NGOs fordern EU auf, erste Tintenfischfarm der Welt zu stoppen
Die EU sollte sich gegen den Bau der ersten Tintenfischfarm der Welt einsetzen. Das fordern zwei NGOs, nachdem Pläne für ein aus ihrer Sicht "grausames" Projekt auf den Kanarischen Inseln bekannt wurden.
Die EU sollte sich gegen den Bau der ersten Tintenfischfarm der Welt einsetzen. Das fordern zwei NGOs, nachdem Pläne für ein aus ihrer Sicht „grausames“ Projekt auf den Kanarischen Inseln bekannt wurden.
Die NGOs Eurogroup for Animals und Compassion in World Farming machten am Donnerstag (16. März) bekannt, dass das spanische Fischerei-Unternehmen Nueva Pescanova der Generaldirektion für Fischerei der kanarischen Regierung Pläne für eine Tintenfischfarm vorgelegt hat.
Den Plänen zufolge zielt das Projekt darauf ab, eine Million Kopffüßer im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria zu züchten, um jährlich 3.000 Tonnen für den Lebensmittelverbrauch zu erzeugen.
Aus Sicht der NGOs sind die Pläne jedoch „äußerst besorgniserregend, sowohl aus Sicht des Tierschutzes als auch der Umwelt.“ Die Organisationen forderten die Behörden deshalb auf, den Antrag des Unternehmens abzulehnen.
Die Verbände weisen insbesondere auf die Tötungsmethode mit eiskaltem Wasser hin. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass dies erhebliche Schmerzen, Angst und Leiden sowie einen längeren Tod“ verursachen würde, erklärten sie in einer Mitteilung.
Sie beklagen auch die „überfüllten und sterilen“ Becken, in denen 10 bis 15 Tiere pro Kubikmeter Wasser gehalten werden, was Aggressivität und sogar Kannibalismus auslösen könnte.
Diese Methode „wird dazu führen, dass sie miteinander kollidieren, was zu Spannungen und Stress führen wird. Wie Lachse können sie sich gegenseitig angreifen und fressen“, bestätigte Caroline Roose, Abgeordnete des Europäischen Parlaments, gegenüber EURACTIV.
Das andere Problem betreffe die Ausbeutung wilder Ressourcen für die Fütterung der Kraken, in diesem Fall Fischöle, führten die beiden Verbände aus.
„Die Nahrung stammt von kleinen pelagischen Fischen, die in Westafrika gefangen werden. Dadurch werden die Populationen ihrer Ressourcen beraubt, da diese wilden Fische oft ihre wichtigste Proteinquelle sind“, so Roose.
EU-Tierschutzgesetze
„Wir fordern die kanarischen Behörden auf, die Pläne von Nueva Pescanova abzulehnen, und fordern die EU dringend auf, die Tintenfischzucht im Rahmen der laufenden Überprüfung der Gesetzgebung zu verbieten“, sagte Elena Lara von Compassion in World Farming.
Da es in der EU derzeit keine Gesetze zum Schutz von Kopffüßern gibt, wollen die Organisationen die von der Europäischen Kommission für dieses Jahr angekündigte Überprüfung der EU-Tierschutzgesetze nutzen.
„Wir werden darauf drängen, dass diese Fragen in die Fischzucht aufgenommen werden“, sagte Roose.
„Die Kommission ignoriert das Thema Tierschutz im Fischerei- und Aquakulturbereich völlig. Wasserlebewesen sind die vergessenen Tiere in Europa“, fuhr sie fort.
Nueva Pescanova bestreitet jedoch, dass die Kraken durch die Farm in extreme Bedrängnis geraten würden.
Die Farm würde darauf abzielen, „den Druck auf die Fischgründe zu verringern und nachhaltige, sichere, gesunde und kontrollierte Ressourcen zu gewährleisten“, da die wachsende Nachfrage nach wild lebenden Tintenfischen zu Versorgungsengpässen geführt habe, so das Unternehmen gegenüber der BBC.
In den letzten Jahrzehnten ist die weltweite Nachfrage nach der Delikatesse explodiert, insbesondere in Spanien und Italien, aber auch in den USA und Japan. Jedes Jahr werden rund 350.000 Tonnen Tintenfisch gefangen – zehnmal mehr als noch im Jahr 1950.
Infolgedessen brechen die Wildbestände zusammen und die Fischerei kann die Nachfrage nicht mehr decken.
Das spanische Unternehmen hob auch seine jahrzehntelange Forschung auf dem Gebiet der effizienten Tierhaltung unter Berücksichtigung des Tierschutzes hervor.
In den letzten zehn Jahren (2010-2019) ist der Tintenfischmarkt nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) von 1,30 Milliarden Dollar auf 2,72 Milliarden Dollar gestiegen.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]