NGO: Ölfirmen vernachlässigen Investitionen in E-Fuels

Bei ihren Investitionen in alternative Kraftstoffen konzentrieren sich Ölkonzerne zu sehr auf die Produktion von Biokraftstoffen und vernachlässigen synthetische Kraftstoffe auf Strombasis (sogenannte E-Fuels), kritisiert die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E).

Euractiv.com
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Während sich die geplanten Investitionen in Biokraftstoffe in den nächsten sieben Jahren auf 28 Milliarden Euro belaufen, werden nur 3,3 Milliarden Euro für die Herstellung von E-Fuels erwartet. [[shutterstock]]

Bei ihren Investitionen in alternative Kraftstoffe konzentrieren sich Ölkonzerne zu sehr auf die Produktion von Biokraftstoffen und vernachlässigen synthetische Kraftstoffe auf Strombasis (sogenannte E-Fuels), kritisiert die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) auf Basis einer neuen Studie.

Die Studie zeigt, dass drei Viertel der Investitionen in Raffinerien in die Herstellung von Biokraftstoffen fließen, achtmal mehr als in die Produktion von grünem Wasserstoff und E-Fuels.

Der Druck auf den Verkehrssektor steigt, seine CO2-Emissionen zu reduzieren. Expert:innen gehen davon aus, dass nicht alle Verkehrsträger ohne weiteres elektrifiziert werden können.

Daher werden alternative Flüssigkraftstoffe benötigt, etwa um Kerosin in der Luftfahrt und Schweröl in der Schifffahrt zu ersetzen. Einige Politiker:innen und Industrievertreter:innen fordern zudem einen Hochlauf dieser Kraftstoffe auch im Straßenverkehr, um die Emissionen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu reduzieren.

Derzeit werden zahlreiche Optionen entwickelt und skaliert, darunter sogenannte fortschrittliche Biokraftstoffe aus Pflanzenresten, tierischen Fetten und Altspeiseöl sowie synthetische Kraftstoffe aus Wasserstoff und aus der Atmosphäre extrahiertem CO2 (sogenannte E-Fuels).

Kraftstoffhersteller sagen, dass alle Optionen benötigt werden, um die CO2-Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren.

Eine Studie des Umweltberatungsunternehmens Ricardo zeigt jedoch, dass sich die meisten der in Raffinerien geplanten Investitionen auf die Herstellung von Biokraftstoffen konzentrieren.

Während sich die geplanten Investitionen in die Raffination von Biokraftstoffen in den nächsten sieben Jahren auf 28 Milliarden Euro belaufen, sollen nur 3,3 Milliarden Euro in die Herstellung von E-Fuels auf Basis von grünem Wasserstoff fließen.

Die Umweltorganisation T&E warf den Ölkonzernen daher eine Kluft zwischen öffentlichen Aussagen und tatsächlichen Investitionsentscheidungen vor.

„Die Ölindustrie preist Wasserstoff als ihre große Zukunft an, aber in Wirklichkeit sind ihre Investitionen in grünen Wasserstoff nur dürftig“, sagte Geert Decock, Manager für Elektrizität und Energie bei T&E.

„Stattdessen konzentrieren sie ihre neuen Raffineriekapazitäten auf Biokraftstoffe, mit denen der weltweite Verkehrsbedarf nicht nachhaltig gedeckt werden kann“, so Decock weiter. „Darunter kann kein Vorantreiben sauberer Technologien verstanden werden“, fügte er hinzu.

Die eFuel Alliance, eine Organisation, die sich für die Verwendung synthetischer Kraftstoffe einsetzt, erklärte gegenüber EURACTIV, dass dies auf den Mangel an gesetzlichen Anreizen für die Verwendung von E-Fuels zurückzuführen sei.

„Es liegt auf der Hand, dass die Investitionen geringer sind, wenn seitens EU-Kommission keine rechtlichen Rahmenbedingungen definiert werden“, sagte Pressesprecher Jan Wehrhold.

