Libyens Krise wird Arme weltweit treffen, warnt EU

Libyens humanitäre Krise beginne, gefährdete Menschen in der ganzen Welt zu treffen, sagte gestern (28. Februar) Kommissarin Kristalina Georgieva, die für humanitäre Hilfe zuständig ist. Sie warnte, dass die Auswirkungen von steigenden Ölpreisen bereits im Lebensmittelsektor spürbar seien und drohten, Millionen von Menschen in den Hunger zu treiben.

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Libyens humanitäre Krise beginne, gefährdete Menschen in der ganzen Welt zu treffen, sagte gestern (28. Februar) Kommissarin Kristalina Georgieva, die für humanitäre Hilfe zuständig ist. Sie warnte, dass die Auswirkungen von steigenden Ölpreisen bereits im Lebensmittelsektor spürbar seien und drohten, Millionen von Menschen in den Hunger zu treiben.

Die Preise von Grundlebensmitteln haben begonnen, in Libyen stark anzusteigen, während sich die Kämpfe zwischen Unterstützern und Gegnern des Diktators, Muammar Gaddafi, fortgesetzt haben (siehe „Background“).

Das UN-Welternährungsprogramm hat gewarnt, dass die Lebensmittelkette Libyens einen „Zusammenbruch“ riskiere, insbesondere im östlichen Teil des Landes, den Gaddafis Gegner kontrollieren.

Auf die Frage von EURACTIV, ob die EU die Fähigkeit habe, der drohenden Nahrungskrise im Osten Libyens zu begegnen, sagte Georgieva, dass die erste Herausforderung sei, zuverlässige Informationen über die Lage vor Ort zu bekommen.

Natürlich werde man die Unterstützung bedeutend stärken, sagte die Kommissarin. Allerdings betonte sie, dass das erste sein werde, herauszufinden, wem man helfen könne, da die verfügbaren Informationen derzeit lückenhaft seien.

Sie sei nicht nur um die Libyer besorgt, fügte Georgieva hinzu. Sie unterstrich ihre Bedenken um Menschen in armen Ländern der Welt, die die ansteigenden Lebensmittelpreise hart treffen würden.

„Für das Beste beten, aber auf das Schlimmste vorbereitet sein“

Vor nur 18 Monaten habe man über den Rückgang der Anzahl von Menschen, die hungrig zu Bett gehen gesprochen. Man sei unter 900 Millionen gegangen, man sei unter 880 Millionen gegangen, und heute sage man, dass die Zahl wieder die Milliarde überschreiten werde, sagte Georgieva.

Wieviel über der Milliarde – dies würden die nächsten Tage und Monate zeigen, fügte sie hinzu.

Die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe nannte als Beispiel die sich verschlechternde Lage in der Elfenbeinküste, wo über 25.000 Menschen in wenigen Tagen nach Liberia geflohen sind.

Georgieva sagte, dass die humanitären Helfer die Gewohnheit hätten, „für das Beste zu beten, aber sich auf das Schlimmste zu vorbereiten“.

Was man jetzt erlebe, sei eine erhöhte Unsicherheit innerhalb des Landes, mit Menschen, die sich untereinander bekämpften. Der Kampf um Tripolis ist derjenige, über den man am meisten besorgt sei, betonte sie.

Über eine spezifische Frage über eine mögliche Rolle für die NATO sagte sie, dass die Lage derzeit keinen solchen Einsatz benötige. Sie fügte jedoch hinzu, dass sich die Lage ständig verändere.

650 EU-Bürger müssen noch evakuiert werden

Die gute Nachricht sei, dass die Mehrheit der 10.000 in Libyen lebenden EU-Bürger bereits evakuiert worden seien, sagte Georgieva. Sie fügte jedoch hinzu, dass 650 Europäer in Libyen evakuiert werden wollten. Sie hätten nach Evakuierungswegen gesucht, doch hätten sie sich in abgelegenen Regionen befunden. Ihre Evakuierung sei eine Herausforderung, sagte sie.

Die Kommissarin beschrieb die Lage in Libyen als „schwer einzuschätzen“, da die UN-Anwesenheit im Lande vor der Krise sehr begrenzt gewesen sei und internationale NRO so gut wie abwesend gewesen seien.

Etwa 100.000 Menschen sind seit Beginn der Krise aus dem Land geflohen. Die Anzahl der Opfer liege „sicherlich“ über 1.000, sagte Georgieva.

Auf eine Frage über ihre Einschätzung der möglichen Zahl an Flüchtlingen aus Libyen antwortete sie, dass es zu dem Zeitpunkt schwierig sei, eine Einschätzung zu liefern. Es gebe 1,5 Millionen Ausländer in Libyen und es sei wahrscheinlich, dass viele von ihnen geflohen seien oder noch fliehen würden, um in Sicherheit zu kommen, sagte sie. Sie fügte hinzu, dass der Druck auf die Grenzen Tunesiens und Ägyptens weiter wachsen werde.

Georgieva sagte, sie habe einer 3 Millionen Euro-Hilfe an Libyen zugestimmt – dem höchsten Betrag, den sie auf ihrer Ebene freigeben darf. Die Hilfe werde hauptsächlich an medizinische Versorgungsmittel innerhalb Libyens gehen, aber auch an die Unterstützung der Flüchtlingsströme an den Grenzen Tunesiens und Ägyptens.