Medienfreiheit in Bulgarien: Journalistin wird zum Ziel kremlfreundlicher Populisten

Die prominente bulgarische Fernsehjournalistin Maria Tsantsarova ist im Vorfeld zur Parlamentswahl am 27. Oktober heftigen Angriffen aus der kremlfreundlichen Vazrazhdane und populistischen ITN ausgesetzt.

EURACTIV.bg
Der Konflikt zwischen Vazrazhdane und Tsantsarova begann vor drei Jahren, als die Journalistin enthüllte, dass vier Abgeordnete der prorussischen Partei, die bulgarische Bürger davon abhielten, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, selbst geimpft worden waren. [Shutterstock/Hyejin Kang]

Die prominente bulgarische Fernsehjournalistin Maria Tsantsarova ist im Vorfeld zur Parlamentswahl am 27. Oktober heftigen Angriffen aus der kremlfreundlichen Vazrazhdane und populistischen ITN ausgesetzt.

Am Montag (21. Oktober) verkündete Slavi Trifonov, Parteichef der nationalistisch-populistischen ITN (EKR), dass er wegen der Journalistin Tsantsarova „die Auftritte seiner Leute“ in Talkshows gestoppt habe.

Ihre kritischen Fragen seien ein Verhalten, das „absolut inakzeptabel, unprofessionell, tendenziös, erniedrigend, kleinlich und respektlos“ sei, so Trifonov.

Zuvor war Stanislav Balabanov, Kandidat der ITN, zu Gast bei Tsantsarova Polit-Talkshow im Sender BTV. Er zeigte sich sichtlich verärgert über die gestellten Fragen, und rückte die Moderation in die Nähe des ehemaligen Premierministers Kiril Petkov.

Tsantsarova entgegnete daraufhin, dass Balabanov einem Politiker ähnele, der von den USA wegen Korruption sanktioniert wurde.

Der Angriff auf die Journalistin, die für ihre kritischen Fragen bekannt ist, wurde eine Woche zuvor vom Vazrazhdane-Vorsitzenden Kostadin Kostadinov gestartet, der Tsantsarova direkt als „Lügnerin“ bezeichnete und sich weigerte, ihre Fragen zu beantworten.

Nach seinem Auftritt in der Talkshow bei BTV setzte Kostadinov seine Angriffe auf die Journalistin fort und nannte sie in den sozialen Medien einen „Transvestiten“. Der Sender stellte sich daraufhin schützend vor Tsantsarova.

Der Konflikt zwischen Vazrazhdane und Tsantsarova begann vor drei Jahren, als die Journalistin enthüllte, dass vier Abgeordnete der pro-russischen Partei, die bulgarische Bürger davon abhielten, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, selbst geimpft worden waren.

Im September 2024 blockierten Vazrazhdane und ITN die Verabschiedung von Klimagesetzen, wodurch es Bulgarien verwehrt wurde, fast 5 Milliarden Euro aus Brüssel im Rahmen des Wiederaufbau- und Nachhaltigkeitsplans zu erhalten.

In den Umfragen steht Vazrazhdane bei 15,5 Prozent und könnte somit zur zweitstärksten politischen Kraft im Land zu werden. ITN wird von rund 6 Prozent der bulgarischen Wähler unterstützt.

Bulgarien belegt im Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen Platz 59, zuletzt hatte das Land Fortschritte gemacht.

Der Wandel begann, nachdem Delyan Peevski seine Mediengruppe verkauft hatte. Sein Einfluss auf die Medien wurde von RSF als Hauptgrund für das Fehlen von Medienfreiheit im Land genannt.

Zuvor galt der Einfluss des von der Politiker Delyan Peevski auf die Medienlandschaft als Hauptgrund für die mangelnde Medienfreiheit. Der unter dem Magnitsky Act wegen schwerwiegender Korruption sanktionierte Politiker verkaufte seine Mediengruppe vor einiger Zeit.