Nach Terror-Anschlägen in Paris: Erdo?an wirft Westen Heuchelei vor
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdo?an wirft dem Westen Scheinheiligkeit wegen seiner Reaktion auf den Anschlag auf das Pariser Satire-Magazin "Charlie Hebdo" vor. Gewalttaten mit einem anti-muslimischem Hintergrund würde Europa fatalerweise nicht verurteilen. EURACTIV Brüssel berichtet.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdo?an wirft dem Westen Scheinheiligkeit wegen seiner Reaktion auf den Anschlag auf das Pariser Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ vor. Gewalttaten mit einem anti-muslimischem Hintergrund würde Europa fatalerweise nicht verurteilen. EURACTIV Brüssel berichtet.
Recep Tayyip Erdo?an sprach während eines Besuchs beim palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas. Dabei verurteilte er die Teilnahme des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Trauermarsch am Sonntag in Paris scharf: „Wie kann ein Mann, der durch Staatsterrorismus 2.500 Menschen in Gaza umgebracht hat, in Paris winken, als ob die Menschen nur darauf gewartet haben? Wie kann er es wagen, dorthin zu gehen?“
„Sie sollten zuerst Rechenschaft über die Kinder und Frauen ablegen, die Sie getötet haben“, sagte Erdo?an. Er gilt als scharfer Kritiker der israelischen Offensiven gegen die islamistische Hamas im Gaza-Streifen – trotz der engen Wirtschaftsbeziehungen der Türkei zu Israel.
Im November 2012 starben bei israelischen Offensiven 174 Palästinenser. Im vergangenen Jahr starben bei israelischen Angriffen im Juli und August 2.100 Palästinenser. Die meisten Opfer waren Zivilisten. Dem stehen 79 israelische Todesopfer in beiden Konflikten entgegen.
Erdo?an nahm am Trauermarsch am Sonntag nicht teil. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu vertrat die Türkei.
„Die Heuchelei des Westens ist offensichtlich. Wir als Muslime haben nie an terroristischen Massakern teilgenommen. Dahinter stecken Rassismus, Hassparolen und Islamophobie. Die Länder, in denen unsere Moscheen angegriffen werden, müssen Maßnahmen ergreifen“, sagte Erdo?an.
„Mit der islamischen Welt werden Spiele gespielt, dessen müssen wir uns bewusst sein“, so Erdo?an. Seine politischen Wurzeln liegen in einer verbotenen, islamistischen Organisation.
Moscheen in Deutschland, Frankreich und Schweden wurden vor und nach den Pariser Anschlägen zerstört. Die Türkei und andere Länder sehen darin Zeichen der wachsenden Islamfeindlichkeit in Europa.
Erdo?an zufolge sind die Anschläge, bei denen 17 Menschen starben, auch auf das Versagen der französischen Sicherheitskräfte zurückzuführen. Denn die Täter saßen zuvor alle Gefängnisstrafen ab.
„Französische Staatsbürger führen ein solches Massaker durch und die Muslime bezahlen den Preis. Das sagt Einiges aus… Folgt ihr Geheimdienst denn nicht denjenigen, die aus dem Gefängnis entlassen werden?“
Erdo?an führt die Zurückhaltung des Westens bei der Aufnahme syrischer Flüchtlinge auf Islamophobie zurück. Die Türkei hat in mittlerweile vier Jahren Bürgerkrieg 1,6 Millionen Flüchtlinge aufgenommen.
Die Europäer kritisieren die Türkei hingegen dafür, islamistischen Milizen aus Europa die Ausreise ins benachbarte Syrien über ihr Hoheitsgebiet zu gewähren.
Eine vermutliche Komplizin bei den Anschlägen von Paris kam türkischen Beamten zufolge über die Türkei nach Syrien.