Norwegens Handelsbilanzüberschuss erreicht wegen Gasverkäufen Rekordhoch

Norwegens Handelsbilanzüberschuss ist im August auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Dies ist auf den sprunghaften Anstieg der Erdgaspreise zurückzuführen.

EURACTIV.com with AFP
epa08562928 (FILE) – Eldar Saetre, the CEO of Norwegian natural gas and oil company Equinor, looks at his own shadow cast on an equinor sign after the presentation of the company’s Q3 results, outside their headquarters in Fornebu, Norway, 25 October 2018 reissued 23 July 2020). Equinor, previously named Statoil, is due to release their 2nd quarter 2020 results on 24 July 2020.  EPA-EFE/VIDAR RUUD NORWAY OUT
Eldar Saetre, der CEO des norwegischen Erdgas- und Erdölunternehmens Equinor, betrachtet seinen eigenen Schatten auf einem Equinor-Schild nach der Präsentation der Ergebnisse des dritten Quartals vor dem Hauptsitz des Unternehmens in Fornebu, Norwegen, 25. Oktober 2018. [<a href="https://webgate.epa.eu/?16634349628007773501&MEDIANUMBER=56232451" target="_blank" rel="noopener">EPA-EFE/VIDAR RUUD</a>]

Norwegens Handelsbilanzüberschuss ist im August auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Dies ist auf den sprunghaften Anstieg der Erdgaspreise zurückzuführen, da das nordische Land nun Europas größter Lieferant ist, nachdem Russland seine Exporte gedrosselt hat, wie aus neuen Daten hervorgeht, die am Donnerstag (15. September) veröffentlicht wurden.

Die steigenden Gaspreise haben Oslo in eine unangenehme Lage gegenüber der Europäischen Union gebracht, da einige EU-Länder eine Preisobergrenze für Erdgas fordern.

Nach Angaben des norwegischen Statistikamtes SSB erreichte der norwegische Handelsüberschuss im vergangenen Monat fast 20 Milliarden Euro.

Der SSB-Experte Jan Olav Rorhus erklärte, die Gaspreise seien im August stark angestiegen, weil die russischen Lieferungen an die EU über die Nord Stream 1-Pipeline reduziert wurden.

„Dies führte dazu, dass die ohnehin schon hohen Exportmengen von Erdgas aus Norwegen einen Rekordwert erreichten“, fügte er hinzu.

Der russische Energieriese Gazprom hat die Lieferungen über die Nord Stream-Pipeline seit dem 31. August vollständig eingestellt, was als Vergeltung für die europäischen Sanktionen gegen Moskau wegen des Krieges in der Ukraine angesehen wird. Der Kreml erklärte, dass die Sanktionen die Instandhaltung der Pipeline verhinderten.

Norwegen hat die Lücke teilweise gefüllt und ist zum wichtigsten Lieferanten Europas geworden.

Im Juni einigten sich Brüssel und Oslo darauf, „die Zusammenarbeit zu intensivieren, um zusätzliche kurz- und langfristige Gaslieferungen aus Norwegen sicherzustellen“, heißt es in einer Erklärung, die nach einem Treffen zwischen EU-Klimachef Frans Timmermans und Norwegens Energieminister Terje Aasland veröffentlicht wurde.

„Es besteht ein großes Potenzial für eine Steigerung der Verkäufe nach Europa im Jahr 2022, was dem europäischen Markt nahezu 100 TWh an zusätzlicher Energie bringen würde“, heißt es in der Erklärung.

In der vergangenen Woche haben die europäischen Energieminister:innen eine Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung der steigenden Gas- und Strompreise unterstützt, wobei Mitgliedstaaten wie Belgien und Italien eine Preisobergrenze für alle Gasimporte in die EU forderten.

Die Europäische Kommission schlug zwischenzeitlich eine Preisobergrenze nur für russisches Gas vor, nahm aber seither von dieser Idee Abstand und erklärte, eine bessere Möglichkeit zur Preissenkung sei die Aushandlung von Vereinbarungen mit Bezugsländern wie Norwegen.

Eine neue Task Force soll Vereinbarungen mit Norwegen und anderen Gaslieferanten aushandeln, damit „wir den Gaspreis auf vernünftige Weise senken“, sagte von der Leyen in ihrer jährlichen Rede zur Lage der Union am Mittwoch (14. September).

Die Chefin der Europäischen Kommission kündigte an, dass sie von den Öl- und Gasunternehmen, die von den steigenden Preisen auf den globalen Energiemärkten außerordentliche Gewinne erzielt haben, einen „Solidaritätsbeitrag“ verlangen werde.

Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Store erklärte nach einem Telefonat mit von der Leyen, er stehe der Idee von Preisobergrenzen „skeptisch“ gegenüber.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]