Mikrochips: Deutschland erhält 4 Milliarden aus EU-Programm

Deutschland will vermehrt Mikrochips-Hersteller ins Land locken. Aus einem EU-Förderprogramm sollen hierzu rund 4 Milliarden Euro in 31 Mikrochip-Projekte in Deutschland fließen. 

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Kritisiert wird die Initiative von Berthold U. Wigger, Wirtschaftswissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie: „Die massive Subventionierung zur Ansiedlung von Halbleiterfabriken in Deutschland halte ich für falsch“. [Popel Arseniy / Shutterstock]

Deutschland will vermehrt Mikrochips-Hersteller ins Land locken. Aus einem EU-Förderprogramm sollen hierzu rund 4 Milliarden Euro in 31 Mikrochip-Projekte in Deutschland fließen. 

Am Montag (18. September) veröffentlichte das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) 31 Projekte, die durch das EU-Förderprogramm für Mikroelektronik finanziert werden sollen.

Bundesminister Robert Habeck begrüßte am Montag (18. September) Ministerpräsidenten Sachsens und Baden-Württembergs, Michael Kretschmer und Winfried Kretschmann sowie Unternehmen, wie Bosch oder Infineon, deren Mikroelektronik-Projekte durch das EU-Förderprogramm des „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI) unterstützt werden.

Das IPCEI wurde vor drei Monaten von der EU-Kommission genehmigt und verteilt Beihilfen in Höhe von bis zu 8,1 Milliarden Euro an Projekte mit Schwerpunkt auf Mikroelektronik und Kommunikationstechnologie von 14 EU-Staaten, darunter auch Deutschland. Alleine Deutschland erhält mit rund vier Milliarden etwa die Hälfte dieser Beihilfen.

Damit versuchen die EU und Deutschland sich unabhängiger von ausländischen Chiplieferanten zu machen und nicht mehr den weltweiten Versorgungsengpässe ausgesetzt zu sein.

„Deutschland trägt so entscheidend zur Versorgungssicherheit Europas mit Halbleitern und Chips bei“, betonte Habeck in einem Pressestatement.

Die Bundesregierung hatte es sich bereits im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt, Deutschland zum globalen Standort der Halbleiterindustrie zu machen

Allerdings ist die Initiative nicht ohne Kritiker.

„Die massive Subventionierung zur Ansiedlung von Halbleiterfabriken in Deutschland halte ich für falsch“, betonte Berthold U. Wigger, Wirtschaftswissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie gegenüber Euractiv.

Zwar sei eine Stärkung der Lieferketten, um eine Abhängigkeit vorzubeugen, wichtig, doch müsse auch die internationale Arbeitsteilung und Diversifizierung berücksichtigt werden.

„Das gilt schon deshalb, weil auch mit einer größeren Zahl von Halbleiterfabriken in Deutschland dafür notwendige Grundstoffe aus dem Ausland importiert werden müssen“, fügte Wigger hinzu.

Halbleiter-Förderungen

Laut BMWK stellen 70 Prozent der Förderung Bundesmittel bereit, während 30 Prozent von den elf beteiligten Bundesländern der Unternehmen finanziert werden. Die Unternehmen an sich steuern selbst über zehn Milliarden Euro für Produktionsanlagen, Fertigungsstätten und für die Entwicklung von neuartigen Halbleiterchips bei.

„Mikroelektronik hat in allen Industrienationen eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung“, heißt es aus dem Bundesministerium.

„Offenbar ist Deutschland als Standort für Halbleiterfabriken so unattraktiv, dass ein Unternehmen wie Intel nur mit einem hohen Milliardenbetrag dazu bewogen werden kann, in Deutschland zu produzieren“, äußerte Wigger gegenüber Euractiv.

Erst im Juni einigten sich die Bundesregierung und Intel nach monatelanger Verhandlung auf eine Investition in Sachsen-Anhalt von 30 Milliarden Euro und staatliche Subventionen in Höhe von 10 Milliarden Euro im Gegenzug.

„Zwar feiert die Politik die Ansiedlung von Intel als Beweis für die Attraktivität Deutschlands als Standort für Hightech-Investitionen. Das Gegenteil dürfte der Realität aber näherkommen“, fügte Wigger hinzu.

Das Ziel der strategischen Souveränität

Der globalen Knappheit bei Halbleitern soll auf EU-Ebene mit dem EU-Chips-Act entgegengewirkt werden. Dieser zielt darauf ab, dass 20 Prozent der weltweiten Halbleiterproduktion, durch Stärkung der Forschung, Produktions- und Innovationskapazitäten, zurück nach Europa geholten werden. 

„Bund, Länder und EU müssen bei der Mikroelektronik daher gemeinsam an einem Strang ziehen. Nur so können wir uns souverän und möglichst unabhängig von Importen aufstellen und bei dieser Zukunftstechnologie vorneweg gehen“, äußerte Kretschmann.

Mit dem Förderprogramm IPCEI möchte die EU seine Unabhängigkeit von Drittstaaten, wie China und den USA, erreichen.

Dabei werden zu den 8,1 Milliarden Euro aus öffentlicher Hand noch zusätzlich bis zu 13,7 Milliarden Euro von den Unternehmen privat beigesteuert, wodurch das gesamte Investitionsvolumen 21,8 Milliarden Euro beträgt. Beihilfen bekommen EU-weit dabei 56 Unternehmen für 68 Projekte.

„Wenn der Staat geeignete Rahmenbedingungen für Innovationen schafft, sind IPCEI überflüssig. IPCEI sind teure Instrumente, mit denen der Staat Probleme zu lösen versucht, die er zunächst mit innovationshemmenden Regularien selbst erzeugt“, ergänzte Wigger gegenüber Euractiv.