Doch angesichts der schwierigen Lage der Grünen im Wahljahr gibt es für solche Überlegungen derzeit keinen Raum. Vor dem Parteitag im Juni, bei dem das Wahlprogramm beschlossen werden soll, hat sich die Partei Ruhe verordnet. „Unterhaken“ lautet die Devise, die Politiker beider Flügel ausgegeben haben. Und so sah sich selbst Parteichef Cem Özdemir, einer der Verbündeten Kretschmanns, genötigt, sich „einseitige öffentliche Ratschläge von der Seitenlinie“ zu verbitten.
Dabei ist Özdemir, der die Grünen gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl führt, grundsätzlich einer Meinung mit Kretschmann, was die Aufstellung der Grünen angeht. Beide argumentieren, man müsse „anschlussfähig“ an die Gesellschaft bleiben und aus der Mitte heraus Veränderungen vorantreiben – wie den Umbau der Automobilindustrie oder die Agrarwende. Für das Spitzenduo hat Kretschmann denn auch viel Lob übrig: Der Autogipfel der Bundesgrünen sei „eine wichtige Initiative“ gewesen, um grüne Themen weiterzuentwickeln. Bei der Frage der inneren Sicherheit machten die beiden es richtig, sagt Kretschmann: „Sie nehmen die Kernthemen der politischen Diskussion an.“
Auch in der Koalitionsfrage sieht er Übereinstimmung. Göring-Eckardt und Özdemir wollen kein Bündnis ausschließen, ausgenommen mit der AfD. Auch Kretschmann plädiert für Offenheit. Bei der Landtagswahl in NRW hatten die Grünen Jamaika ausgeschlossen, anders als in Schleswig-Holstein. Es sei „nicht so attraktiv für den Wähler“, wenn man sich schon vorher in die Opposition begebe, findet Kretschmann. In Kiel stimmte die Grünen-Spitze am Montagabend für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit CDU und FDP, nun muss noch ein Parteitag darüber entscheiden.