Opel: Neue und alte Gerüchte
Das Warten auf die Opel-Entscheidung des US-Autobauers General Motors verleitet die Medien zum Wettlauf um Aufmerksamkeit: Plötzlich taucht Fiat wieder als Interessent auf, aber auch die Spekulation, die deutsche Regierung könne sich RHJI als Investor vorstellen. EU-Kommissar Günter Verheugen mahnte indessen, die Zukunft von GM Europe nicht zu einer Frage der politischen Beziehungen zu den USA zu machen.
Das Warten auf die Opel-Entscheidung des US-Autobauers General Motors verleitet die Medien zum Wettlauf um Aufmerksamkeit: Plötzlich taucht Fiat wieder als Interessent auf, aber auch die Spekulation, die deutsche Regierung könne sich RHJI als Investor vorstellen. EU-Kommissar Günter Verheugen mahnte indessen, die Zukunft von GM Europe nicht zu einer Frage der politischen Beziehungen zu den USA zu machen.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Mittwoch Nachmittag scheint die deutsche Regierung ihren Widerstand gegen den belgischen Finanzinvestor RHJ International als Opel-Käufer aufzugeben. Die Quelle, auf die sich der englischsprachige, aus Frankfurt datierte Bericht von 15 Uhr nachmittags beruft, ist die Donnerstagausgabe der „Bild“-Zeitung, also die Ausgabe vom nächsten Tag.
Die Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung scheint davon noch nichts zu wissen. Dort wird wiederum eine ganze andere Version verbreitet. Demnach könnte der italienische Fiat-Konzern weiterhin bzw. neuerlich an Opel interessiert sein. Als Quelle führt das Massenblatt einen Bericht der römischen Zeitung "La Repubblica" an.
"Einige Indiskretionen"
Allen Beteuerungen von Fiat-Chef Sergio Marchionne zum Trotz, für das Unternehmen sei das Kapitel Opel mit der deutschen Präferenz für Magna abgeschlossen, stehe Turin demnach bereit, "das Dossier wieder zu öffnen". Zwar verweigere die Fiat-Spitze jeden Kommentar, es habe jedoch trotzdem "einige Indiskretionen" gegeben.
Verwiesen wird unter anderem darauf, dass Fiat mit seinem Opel-Konzept einen Industrieplan verfolgt habe, während die Konkurrenten ihren Schwerpunkt auf die finanziellen und kommerziellen Aspekte gelegt hätten. Die Fiat-Führung könnte die Allianz mit Chrysler erweitern und insgesamt mehr als sechs Millionen Fahrzeuge pro Jahr vom Band laufen lassen.
Dass die Reuters-Meldung über das Umschwenken der Regierung Merkel in Richtung RHJI vom Bundeswirtschaftsministerium nicht kommentiert wird, wundert nicht.
Solarworld-Gerücht fehlt noch
Noch hat bisher kein Medium die Variante aufgebracht, dass auch Solarworld-Chef Frank Asbeck aus Bonn seine alten Investitionspläne wieder belebt. Asbeck wollte vorigen November ganz groß bei Opel einsteigen und die Opel-Werke samt der Entwicklungspläne für das Elektroauto Volt übernehmen, das 2010 auf den Markt kommen soll. Er wollte den Opel zu einem "grünen Auto" machen, nahm dann aber Abstand von seinem PR-trächtigen Vorstoß. Nach der jüngsten Spekulation um Fiat könnte nun allerdings wieder ein neues Solarworld-Gerücht ausgegraben werden…
In der Regierungspressekonferenz vom Mittwoch war Opel jedenfalls nur am Rande ein Thema. Gefragt, ob die Regierung noch Chancen sieht, dass es noch vor der Bundestagswahl zu einer Lösung kommt, sagte der Sprecher: "Es ist immer noch Bewegung im Spiel, so wie ich das auch dieser Tage gesagt habe. Weil Bund, Länder und GM-Management sowohl am Montag miteinander gesprochen haben als auch in den nächsten Tagen miteinander sprechen werden."
Neues Treffen am Freitag?
Der Regierungssprecher und der Sprecher des Wirtschaftsministeriums wollten weder bestätigen noch ausschließen, dass am kommenden Freitag erneut mit GM gesprochen wird. Ein Treffen am Montag war ergebnislos zu Ende gegangen. Eigentlich hatte Berlin bereits am vergangenen Freitag eine Entscheidung des US-Konzerns erwartet.
Inzwischen meldete sich EU-Kommissar Günter Verheugen zu Wort. Man dürfe die Zukunft von GM Europe nicht zu einer Frage der politischen Beziehungen zu den USA machen. Die "Verantwortung für die Zukunft der europäischen GM-Unternehmen" liege immer noch beim Eigentümer in Detroit, und er halte es für "riskant, wenn so komplexe Unternehmensentscheidungen in die Zwänge eines Wahlkampfs geraten".
Zwei Drittel des staatlichen Brückenkredits – 1,05 Milliarden Euro der Gesamtsumme von 1,5 Milliarden Euro – wurden inzwischen an Opel ausbezahlt, um dem Betrieb die Liquidität zum Weitermachen zu sichern.
Merkel: Deutsche Interessen
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Mittwoch entgegen früheren Äußerungen, es gebe keinen unmittelbaren Zeitdruck. Es sei zwar gut und richtig, dass es möglichst bald zu einer Einigung mit GM komme. Allerdings müsse „Inhalt vor Schnelligkeit gehen“, verriet sie dem Nachrichtensender N24. Es gehe darum, deutsche Interessen zu vertreten, „und das ist noch wichtiger als Schnelligkeit“. Die neu aufgetauchten Fragen werde die Bundesregierung „in aller Ruhe und Gründlichkeit“ behandeln.
ekö