Moskau verweigert deutschem Russland-Experten die Einreise

Die russische Grenzpolizei in Moskau wies den renommierten deutschen Russland-Experten Hans-Henning Schröder von der Stiftung Wissenschaft und Politik ab, er durfte trotz gültigen Visums nicht einreisen. Schröder sollte an einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung teilnehmen. Für den Veranstalter ein Schock, für die bilateralen Beziehungen eine Belastung.

Der Russland-Experte Hans-Henning Schröder (SWP) wurde am Moskauer Flughafen gestoppt und nach Berlin zurückgeschickt. Zur Begründung hieß es, er sei ein Sicherheitsrisiko. Fotos. Ria Novosti.
Der Russland-Experte Hans-Henning Schröder (SWP) wurde am Moskauer Flughafen gestoppt und nach Berlin zurückgeschickt. Zur Begründung hieß es, er sei ein Sicherheitsrisiko. Fotos. Ria Novosti.

Die russische Grenzpolizei in Moskau wies den renommierten deutschen Russland-Experten Hans-Henning Schröder von der Stiftung Wissenschaft und Politik ab, er durfte trotz gültigen Visums nicht einreisen. Schröder sollte an einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung teilnehmen. Für den Veranstalter ein Schock, für die bilateralen Beziehungen eine Belastung.

"Für uns ist das ein Schock", sagte der Leiter der Moskauer Büros der SPD-nahen Friedrich Ebert Stiftung, Reinhard Krumm. Die Stiftung ist Mitorganisator einer Konferenz, zu der Schröder geladen war, um zum Thema "Werte von Russen und Deutschen im Vergleich" bzw. ‚Gesellschaftsgeschichte Russlands und Deutschlands seit dem 19. Jahrhundert‘ zu sprechen.

Die Grenzer auf dem Moskauer Flughafen sahen in dem renommierten Experten, der häufig und stets ohne Probleme einreist, plötzlich ein Sicherheitsrisiko. Das bekamen deutsche Diplomaten von russischer Seite zu hören.

Am Mittwochnachmittag verweigerten sie dem 62-jährigen Wissenschaftler aus Berlin die Einreise. Er hatte ein gültiges Visum, von der russischen Botschaft in Berlin ausgestellt. Die deutsche Botschaft und das Kanzleramt sind in den Fall eingeschaltet.

Schröder musste die Nacht vor dem nächstmöglichen Rückflug nach Berlin in einer Zelle mit Abschiebehäftlingen verbringen.

In einem Telefonat mit der "Süddeutschen Zeitung" sagte Schröder: "Ich hoffe, die deutsche und die russische Seite einigen sich darauf, dass das Ganze ein Missverständnis war."

Er könne sich das alles nicht erklären, sagte Schröder, “aber das ist ein eigenartiges Signal angesichts der guten deutsch-russischen Beziehungen.”

ekö

Links


Schröders Analyse auf EURACTIV.de
 (6. Oktober 2011)

Der Spiegel: Moskau sperrt deutschen Russland-Experten aus (6. Oktober 2011)

Süddeutsche Zeitung:  An der Einreise gehindert (6. Oktober 2011)