Mineralvorkommen in der Ukraine: Schwer zugänglich, aber dringend gebraucht

Etwa fünf Prozent der weltweiten Mineralvorkommen liegen in der Ukraine. Dazu kommen noch weitere potenziell wertvolle natürliche Ressourcen. Sie zu heben dürfte sich aber schwieriger gestalten, als gedacht - auch, weil ein Großteil droht in russische Hände zu fallen.  

EURACTIV.com
Ukraine’s Home Of Mineral Deposits In Donetsk Oblast
Energiequellen sind ein weiterer wichtiger Bestandteil des Reichtums der Ukraine und des „bilateralen Abkommens“ zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine. [Viktor Fridshon/Global Images Ukraine via Getty Images]

Etwa fünf Prozent der weltweiten Mineralvorkommen liegen in der Ukraine. Dazu kommen noch weitere potenziell wertvolle natürliche Ressourcen. Sie zu heben dürfte sich aber schwieriger gestalten, als gedacht – auch, weil ein Großteil droht in russische Hände zu fallen.  

Nach einigem Druck auf Kyjiw ist es US-Präsident Donald Trump gelungen, mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein Abkommen über den Zugang zu den Rohstoffen der Ukraine zu erzielen.

Berichten zufolge sieht das Abkommen vor, dass zumindest ein Teil der ukrainischen Einnahmen aus den Energieträgern und anderen Rohstoffen in einen „Investitionsfonds“ für den Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg fließen soll.

Der ukrainische Bergbausektor berge „hohe Risiken und hohe Chancen“, erklärte Volodymyr Landa vom Kyjiwer Think-Ttank Centre for Economic Strategy gegenüber dem Guardian. Die Landesreserven, deren Wert auf 14,8 Billionen US-Dollar geschätzt wird, sind größtenteils unerschlossen. Landa zufolge liege das hauptsächlich daran, dass die Erschließung nicht wirtschaftlich oder geografisch unpraktisch sei – auch die „politischen Instabilität“ sei ein Grund.

Der russische Krieg in der Ukraine dauert weiter an, mittlerweile sind drei Jahre seit der russischen Invasion vergangen. Laut der britischen Zeitung The Independent befinden sich mehr als 50 Prozent der ukrainischen Bodenschätze in den von Russland besetzten Gebieten im Osten und Südosten der Ukraine.

Unklar ist, ob oder wie die Trump-Regierung versuchen könnte, die Kontrolle über diese Vermögenswerte zu übernehmen. Jegliche Appelle an Moskau, die Truppen aus der besetzten Ukraine abzuziehen, haben die USA scheinbar aufgegeben.

Bodenschätze in Gefahr von Russland besetzt zu werden

Vor der russischen Invasion im Jahr 2022 war die Ukraine der zehntgrößte Eisenerzproduzent der Welt und verfügt über beträchtliche Reserven an Titan, Mangan und Grafit sowie 500.000 Tonnen Lithium.

Alleine die Lithiumvorkommen gehören zu den größten in Europa. Sie sind aber noch unerschlossen. Derzeit besteht die Gefahr, dass sie unter russische Kontrolle geraten könnten, da die Angriffe entlang der Front weiter voranschreiten.

Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte die Vorkommen der Ukraine an leichten und schweren Elementen Seltener Erden in der Vergangenheit beworben, als Weg Investitionen und Einnahmen zu generieren. Aber wie groß das Vorkommen der Ressourcen ist, bleibt weiterhin unklar.

Alle diese Materialien spielen eine entscheidende Rolle bei der Herstellung von Batterien, Turbinen und Waffen und sind auf der EU-Liste der 30 wichtigsten Rohstoffe aufgeführt.

Energieträger werden vor allem im Inland gebraucht

Energiequellen machen einen weiteren großen Teil der ukrainischen Rohstoff-Reichtümer aus und nimmt auch einen prominenten Platz im Vorschlag des bilateralen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine ein.

Die Ukraine verfügt über 34,375 Milliarden Tonnen Kohle, 1,104 Billionen Kubikmeter Erdgas und schätzungsweise 395 Millionen Barrels Rohöl, geht aus CIA-Daten hervor, die aus der Zeit vor der russischen Invasion stammen.

Rohöl wird zwar gefördert, aber nicht mehr in großem Umfang in der Ukraine raffiniert. Die ukrainische Infrastruktur ist veraltet und durch den Krieg stark beschädigt. Ein Großteil der Kohlebergwerke des Landes liegen in den separatistischen „Republiken“ im Osten des Donbass, die seit einem Jahrzehnt unter der Kontrolle von russisch unterstützten Separatisten und russischen Truppen stehen.

Aber nicht nur die fehlende militärische Kontrolle der Ukraine macht es äußerst schwierig, über einen Verkauf der natürlichen Ressourcen nachzudenken.

Erdgas und Kohle machen einen erheblichen Teil der inländischen Energieerzeugung aus, nach der Kernenergie stehen sie an zweiter und dritter Stelle. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass nur wenig für den Export zur Verfügung steht.

„Die aktuelle Lage im Energiesektor der Ukraine erfordert, dass jedes Megawatt verfügbarer thermischer Erzeugungskapazität bereitsteht, um die Stromnachfrage zu decken“, erklärte der Kyjiwer Think-Tank Dixi Group in einem neuen Bericht.

[BTS]