland hätten die Aggression Russlands erlebt, so Pabriks, und die Erinnerungen daran seien noch sehr präsent.
„Unsere einzige Hoffnung ist, dass die Menschen in Russland ihre Einstellung ändern und die Größe ihres eigenen Landes erkennen, anstatt zu versuchen, über seine Grenzen hinaus zu expandieren. Es ist möglich, eine Demokratie und eine Wirtschaft aufzubauen. Man kann alles tun, was man will, und es besteht keine Notwendigkeit, dies auf Kosten anderer, anderer Gebiete zu tun“, sagte Pabriks.
Unterdessen verglich der stellvertretende polnische Außenminister Jabłoński das heutige Russland mit Deutschland, das sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs und des Nazi-Regimers verändert, die imperialistische Mentalität abgelegt und sich zu einer der stärksten Volkswirtschaften der Welt entwickelt habe.
„Sie erlitten eine Niederlage im Krieg, sie wurden besiegt, und deshalb mussten sie sich ändern, es gab keine anderen Möglichkeiten. Und deshalb sprechen wir über das russische Imperium, das nie besiegt worden ist. Es gab viele interne Kämpfe, die zu Führungswechseln führten, aber das Land hat sich nie entschieden, kein Imperium mehr zu sein, hat nie sein Streben nach Wachstum aufgegeben […]“, stellte er fest.
Der ehemalige estnische Präsident Ilves verwies auf die zahlreichen Bemühungen westlicher Länder, sich trotz der militärischen Aggression Russlands für das Land einzusetzen.
Er zog auch Parallelen zum Beginn des Zweiten Weltkriegs, als das nationalsozialistische Deutschland ein Gebiet nach dem anderen erobern konnte.
„Wir können die Sanktionen nicht aufheben – sie müssen die Konsequenzen spüren, genau wie das faschistische Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Sanktionen werden erst dann aufgehoben, wenn ein echtes Abkommen über die Wiederherstellung der Ukraine und Reparationen unterzeichnet ist. […] Damit Russland sich nie wieder wie ein Imperium verhält, muss es für die Wiederherstellung des Status quo und für das, was es in der Ukraine getan hat, physisch und mit Geld bezahlen“, sagte der ehemalige estnische Präsident.
Der stellvertretende litauische Außenminister Adomėnas betonte, dass Russland seinen Krieg gegen die Ukraine aus „ideologischen und kolonialen“ und nicht aus strategischen Gründen entfesselt habe.
Er sagte auch, dass Russland in der Vergangenheit bei vielen Gelegenheiten sein Bestreben demonstriert habe, andere Nationen zu usurpieren und sie zu „Bürger:innen zweiter Klasse“ zu machen.
„Wenn Russland andere Gebiete sieht, die es annektieren könnte, würden diese zu einem Ziel weiterer Aggressionen werden. Deshalb müssen die Ukrainer:innen gewinnen. Die zweite Vorbedingung hängt von uns ab – von der freien westlichen Welt. Wir müssen kontinuierliche Unterstützung, politische Unterstützung sicherstellen“, betonte er.
Tugendhat sagte, dass Russland entweder ein Verbündeter Europas oder Chinas werden würde.
„Putin bewegt sich auf China zu, anstatt auf die freie Welt, was eine Bedrohung für Russland selbst darstellen könnte“, sagte er.
„Dieser Krieg und hoffentlich der letzte imperialistische Krieg Russlands könnte das Ende dieser Form der Tyrannei sein, die im letzten Jahrhundert zu beobachten war. Eine der letzten Repressionen, in den baltischen Ländern, in Belarus, in Georgien. Möglicherweise wird es das Ende dieser Gewalt sein und die Demokratie wird ihren Weg nach Russland finden“, fügte er hinzu.