Erneuerbare Energien: Nord-Süd-Gefälle verschärft sich

Deutschland, ein weltweit führendes Land im Bereich der erneuerbaren Energien, ist stark geteilt zwischen dem Norden, wo die meisten Windkraftanlagen installiert sind, und dem Süden, wo die meisten Solaranlagen installiert sind.

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Das Nord-Süd-Gefälle in Deutschland wird immer größer, da das Land den Ausbau der erneuerbaren Energien nur langsam vorantreibt. [[Shutterstock/Wirestock Creators]]

Deutschland ist immer mehr zwischen dem Norden, wo die meisten Windkraftanlagen installiert sind, und dem Süden, wo die meisten Solaranlagen installiert sind, geteilt. Für die Netzstabilität womöglich ein Problem.

2030 soll laut dem Ampel-Koalitionsvertrag 80 Prozent des Stroms erneuerbar sein. Als Folge des notorisch langsamen Netzausbaus in Deutschland beunruhigt der Boom der Solarenergie im Süden und der Windenergie im Norden zunehmen die Entscheidungsträger in Berlin.

Windkraft und Photovoltaik werden oft als vergleichbare „intermittierende“ Quellen für grünen Strom angesehen. In der Praxis ergänzen sie sich jedoch in hohem Maße, da der Wind größtenteils dann weht, wenn die Sonne nicht scheint, und umgekehrt.

Im Jahr 2023 wird zwar ein neues Netzausbaugesetz in Kraft treten, aber Deutschland liegt bei den Ausbauzielen weit zurück. Insbesondere die wichtige Nord-Süd-Stromverbindung ist begrenzt.

Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse des Jahresberichts der Kooperationsgruppe von Bundesregierung und Bundesländern wohl etwas besorgniserregend.

Wie in den Vorjahren folgte der Ausbau von Wind und Photovoltaik einem entsprechenden Nord-Süd-Gefälle, teilte das Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz am Freitag (28. Oktober) mit.

Rund 75 Prozent bzw. 1,25 Gigawatt (GW) des erzeugungsrelevanten Zubaus bei der Windenergie an Land wurden in den Flächenländern Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen (NRW) und Schleswig-Holstein (SH) registriert.

NRW und SH werden von CDU-Grünen-Koalitionen regiert. Brandenburg wird von der SPD in Koalition mit der CDU und den Grünen geführt, während Niedersachsen von der SPD zusammen mit den Grünen geführt wird.

Fast 50 Prozent des neuen Photovoltaik-Zubaus (2,8 GW) wurden in Bayern, Baden-Württemberg und NRW errichtet.

Bei der Photovoltaik wurde fast die Hälfte – 2.784 Megawatt (MW) – des Zubaus in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen verzeichnet. Bayern wird von der konservativen CSU regiert, während Baden-Württemberg neben der CDU von den Grünen geführt wird.

Hinter der Kurve

Damit Deutschland seine Ziele für die erneuerbaren Energien für 2030 erreichen kann, was der Erzeugung von etwa 600 Terawattstunden (TWh) Strom aus erneuerbaren Energien entsprechen würde, muss die Kapazität deutlich erhöht werden.

Derzeit verfügt Deutschland über eine installierte Kapazität von etwa 63 GW an Photovoltaik, 57 GW an Onshore-Windkraft und 8 GW an Offshore-Windkraft. Die Ziele für 2030 sind 215 GW Solar, 115 GW Onshore und 30 GW Offshore.

In ganz Deutschland wurden im Jahr 2021 7,5 GW an zusätzlicher erneuerbarer Kapazität installiert. Davon entfallen 5,6 GW auf die Solarenergie, während der Ausbau der Windenergie in Deutschland mit 1,7 GW an neuen Kapazitäten weiterhin hinterherhinkt.

Die Regierung hofft, dass ihre „massive Überarbeitung“ der Gesetze für erneuerbare Energien und die anhaltende Verknappung fossiler Brennstoffe den erneuerbaren Energien einen großen Schub geben wird.

Die Zahlen für 2023 werden wohl der Lackmustest dafür sein, ob die Ampel die Energiewende wiederbeleben kann.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]