Notarzt zum neuen französischen Gesundheitsminister ernannt
François Braun, ein 60-jähriger Arzt, wird Brigitte Bourguignon als französischer Gesundheitsminister ablösen, wie die französische Regierung am Montag (4. Juli) bei der Vorstellung des umgebauten Kabinetts von Premierministerin Elisabeth Borne bekannt gab.
François Braun, ein 60-jähriger Arzt, wird Brigitte Bourguignon als französischer Gesundheitsminister ablösen, wie die französische Regierung am Montag (4. Juli) bei der Vorstellung des umgebauten Kabinetts von Premierministerin Elisabeth Borne bekannt gab.
Vorgängerin Bourguignon war erst seit zwei Monaten im Amt gewesen, bevor ihre Niederlage bei den Parlamentswahlen sie zum Rücktritt zwang.
François Braun ist in Frankreich kein Unbekannter. Bereits während Macrons Präsidentschaftswahlkampf hatte er den Präsidenten bei der Erstellung von dessen Gesundheitsprogramm beraten.
Ende Mai hatte Macron ihn außerdem mit einer einmonatigen „Flash-Mission“ beauftragt, um erste Maßnahmen zur bestmöglichen Unterstützung des Gesundheitswesens im Vorfeld eines spannungsgeladenen Sommers festzulegen.
Die 41 Schlussfolgerungen der Mission wurden letzten Freitag veröffentlicht. Borne kündigte an, sie habe „alle von Braun erarbeiteten Vorschläge“ übernommen.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörte eine nationale Kampagne zur Aufklärung der Bevölkerung über die richtige Nutzung von Notdiensten, um so die Notaufnahmen zu entlasten.
Braun, ein ehemaliger Leiter der medizinischen Notdienste der Departments Moselle und Metz-Thionville, war auch Präsident der Gewerkschaft der Fachleute für Notfallmedizin Samu-Urgences de France (SUdF).
Ende Mai hatte die Gewerkschaft darüber Alarm geschlagen, dass 120 Rettungsdienste in Frankreich schließen oder ihre Kapazitäten reduzieren müssten.
Die Ernennung von Braun hat jedoch bereits eine Kontroverse ausgelöst.
„Für uns ist diese Ernennung eine echte Provokation“, sagte Christophe Prudhomme, Notarzt und Sprecher der Vereinigung der Notärzte Frankreichs (AMUF), gegenüber dem Fernsehsender franceinfo.
Ihm zufolge hat sich Braun für „Machtspiele und die Begleitung einer Politik der Degradierung des öffentlichen Dienstes“ entschieden.
„Wir haben heute ein echtes politisches Problem, und ich denke, dass es in der Welt des Gesundheitswesens und in der Bevölkerung eine Revolte angesichts der von Braun vertretenen beunruhigenden Politik geben wird“, fügte er hinzu.
Der konservative Philippe Juvin (Les Républicains) sagte, er sei von der Regierung „angesprochen“ worden, habe aber den Posten des Gesundheitsministers „abgelehnt“, so ein Bericht der Zeitung Le Figaro.
In einem Interview mit EURACTIV am 12. Juni hatte Juvin den Umgang des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der Mitgliedsstaaten mit der COVID-Krise kritisiert.
Generaldirektor des Roten Kreuzes neuer Minister für Solidarität
Doch außer Braun gibt es seit Montag noch ein weiteres neues Gesicht im Gesundheitsministerium: Der Generaldirektor des Französischen Roten Kreuzes, Jean Christophe Combe, wurde zum Minister für Solidarität, Autonomie und Behinderte ernannt und löst damit Damien Abad ab, der zuvor der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung beschuldigt worden war.
Combe kam 2011 zum Roten Kreuz und war seit 2017 als Generaldirektor tätig. Zunächst war er technischer Berater im Senat für die Fraktion Union Centrist, dann 2007 Stabschef des Abgeordneten Bruno Bourg-Broc und 2009 Stabschef des Bürgermeisters von Saint-Germain-en-Laye (Les Républicains).
Geneviève Darrieussecq wird ihn in ihrer neuen Funktion als Behindertenbeauftragte des Ministeriums unterstützen.
Das neue Gesundheitsministerium hat bereits eine Reihe von Dossiers auf dem Tisch, angefangen bei der Organisation der „großen Konsultation“ über den Zugang zur Pflege, die Emmanuel Macron während des Wahlkampfs versprochen hatte.
Braun wird sich auch mit der Krise auseinandersetzen müssen, in der sich der öffentliche Krankenhaussektor in Frankreich seit Monaten befindet, und die sich unter anderem in einem Mangel an medizinischem Personal und schlechten Arbeitsbedingungen äußert.
Darüber hinaus wird er sich auch mit der Bewältigung der Corona-Krise befassen müssen, da die Verbreitung des Virus in Frankreich zunimmt. Am vergangenen Freitag haben sich innerhalb von 24 Stunden 125.066 Personen infiziert, was einem Anstieg von 58 Prozent im Vergleich zu den vorangegangenen sieben Tagen entspricht.
[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]