„Solange die delegierten Rechtsakte fehlen bzw. die REDIII [Erneuerbaren-Energien-Richtlinie] keine klaren Anforderungen für grünen Wasserstoff und E-Fuels setzt, bleiben auch die Investitionen aus“, fügte er hinzu.

T&E: Investitionen in Biokraftstoffe übersteigen die nachhaltige Kapazität

T&E kritisierte nicht nur die fehlenden Investitionen in synthetische Kraftstoffe, sondern wies auch darauf hin, dass die von den Ölfirmen angestrebte Menge an Biokraftstoff jene Mengen übersteigen würde, die durch die Verwendung von Abfällen und Reststoffen nachhaltig gewonnen werden kann.

Die vorgesehenen Investitionen in fortschrittliche Biokraftstoffe würden die Produktionskapazität in Europa bis 2030 auf 10 Megatonnen verdoppeln, so die Organisation.

„Laut der Analyse von T&E ist das viermal mehr als das, was in der EU auf nachhaltige Weise gewonnen werden kann“, so die Organisation.

„Dies wird wahrscheinlich dazu führen, dass in begrenztem Umfang ‚Abfallprodukte‘ wie tierische Fette aus anderen Industrien entnommen werden, sowie zu Massenimporten von zweifelhaftem Altspeiseöl aus dem Ausland“, so T&E weiter.

Diese Behauptung wird jedoch von den Kraftstoffherstellern und der Biokraftstoffindustrie zurückgewiesen. Sie verweisen dabei auf eine Studie, die von der industrienahen Forschungseinrichtung Concawe in Auftrag gegeben wurde.

„Darin wird klar dargelegt, dass es eine beträchtliche Verfügbarkeit von nachhaltiger Biomasse gibt, vor allem in der EU, um bis 2050 fortschrittliche Biokraftstoffe in einer Größenordnung von bis zu 150 Millionen Tonnen pro Jahr herzustellen“, erklärte der Industrieverband FuelsEurope gegenüber EURACTIV.

„Rohstoffe zur Herstellung moderner Biokraftstoff und verschiedene Technologien existieren heute und sind leicht skalierbar. Die Rohstoffe werden in der Regel vor Ort beschafft“, so Marko Janhunen, Vorsitzender der Advanced Biofuels Coalition, gegenüber EURACTIV.

„Sie können unsere Bemühungen um eine Verringerung der Verkehrsemissionen beschleunigen und gleichzeitig unsere Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern“, fügte er hinzu und wies darauf hin, dass „E-Fuels und Wasserstoff zwar vielversprechende Zukunftslösungen sind, sich aber noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden“.

Investieren oder nicht investieren?

E-Fuels-Befürworter zeigen sich indes erstaunt über die Forderung von T&E nach mehr Investitionen in synthetische Kraftstoffe.

„Wir begrüßen es, dass T&E mehr Investitionen in Wasserstoff und E-Fuels fordert, auch wenn sie das in ihrer Position zur RED anders sehen“, so Wehrhold.

„Hier fordert T&E lediglich 1,6 Prozent grüner Wasserstoff und eFuels in 2030. Der Kommissionsvorschlag liegt bei 2,6 Prozent und wurde im Rahmen von RePowerEU auf 5 Prozent erhöht. Das ist auch unsere Position“, fügte er hinzu.

Benedikt Heyl von T&E bestätigte diese Zahl gegenüber EURACTIV und argumentiert, dass E-Fuels „dort eingesetzt werden sollten, wo keine direkte Elektrifizierung möglich ist“, wie zum Beispiel im Schiffsverkehr und der Luftfahrt. Es solle aber „keine Anreize für die Verwendung von E-Fuels im Straßenverkehr“ geben, sagte er.

Die 3,3 Milliarden Euro, die bisher in die Produktion von E-Fuels investiert wurden, entsprächen jedoch nur einem Viertel der Produktionskapazität, die erforderlich wäre, um das von T&E geforderte Ziel zu erreichen, so Heyl weiter.

„Wenn der Großteil der Investitionen, die in die (Über-)Produktion von Biokraftstoffen fließen, in die Produktion von E-Kraftstoffen umgelenkt würde, würde T&E das sehr begrüßen“, fügte er hinzu.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]