Lobbyisten hinter Schweinegrippe-Impfung?

Transparency International kritisiert die mangelnde Transparenz im Umgang mit der Schweinegrippe. Sind Massenimpfungen tatsächlich nötig oder allein im Interesse der Pharmaindustrie? Auch das Misstrauen gegenüber der europäischen Arzneimittel-Agentur EMEA ist groß.

Sind Impfungen gegen die Schweinegruppe sinnvoll oder nur Geldmacherei? Foto: dpa
Sind Impfungen gegen die Schweinegruppe sinnvoll oder nur Geldmacherei? Foto: dpa

Transparency International kritisiert die mangelnde Transparenz im Umgang mit der Schweinegrippe. Sind Massenimpfungen tatsächlich nötig oder allein im Interesse der Pharmaindustrie? Auch das Misstrauen gegenüber der europäischen Arzneimittel-Agentur EMEA ist groß.

Transparency International hat massive Kritik am Umgang internationaler Gremien mit der sogenannten Schweinegrippe geübt. Die Entscheidungen, Impfstoffe zuzulassen und Massenimpfungen einzuleiten, seien nicht transparent. Die  Experten in den verantwortlichen Gremien stünden oftmals in einem Interessenkonflikt, da sie selbst mit der Pharma-Industrie in Verbindung stünden, kritisiert die Nichtregierungsorganisation.

Transparency International warnt zudem, im Schnellverfahren könnte in Europa ein möglicherweise gesundheitsschädlicher Impfstoff zugelassen werden. In der EU wird der NGO zufolge zurzeit ein Impfstoff vorbereitet, der "unzureichend erprobte Impfverstärker" und das quecksilberhaltige Konservierungsmittel Thiomersal enthalte.

"Wir warnen davor, jede saisonale Grippe zur Pandemie zu erklären", sagte Angela Spelsberg, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland, am 14. September 2009 gegenüber EURACTIV.de. Erst wenn ein Virus zur Pandemie erklärt wird, dürfen Impfstoffe in einem Schnellverfahren zugelassen werden.

Alles nur Panikmache?

Transparency International meldet zudem Zweifel an, dass die geplanten Massenimpfungen tatsächlich nötig sind. Bei der Schweinegrippe handele es sich keineswegs um ein "neues Virus", so Angela Spelsberg gegenüber EURACTIV.de.

Die Bundesregierung habe versäumt, öffentlich darüber zu informieren, dass es sich bei H1N1 um ein bekanntes Virus handelt, das bereits in den 1970er Jahren in den USA als sogenannte asiatische Schweinegrippe von Vietnamsoldaten eingeschleppt wurde. Damals habe man die Impfung eingestellt, weil die Infektion mit dem Virus in der Regel milde und komplikationslos verlief, wogegen der Impfstoff für Komplikationen sorgte. Den gutartigen Verlauf zeige die Virusinfektion in Deutschland bisher auch.

Seit der BSE-Krise verzeichnet Angela Spelsberg immer wieder öffentliche Panikmache wie im Fall der Vogelgrippe, von der Anbieter von Impfstoffen profitierten. Wirklich unabhängige Experten ohne kommerzielle Interessen im Hintergrund gebe es immer seltener, so Spelsberg. "Es wird immer schwieriger zu beurteilen, wie groß eine Gefahr wirklich ist."

Wie unabhängig ist die STIKO?

Transparency International kritisiert auch die "Ständige Impfkommission" (STIKO), die die Bundesregierung bei Fragen der Impfung berät. "Intransparenz und potenzielle Interessenkonflikte unterminieren die Glaubwürdigkeit und nähren im aktuellen Fall den Verdacht, dass die H1N1-Grippewelle als Schweinegrippe-Pandemie von der Pharmaindustrie zur Vermarktung genutzt wird" erklärte Angela Spelsberg am 14. September 2009.

Mechanismen, um die Unabhängigkeit der STIKO zu sichern, reichten nicht aus. Interessenkonflikte müssten vollständig transparent gemacht, Protokolle von Sitzungen und Entscheidungsbegründungen grundsätzlich veröffentlicht werden, fordert die NGO. Dies sei momentan nicht der Fall.

Transparency International macht auf die Verbindungen zwischen Ständiger Impfkommission und Pharmaindustrie aufmerksam. Die Mehrzahl der momentan 16 Mitglieder der Kommisson hätten mehr oder minder intensive Kontakte zu den wichtigsten Herstellern von Impfstoffen, führten zum Teil auch bezahlte Tätigkeiten für die Unternehmen aus. Verdächtig erscheint der NGO auch, dass sich manche STIKO-Mitglieder für das "Forum Impfen" engagieren, das von der Firma Sanofi-Pasteur-MSD (SPMSD) mitfinanziert werde. Sanofi-Pasteur-MSD ist selbst Anbieter von Impfstoffen.

Kungelt die EMEA mit Pharma-Unternehmen?

Die für die Zulassung von Medikamenten zuständige europäische Arzneimittel-Agentur (EMEA) erweckt bei Transparency International schon seit längerer Zeit großes Misstrauen (Siehe Transparency-Magazin Mai 2009, S.11). Die Kritik: EMEA untersteht nicht der Generaldirektion Gesundheit, sondern der Generaldirektion Wirtschaft, was ihre Neutralität in Frage stelle. Die Behörde finanziert sich zudem größtenteils durch Zulassungsgebühren. "Das schafft einen Anreiz für die Agentur, möglichst viel möglichst schnell zuzulassen" so Angela Spelsberg. Um Abhängigkeiten zu verhindern, fordert Spelsberg, dass die EMEA öffentlich finanziert wird. Weiterer Kritikpunkt: Externe Wissenschaftler dürfen erst nach der Zulassung auf die entsprechenden Unterlagen zugreifen.

Der Mediziner Peter Schönhöfer, Mitherausgeber des arznei-telegramm, erhebt im Transparency-Magazin "Scheinwerfer" (Mai 2009, Seite 11)schwere Vorwürfe gegen die EMEA. Es gelinge hier Arzneimittel-Herstellern, "auch schwerwiegende Arzneimittelschäden zu verharmlosen", schreibt Schönhofer. Mitunter geschehe es, dass die EMEA die Risikoabwehr bei Arzneimitteln auf "heimliche und schwer nachweisbare Kungeleien zwischen Hersteller und Behörde" gründe. Zulassungen der EMEA gelten in der gesamten EU.

awr