Lufthansa darf Austrian Airlines übernehmen

Der Nervenkrieg um die AUA-Übernahme ist entschieden. Brüssel genehmigt den Deal, nachdem die Lufthansa weitere Zugeständnisse gemacht hat. Die österreichische Luftfahrt hofft auf starke Rolle in Osteuropa.

Lufthansa kann in Europa weiter durchstarten. Die Kommission genehmigt die dritte Übernahme in Folge. Foto: dpa.
Große Luftfahrtunternehmen haben Ideenarmut im Umgang mit der internationalen Konkurrenz?

Der Nervenkrieg um die AUA-Übernahme ist entschieden. Brüssel genehmigt den Deal, nachdem die Lufthansa weitere Zugeständnisse gemacht hat. Die österreichische Luftfahrt hofft auf starke Rolle in Osteuropa.

Der Luftweg ist frei: Nach zähen Verhandlungen hat die Europäische Union grünes Licht für die Übernahme der angeschlagenen österreichischen Fluglinie Austrian Airlines (AUA) durch die Lufthansa signalisiert. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kündigte am Freitag in Brüssel an, ihren Kommissarskollegen Zustimmung zu der kurz zuvor nachgebesserten Offerte vorzuschlagen.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, die Regierung in Wien sowie die AUA-Spitze zeigten sich erleichtert. Damit kann der Kölner Konzern nach der Übernahme der belgischen Brussels Airlines seinen Expansionskurs fortsetzen. Die Konsolidierung der europäischen Luftfahrtbranche geht weiter. Im Mai und im Juni hatte die Kommission bereits die Lufthansa-Übernahmen von British Midland und Brussels Airlines genehmigt (siehe EURACTIV.de vom 22. Juni 2009).

Nach dem ursprünglichen Übernahmeangebot der Lufthansa hatte sich Kroes besorgt über den Wettbewerb und damit das Preisniveau auf einigen Strecken von und nach Wien geäußert. Die Brüsseler Behörde führte außerdem Gespräche mit Konkurrenten.

Bis zuletzt hatte die Lufthansa öffentlichen Druck auf die Kommission ausgeübt und mit einem Platzen des Deals gedroht, sollte die Genehmigung nicht bis zum 31. Juli erfolgen (siehe EURACTIV.de vom 21. Juli 2009).

Lufthansa gab nach

Lufthansa habe schließlich "ein verbessertes Angebot vorgelegt, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken in diesem Fall auszuräumen", erklärten die Wettbewerbshüter. Welche Nachbesserungen die Lufthansa genau angeboten hat, wurde zunächst nicht bekannt. Grundsätzlich dürfte es beispielsweise um die Aufgabe von Start- und Landerechten ("Slots") gehen. Der Preis für die Komplettübernahme der AUA von bis zu 382 Millionen Euro ist zu einem großen Teil nur dann fällig, wenn sich die erwarteten wirtschaftlichen Erfolge einstellen. Die Übernahme soll laut Lufthansa bis September abgeschlossen sein, heißt es in einer Erklärung des Konzerns.

Pröll spricht von "Meilenstein"

Mayrhuber sagte, die EU-Kommission "untermauert damit ihre Strategie, der europäischen Luftfahrt eine Chance zu geben, im globalen Wettbewerb langfristig bestehen zu können". Mit der Übernahme wird die Insolvenz der Austrian Airlines abgewendet. Österreichs Finanzminister Josef Pröll (ÖVP)sprach von einem wirtschaftspolitischen Meilenstein. Allerdings werde über die zu Beginn der Verhandlungen festgesetzten 500 Millionen Euro Zuschuss hinaus kein Steuergeld für den Verkauf eingesetzt. Das AUA-Spitzenduo Andreas Bierwirth und Peter Malanik betonte, die wirtschaftliche Grundlage der AUA werde sich als Teil des Lufthansa-Konzerns verbessern. Beide AUA-Chefs fügten aber hinzu: "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen." Die Maßnahmenpakete zur Steigerung der Rentabilität müssten konsequent umgesetzt werden.

Wien soll bedeutsam bleiben

Mayrhuber erklärte, der Zusammenschluss sei im Interesse aller. So hätten Kunden weiterhin Zugang zu einem attraktiven Verbindungsnetz, die Bedeutung des Standorts Wien bleibe gesichert, und die Aktionäre der AUA erhielten einen sehr guten Übernahmepreis. "Auch ein Markt von der Größe Österreichs behält damit seine internationale Anbindung."

"Damit ist die Transaktion mit Leben erfüllt", sagte ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis in Wien. Die ÖIAG ist der offizielle Verkäufer des Staatsanteils an der AUA, den die Lufthansa erwerben möchte.

Tor nach Osteuropa?

Der Wiener Flughafen macht sich derweil Hoffnungen, für die Lufthansa nach dem AUA-Kauf der Knotenpunkt für Flüge nach Osteuropa zu sein. "Wir gehen davon aus, dass wir einer der vier Hubs sein werden, neben Frankfurt, München und Zürich", sagte Vorstandssprecher Herbert Kaufmann. Die AUA hatte über die Drehscheibe Wien ein ausgedehntes Streckennetz nach Ost- und Südosteuropa aufgebaut.

Kroes hat den Angaben zufolge ihre Mitarbeiter angewiesen, eine vorläufige Genehmigung mit Auflagen auszuarbeiten. Der Entwurf werde dann dem beratenden Ausschuss der 27 Mitgliedstaaten vorgelegt und eine endgültige Fassung "so bald wie möglich" den 27 EU-Kommissaren – darunter Kroes – zur Zustimmung übermittelt werden. Die Zustimmung des Kollegiums gilt als sicher.

Die EU-Kommission ist die oberste Wettbewerbsaufsicht in Europa und muss Übernahmen dieser Größenordnung genehmigen. Außerdem steht noch grünes Licht aus für ein Hilfspaket der österreichischen Regierung in Höhe von 500 Millionen Euro, das Verkehrskommissar Antonio Tajani genehmigen muss. Er hat bereits Zustimmung signalisiert.

Die Lufthansa ist mit mehr als 100.000 Beschäftigten eine der größten Fluggesellschaften der Welt und hat mehr als 500 Flugzeuge in der Konzernflotte. Austrian Airlines mit den Tochterunternehmen Lauda Air und Tyrolean Airways beschäftigt rund 8.000 Mitarbeiter und verfügt über rund 100 Flugzeuge. AUA hatte 2008 rund 10,7 Millionen Fluggäste, Lufthansa zählte 70,5 Millionen Passagiere.

Luftfahrt am Boden

Die Lufthansa hatte jüngst einen harten Sparkurs als Reaktion auf die tiefe Krise im Luftverkehr angekündigt. Der Umsatz sank im zweiten Quartal um etwa 20 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Bis 2011 will das Unternehmen im Passagiergeschäft Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro einsparen. In der Verwaltung sollen 20 Prozent der Stellen wegfallen.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank der internationale Passagierverkehr im Mai um 9,3 Prozent. Der Frachtverkehr ging um 17,4 Prozent zurück, teilte der Luftfahrtverband IATA im Juli mit. "Wir haben den Boden erreicht, sind von einer Erholung aber noch weit entfernt", kommentierte IATA-Geschäftsführer Giovanni Bisignani.

awr / dpa