May: Brexit-Verhandlungen können nächste Woche beginnen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundesfinanzminister Schäuble wollen den Briten die Tür zur EU "offen" lassen.

epa06018069 British Prime Minister Theresa May (R) and her husband Philip leave the Conservative headquarters in central London, England, Britain, 09 June 2017. Britain is heading to a Hung Parliament following the general election results as the Conservative Party failed to win an overall majority. British voters went to the polls on 08 June, to cast their ballot to elect a total of 650 Westminster Members of Parliament to form the next British Government, in a General Election called by British Prime Minister Theresa May.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA
Die britische Premierministerin Theresa May [EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA]

Die Verhandlungen zum Brexit könnten laut Theresa May sehr bald starten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundesfinanzminister Schäuble wollen den Briten die Tür zur EU „offen“ lassen.

Nach Ansicht der britischen Premierministerin Theresa May können die Verhandlungen über einen Brexit wie geplant in der kommenden Woche beginnen. May sagte nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris: „Der Zeitplan für die Brexit-Verhandlungen bleibt in Kraft.“ Nach dem Verlust ihrer Mehrheit bei der vorgezogenen Unterhauswahl vergangene Woche steht May derzeit massiv unter Druck.

Bisher war vereinbart, dass die Gespräche zwischen London und Brüssel am kommenden Montag aufgenommen werden sollen. Wegen der noch ausstehenden britischen Regierungsbildung war zuletzt aber fraglich, ob der Fahrplan eingehalten werden kann.

Macron nannte einen schnellen Start der Verhandlungen wichtig. Er fügte hinzu, dass die „die Tür offen“ stehe, sollten sich die Briten doch noch für einen Verbleib in der EU entscheiden. Ähnlich hatte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg geäußert.

Vor dem Treffen von May und Macron hatte EU-Verhandlungsführer Michel Barnier vor Verzögerungen bei den Verhandlungen gewarnt. Er konnte sich am Montag mit Vertretern Großbritanniens nicht auf einen konkreten Termin für die Gespräche einigen, wie es von EU-Diplomaten hieß.

Welchen Kurs May bei den Verhandlungen fahren will, ist weitgehend unklar. Britische Medien berichteten über Geheimgespräche von Ministern ihrer konservativen Tory-Partei mit oppositionellen Labour-Politikern über einen „weichen“ Brexit. Damit hätte Großbritannien weiter Zugang zum EU-Binnenmarkt.

Auch welche Form die künftige britische Regierung hat, steht noch nicht fest. May verhandelte am Dienstag mit der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) über eine Zusammenarbeit. Die Premierministerin traf sich mit DUP-Chefin Arlene Foster, um die Unterstützung der zehn DUP-Abgeordneten im britischen Unterhaus zu gewinnen. Aus den Reihen der Konservativen verlautete, dass jedoch nicht eine Koalition, sondern ein loses Bündnis angestrebt werde.

Die Verhandlungen zwischen Tories und DUP hatten kurz nach der vorgezogenen Unterhauswahl vergangenen Donnerstag begonnen. Mays Konservative hatten dabei ihre absolute Mehrheit im Parlament eingebüßt. Eigentlich wollte sich die Premierministerin mit der Wahl eine komfortable Mehrheit für die Brexit-Verhandlungen sichern. Jetzt gilt die 60-Jährige selbst als angeschlagen.
Macron und May bekräftigten bei ihrem Treffen, eng beim Kampf gegen den
Terrorismus zusammenarbeiten zu wollen. Macron sprach von einem „sehr
konkreten“ Aktionsplan, um Propaganda von Dschihadisten in den sozialen
Netzwerken zu unterbinden. Dafür wollten beide Länder eng mit den betroffenen
Unternehmen zusammenarbeiten.